
Carthage by Peter Klopp ©
Fatal Encounter in the burning Magalia-Villa
A girl knelt before an idol, glancing around in horror at the firelight. She must have been so deeply absorbed in prayer that she hadn’t noticed the entire destructive spree unfolding around her. She straightened up, reaching almost Publius’ height as. Her cheeks glowed fromthe heat, and her eyes blazed with hatred and rage.
“Are you finally coming to destroy me, Romans? I was almost expecting you!”
Publius instantly lowered his sword. Before him stood not a dream image, but Bersika, in terrifying clarity and reality.
“Bersika, how did you come to live in this unfortunate house?”
“Hasn’t it been made unfortunate by you?” she retorted harshly.
The ceiling beams above him were already sagging under the heavy ceiling, and the air was thick with stifling smoke.
The fixed gaze made Publius uneasy. Her eyes, usually so loving, seemed to burn like hot coals. In a subdued voice, which soon rose to a blazing fury, she accused him.
“As a Roman, you loved me; your love was genuine. I felt it in your letters, but you only loved me as a Roman.
When understanding and goodwill toward Carthage turned into hatred and mistrust, you broke with me. Roman honour forbade you from continuing to befriend a girl of the enemy. As a Roman, you broke with me.
Hate is not aimless and seeks venting! Carthage was the victim. As a Roman, you went into battle. As a Roman, you will destroy me! For you are not a human being! You are only a Roman.”
“Stop with such nonsense! You mustn’t think that of me!” Publius interrupted, looking fearfully at the beam that was bending ever lower.
Bersika’s fixed gaze made Publius uneasy. Her eyes, usually so loving, now seemed to scorch him like glowing coals. In a subdued voice, which soon rose to a blazing infuriation, she accused him.
“As a Roman, you loved me; your love was genuine. I felt it in your letters, but you only loved me as a Roman.
When understanding and goodwill toward Carthage turned into hatred and mistrust, you broke with me. Roman honour forbade you from continuing to befriend a girl of the enemy. As a Roman, you broke with me.”
The fire had now engulfed the entire upper floor, and everywhere the smouldering timber crackled and popped. Publius had to shout to be heard.
“Bersika, you don’t understand me, you can’t understand me, because I lied to you back then. Not because we had nothing left to say to each other, and not because the distance was so great and the separation so long.”
“I hadn’t given up on you. There was still someone else… because there was still Claudia!”
“Who is Claudia?”
Her fixed gaze softened slightly, revealing a touch of deep sadness. Tears welled in her eyes, but they might also have been caused by the increasingly thick smoke.
“A girl from Capua, I met her a month after my stay in Carthage. Without really wanting to at first, I fell in love with her. Yes, she soon tore the ground out of my heart, Bersica. I simply couldn’t bear to have two at once any longer. So I wrote you my last letter. I’m sorry I couldn’t tell you the truth…”
An avalanche-like, swelling tremor silenced him. He jumped back in horror as the heavy, red-hot beam finally buckled, snapped, and the ceiling, along with the furniture, came crashing down. Instinctively, Publius had thrown himself lengthwise into the opposite corner. A falling chair caught his left foot, causing him to screa in pain. He huffed and puffed in a haze of dust and smoke that obscured his vision. From the left side, where Bersika had been standing, there was no sound. Publius stumbled to his feet and, his face contorted in pain, limped across smouldering, half-burning wooden debris. The falling mass had thrown Bersika to the ground, badly mauling her. Her skull was fractured, and thick blood flowed from a wound in her neck. She was still alive, and as he stood bent over her in horror, a smile played around her mouth, and her eyes shone so unfathomably, so lovingly as on that evening in Magalia.
“Thank you for coming,” she said with difficulty, “but you know it was pure chance that I… So, thank fate for sending you to me. I am so grateful. You took the hatred from my soul in my final hours. I loved the person, not the Roman.”
The last words were barely a whisper. Moved to the core, Publius took her right hand and kissed it gently. When he looked at her face again, the light in her eyes had gone out. She was dead.
Four strong arms seized the young Roman and carried him outside. A moment later, the villa collapsed.
Karthago von Peter Klopp ©
Fatale Begegnung in den Flammen der Magalia-Villa
Vor einem Götterbild kniete ein Mädchen und blickte sich beim Feuerschein entsetzt um. Sie musste so tief im Gebet vertieft gewesen sein, dass sie die ganze Vernichtungsaktion um sich herum nicht bemerkt hatte.
Sie richtete sich hoch auf, sodass sie an Höhe Publius etwa gleichkam. Ihre Wangen glühten von der Hitze und ihre Augen sprühten vor Hass und Zorn.
“Kommst du endlich, mich zu vernichten, Römer? Ich habe dich fast erwartet!”
Publius ließ augenblicklich das Schwert sinken. Vor ihm stand kein Traumbild, sondern in erschreckender Klarheit und Wirklichkeit Bersika.
“Bersika, wie bist du in dieses unglückselige Haus gekommen?”
“Ist es nicht durch dich unglücklich geworden?”, entgegnete sie ihm hart.
Die Deckenbalken über ihm bogen sich bereits unter der glühenden Last und die Luft füllte sich mit stickiger, rauchgeschwängter Luft.
starre Blick machte Publius unsicher. Wie glühende Kohlen wirkten die auch sonst so liebevollen Augen auf ihn. Mit gedämpfter, aber bald in hellen Zorn sich steigernder Stimme klagte sie ihn an.
“Als Römer hast du mich geliebt, deine Liebe war echt. Ich fühlte sie in deinen Briefen, aber du hast mich eben nur als Römer geliebt.
Als sich Verständnis Der und Wohlwollen für Karthago in Hass und Misstrauen verwandelten, da hast du mit mir gebrochen. Die römische Ehre verbot dir, weiterhin mit einem Mädchen des Feindes Freundschaft zu pflegen. Als Römer hast du mit mir gebrochen.
Hass ist nicht ziellos und will sich austoben! Karthago war das Opfer. Als Römer zogst du in den Kampf. Als Römer wirst du mich vernichten! Denn du bist kein Mensch! Du bist nur Römer.”
“Hör auf mit solchem Unsinn! Du darfst nicht so von mir denken!”, fuhr Publius dazwischen und schaute dabei ängstlich auf den sich immer tiefer biegenden Balken.
Das Feuer hatte jetzt das ganze Obergeschoss erfasst und überall knisterte und prasselte es im schwelenden Gebälk. Publius musste schreien, um sich verständlich zu machen.
“Bersika, du verstehst mich nicht, kannst mich nicht verstehen, weil ich dich damals angelogen habe. Nicht weil wir uns nichts mehr zu sagen hatten und nicht weil die Entfernung so groß und die Trennung so lang war.”
“Ich hatte dich nicht aufgegeben, sondern es gab noch eine … weil es noch Claudia gab!”
“Wer ist Claudia?”
Ihr starrer Blick löste sich ein wenig und ließ Wehmut erkennen. Tränen standen ihr in den Augen, aber sie mochten auch vom Rauch herrühre, der immer dichter wurde.
“Ein Mädchen aus Capua, sie lernte ich einen Monat nach meinem Aufenthalt in Karthago kennen. Ohne es anfangs recht zu wollen, war ich in sie verliebt. Ja, sie entriss dir Bersika bald den Boden in meinem Herzen. Ich hielt es einfach nicht länger aus, zwei zugleich zu besitzen. So schrieb ich dir den letzten Brief. Es tut mir leid, dass ich dir die Wahrheit nicht…”
Ein lawinenartiges, anschwellendes Beben ließ ihn verstummen. Entsetzt sprang er zurück, als sich der schwere, durchgeglühte Balken vollends durchbog, brach und die Decke mitsamt dem Mobiliar herabstürzte. Instinktiv hatte sich Publius in die entgegengesetzte Ecke der Länge nach hingeworfen. Dennoch erwischte ihn ein herabfallender Stuhl am linken Fuß, sodass Publius vor Schmerz laut aufbrüllte. Er prustete und hustete in einem Staub und Branddunst, der keinen Doppelschritt der Sicht freigab. Von der linken Seite, wo Bersika gestanden hatte, war kein Laut mehr zu hören. Publius raffte sich auf und humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht über schwelende, halbbrennende Holztrümmer. Die herabstürzenden Massen hatten Bersika zu Boden geworfen und übel zugerichtet. Die Schädeldecke war gebrochen, und aus einer Halswunde floss dickes Blut. Sie lebte noch, und als er entsetzt über ihr gebeugt stand, da spielte ein Lächeln um ihren Mund, und die Augen leuchteten so unergründlich, so liebend wie an jenem Abend in Magalia.
“Ich danke dir, dass du gekommen bist“, sagte sie mühsam, „aber du weißt doch, dass es reiner Zufall war, dass ich … So, danke dem Schicksal, dass es dich zu mir geschickt hat. Ich will dir dankbar sein. Du hast mir in meinen letzten Stunden den Hass von der Seele genommen.
“Ich habe den Menschen, nicht den Römer geliebt.”
Die letzten Worte waren nur noch gehaucht. Bewegt ergriff Publius ihre rechte Hand und küsste sie sanft. Als er wieder ins Gesicht schaute, war das Leuchten ihrer Augen erloschen. Sie war tot.
Vier kräftige Arme ergriffen den jungen Römer und brachten ihn ins Freie. Ein Augenblick später brach die Villa in sich zusammen.