The Peter and Gertrud Klopp Family Project

Reflections on Life, Family and Community

Category Archives: Germany

Über menschliche Werte im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben – 3. Teil

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Albert_Schweitzer_in_Lambarene_1964

Albert Schweitzer in Lambarene 1964 – Photo Credit: Wikipedia

Barmherzigkeit

In den Seligpreisungen seiner Bergpredigt, die Albert Schweitzer als die „Rechtsurkunde des freien Christentums” bezeichnet hat, nennt Jesu auch die Barmherzigkeit. Sie bedeutet Erbarmen haben mit körperlich oder seelisch leidenden Menschen, aber auch mit der leidenden Kreatur im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben. Barmherzigkeit gegenüber allen Geschöpfen, wie Schweitzer es einschließt, bedeutet zum Beispiel Verzicht auf eine Tierhaltung, die Leiden verursacht. Beim Erbarmen spielt die Schuld des leidenden Wesens keine Rolle. So hat man nicht nur mit redlichen Menschen Erbarmen, sondern ebenso mit solchen, die nach dem Gesetz oder der geltenden Moral schuldig geworden sind. Ebenso hat der ethische Mensch Erbarmen auch mit Ausländern, die illegal eingereist, hier ausgenutzt und dann in Abschiebehaft gelangt sind. Er hat Erbarmen nicht nur mit Opfern der Gewalt, sondern auch mit Tätern, die zu Reue und Einsicht gekommen sind.

Albert Schweitzer schreibt in seiner Kulturphilosophie: „Wo nur meine Person in Frage steht, darf ich immer geduldig sein, immer verzeihen, immer Nachsicht üben, immer barmherzig sein. Jeder von uns kommt aber in die Lage, dass er nicht nur für sich, sondern auch für eine Sache verantwortlich ist und dann zu Entscheidungen genötigt wird, die gegen die persönliche Sittlichkeit gehen.” Auch in diesem Falle sollte man Barmherzigkeit walten lassen. Denn Barmherzigkeit zu üben, bedeutet auch ethische Freiheit von der Welt, wodurch der Barmherzige größer und stärker wird.

Mit dem Hinweis auf seinen Entschluss, nach Afrika zu gehen, beruft sich Schweitzer auf die Barmherzigkeit, die Jesus und die Religion befehlen. „Zugleich aber wende ich mich an das elementare Denken und Vorstellen. Nicht als ein,gutes Werk’, sondern als unabweisliche Pflicht soll um das, was unter den farbigen zu tun ist, erscheinen …In Ehrfurcht vor dem Leben und in tiefem Empfinden für Weh und Angst haben wir in suchender Barmherzigkeit zu dienen und Erlösung zu bringen. Wo wir aus Notwendigkeit so oft Leid und Tod über Geschöpfe bringen, müssen wir da, wo wir als Freie handeln dürfen, umso mehr darauf aus sein, sie zu schonen und ihnen Helfer zu sein.”

Über menschliche Werte im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben – 2. Teil

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A012Anteilnahme

Sprichwörter sagen: „Geteiltes Leid ist halbes Leid, aber geteilte Freude ist doppelte Freude.” Am Schmerz und an der Freude von Mitmenschen teilzuhaben, ist ein wichtiger Ausdruck von Menschlichkeit. Denn Anteilnahme hilft, seelische und körperliche Leiden zu ertragen und zu überstehen; aber auch erfahrenes Glück hilft es, tiefer zu empfinden. Doch Anteilnahme muss von erzen kommen und darf keine Floskel nach dem Muster: „Schönen Tag noch!” sein. Anteilnahme bedeutet, dass man Leid und Freude des Mitmenschen mitempfindet und ebenso betroffen ist wie er selbst. Anteilnahme zu zeigen erfordert aber auch ein Gespür, wie weit sie gehen darf. Oft fehlen die richtigen Worte, dann genügt ein Händedruck, eine Umarmung oder auch nur ein Blick. Hilfe kann oft auch durch Taten zum Ausdruck kommen und Trost spenden. Die Anteilnahme muss natürlich ehrlich gemeint sein, sonst sollte man auf Zuspruch lieber verzichten.

Nun gibt es auch Berufe, in denen man ständig mit hilfs­bedürftigen, unglücklichen, leidenden Menschen zu tun hat. So kann kein Arzt, keine Krankenschwester, kein Pfleger oder Geistlicher mit seinen Patienten, Anvertrauten in vollem Umfang mitleiden. Sie brauchen neben der Nähe auch die Distanz.

Anteilnahme ist ebenso eine gesellschaftliche wie politische Notwendigkeit. „Natürlich kann ein Politiker nicht jedes Schicksal eines Arbeitslosen zu seiner Sache machen”, schreibt Jutta Schreur (in Möllering und Behlau). „Aber er – oder sie – muss ein Gespür dafür behalten, dass hinter jeder Statistik solche Einzelschicksale stehen …” Ein Vorbild aus der Politik auch in dieser Hinsicht war für mich die Sozialministerin des Landes Brandenburg, Regine Hildebrandt, die ihre Anteilnahme stets mutig und deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Sie hat dafür nicht immer nur Beifall geerntet. Für mich ist sie ein Beispiel dafür, dass man ethische Werte auch in der Politik verwirklichen kann – wenn man Charakter hat.

Wenn wir von Anteilnahme sprechen, muss bewusst bleiben, dass es um Menschen geht, nicht um eine „höheres Ideal oder Ziel”. Es geht um die Ehrfurcht vor dem Leben und dem Schicksal eines Menschen neben mir. „Wahrhaft ethisch ist der Mensch nur”, schreibt Albert Schweitzer, „wenn er der Nötigung gehorcht, allem Leben, dem er beistehen kann, zu helfen, und sich scheut, irgendetwas Lebendigem Schaden zuzufügen.”

Über menschliche Werte im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben – 1. Teil

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Diese Serie ist, wie der Gesamttitel schon andeutet, den menschlichen Werten im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben gewidmet. Sie wurde liebevoll von meinem Vetter Dr. Hartmut Kegler zusammengestellt, die er 2015 als kleines Heftband in Deutschland veröffentlichte. Ich drücke hiermit meine Dankbarkeit aus, diese kostbaren Gedanken in meinem Blog aufnehmen zu dürfen. Möge der Leser Inspiration und viel Freude beim Lesen dieser Schrift haben. For my non-German readers I recommend using Google Translate.

Vorbemerkung

Es wird oft von menschlichen Werten gesprochen, denen wir verpflichtet seien. Unsere Gesellschaft versteht sich auch mitunter als eine „Wertegemeinschaft”. Doch um welche Werte es dabei geht, wird selten genau erklärt. Es bleibt einem auch oft verborgen, wenn man nach dem geht, was in der Öffentlichkeit be- und geachtet wird: Politiker, Schauspieler, Sportsleute, der gehobene Adel lassen nicht immer die Werte erkennen, die gemeint sein könnten. Doch wenn man auf den Alltag des schlichten Mitbürgers achtet, begegnet einem manches, was ehrenwert ist. In Krankenhäusern und Altersheimen, in Kinderdörfern und Familienwerken, in Frauenhäusern und Hospizen, in Obdachlosenheimen und „Tafeln”, aber ebenso in vielen Nichtregierungsorganisationen wie „Ärzte ohne Grenzen”, „Brot für die Welt” oder Caritas, in Natur-, Umwelt- und Tierschutzvereinigungen wirken Menschen, die ethische Ziele aufopferungsvoll verfolgen und verwirklichen helfen. Sie finden in Illustrierten und Fernsehsendungen zu selten öffentliche Würdigung. Deshalb habe ich einmal versucht, einiges über menschliche Werte zusammenzutragen und habe dabei auch nicht nur weise Persönlichkeiten zitiert, sondern vor allem die Gedanken und das Wirken eines „Genies der Menschlichkeit” anklingen lassen, der mit seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben menschliche Werte nicht nur benannt, sondern auch vorgelebt hat.

Möge die Schrift Interesse und Zuspruch finden.

Hartmut Kegler

Baroness Anna von Waldenfels (née Klopp) – Part XX (Final Episode)

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Aunt Anna’s Neglected Gravesite

At the end of the 1950s, after giving up the house in Söcking, Bavaria, Anna von Waldenfels moved to Freiburg/Breisgau close to her sister Meta Mülbert, who lived at Maria-Theresiastraße 4. Her husband Vincenz had passed away in 1958. Anna at first rented an apartment at number 7 across the street.

In the summer of 1959, while on a bike tour through Germany with my friend Rainer Schüler, I visited both aunts, who add moved together at No. 4. I remember Aunt Anna quite well, a feisty old lady filled with an unbroken spirit and a fervour, which revealed strong nationalistic overtones. She spoke to us young men of sacrifices to be rendered in blood and honour to put Germany back on her feet again. Obviously, her heart and mind were still dreaming of an era that no longer existed. These bizarre ideas of a past imperialistic Nazi-Germany, having brought nothing but extreme suffering and total destruction to many nations under its control, were completely foreign to us growing up in democratic West Germany.

At about the same year she met for the last time her granddaughter, the then 23-year old Carola von Waldenfels (born in 1932 at Lagowitz). She had most likely made a farewell visit and proceeded from there to travel as a photographer to California, USA. The two widows maintained contact with Ernst Klopp (my father), who had remarried and lived with his new wife Erna Klopp (née Krämer) in Michelbach near Schotten.

Once a resolute, energetic lady, always leaving the impression of a governess, now suffered from bladder incontinence, which considerably restricted her mobility and physical activities. At 82, she died of cancer on 3 November 1969 in Freiburg/Breisgau. The two families Georg von Waldenfels from Haren/Ems and Meta Mülbert provided on 7 November 1967 a final resting place for Anna on her beloved husband’s side in the Starnberg forest cemetery. Her son had arranged the transfer of his mother’s remains to Söcking, but he did not deem it necessary to take care of the completion by adding a cross for his mother. Fate’s irony is that her gravesite remained nameless just as the one of her eldest brother Friedrich Klopp (1875 – 1946)  in Gardelegen in the former German Democratic Republic. “Sic transit gloria mundi.”

Baroness Anna von Waldenfels (née Klopp) – Part XIX

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New Beginning for Anna and Ludwig von Waldenfels

From Gauting as their starting point, Anna and Ludwig von Waldenfels, both already at retirement age, began once again to build up a foundation for their livelihood. At the end of 1947, they leased one half of the former Wehrmacht training camp Pentenried, which had become the possession of the State of Bavaria. They purchased the living and material inventory for the property. The couple kept about 15 to 20 cows, 2 or 3 teams of horses, 2 German shepherds; they had access and use of a tractor and employed three coachmen, also Walter Schirrmeister, their former estate manager of Panwitz, as well as a certain Ulrich Kennemann, and between February 1948 and February 1949 their nephew Karl Klopp (1929 – 2019) [Peter’s brother]. At the beginning of 1950, the couple von Waldenfels gave up the lease again and went into retirement. Ludwig was 75, and Anna was 65 years old. Today there remains very little of the Pentenried estate, a few outbuildings, and a hall with pigs’ troughs dating back to the army years.

Anna and Ludwig acquired subsequently the house at Hauptstraße 1 in Söcking near Starnberg and there they spent their golden years. On 17 March 1954, Ludwig von Waldenfels died at the age of 79. His wife had him buried in his Bavarian officer’s uniform. In September 1990, the author of the Klopp Chronicles, which I am translating into English, Eberhard Klopp, visited the neglected gravesite and found Ludwig’s wooden cross, which while still showing name and vital dates of the deceased von Waldenfels had due to weathering greatly deteriorated over the past four decades. Ludwig’s unserviced gravesite No. 84/85 is located at the forest cemetery of Söcking. One searches in vain for the mention of Anna von Waldenfels (née Klopp), who has also been buried here in 1967.

Baroness Anna von Waldenfels (née Klopp) – Part XVIII

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Escape from the Horrors of War

On the morning of 29 January 1945 Ludwig von Waldenfels was totally against leaving Panwitz. Being a former WW1 officer of the Bavarian army, he planned to hide in the forests of Panwitz and armed with a pistol intended to sacrifice his life if necessary. His wife Anna knew how to curtail such dramatic, but senseless undertaking and with gentle force manoeuvred him into the waiting car.

The population of East Brandenburg (to which Panwitz belonged) experienced all the brutalities of the Russian hordes. The people percentage-wise paid the highest blood tribute rendered in 1945 at their expulsion from the German eastern provinces. In Rogsen alone, a village of 761 inhabitants 10 km south of Panwitz, a dozen men were shot and on the night of 29 January 1945 forty brutally raped women and girls committed suicide. Already in the afternoon of the same day, Soviet artillery shot from Heidemühl and Kupfermühle at a distance of 5km into Meseritz.

For Ludwig and Anna, in view of the military situation, there was only one escape route. It led over icy and snowed-in country lanes via Lagowitz and Brätz to the main connecting road to Schwiebus. With little luggage and the few things on their body, the couple reached after one week of travel Gauting near Munich. There they found first reception at their brother/brother-in-law Ernst von Waldenfels (1877 – 1955). He was a bank chief inspector and lived at 10 Hindenburg Street. He was in charge of money matters before the chaotic times set in. Here they experienced the arrival of the Americans and thus survived the war’s end.

Within just a few hours a life’s work and dream had sunk into oblivion. Only the nostalgic feelings of 18 years of Panwitz and Lagowitz remained, which nobody of the former residence would ever see again. Alive remains the memory of the shadowy gravesite of grandmother Emma Klopp (née Bauer) in the park of the Panwitz estate. Her final resting place was supposed to have become the family gravesite of the Klopp and von Waldenfels clans. The fury of war and the greatest mass expulsion in history had swept all this away.

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