The Peter and Gertrud Klopp Story – End of Book I

Epilogue

For our wedding on May 21, 1966, my mother wrote a touching poem, which she also spoke on tape. She was unable to attend the wedding. So Biene and I could at least listen to and enjoy her voice. Chronologically, her message belongs to Book III of the Klopp family chronicle, but her good wishes and heart-felt words are a very fitting conclusion to the trials and tribulations we had to endure before we could finally tie the knot.

Albert Schweitzer – Seminar #24

Der Urwalddoktor als Richter und Schlichter

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Das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene war ja eigentlich ein Hospitaldorf. Albert Schweitzer wollte das so, damit sich die afrikanischen Patienten dort heimisch fühlen konnten und es so haben wie zuhause: Die Kranken konnten ihre Angehörigen mit ins Hospital bringen und auf einfachen Feuerstellen ihr Essen zubereiten, wie sie von ihrem Stamm gewohnt waren. Die Häuser des Hospitals waren nicht sehr hoch, sondern so flach wie ihre Hütten in Urwaldsiedlungen.

Aber für Albert Schweitzer und seine Helfer war das alles nicht so einfach. Die vielen Leute, die mit den Kranken ankamen, wollten auch essen, trinken und schlafen. Das alles zu regeln, erforderte viel Mühe und Verständnis. Am Anfang half dem Doktor vor allem seine Frau Helene. Später kamen noch der Gehilfe Joseph und die treue und tüchtige Gehilfin Emma Haußknecht hinzu, die ihr ja schon kennen gelernt habt. Aber auch viele andere tüchtige Frauen und Männer kamen aus Europa und Amerika nach Lambarene, um Albert Schweitzer als Ärzte oder Krankenschwestern zu helfen.

Die gesunden Familienangehörigen, die mit den Kranken ins Hospital kamen, mussten natürlich auch helfen. Sie konnten nicht etwa nur so herumsitzen und warten, bis man sie bediente, wie es mit den Kranken geschah. Sie halfen auch gerne und waren dabei immer fröhlich. Die Frauen wuschen und nähten die Wäsche, hielten die Räume und Wege sauber, halfen den Ärzten und Pflegern bei der Betreuung der Patienten und pflegten das Obst und Gemüse im Garten. Die Männer führten die schwereren Arbeiten durch. Wie wir schon gehört haben, fällten und zersägten sie Bäume im Wald, um Bauholz zu gewinnen. Sie rodeten auch kleine Waldflächen, damit wieder ein neuer Garten angelegt werden konnte. Dort pflanzten sie dann Papaya, Maniok. Tomaten, Bananen und viele andere Früchte. Auch fuhren einige Männer täglich mit ihren Booten den Fluss Ogowe hinauf und hinunter, um Fische zu fangen.

Eines Tages kam es unter diesen Männern zum Streit. Sie sprachen laut aufeinander ein, aber sie schlugen sich nicht. Dennoch nahm der Streit kein Ende. Man rief deshalb den Doktor und bat ihn, den Streit zu beenden. Albert Schweitzer kam hinunter zum Fluss und fragte: „Warum schreit ihr euch so an? Ihr seid doch vernünftige Menschen und könnt ruhig miteinander sprechen! Habt ihr mich schon einmal so schreien gehört?“ Da wurden die Streithähne ganz still und verlegen. „Warum zankt ihr euch überhaupt?“, fragte der Doktor einen der Männer. „Er hat heute Nacht mein Boot genommen und ist zum Fischen gefahren!“, antwortete der eine der beiden Streiter und zeigte auf einen anderen Mann, der noch in dessen Boot stand. „Das Boot war ja gar nicht angeschlossen“, rief dieser, „deshalb habe ich es eben genommen!“ Dabei schaute er auf den Boden des Kahns, auf dem viele dicke Fische lagen, die er im Verlaufe der Nacht gefangen hatte. „Diese Fische gehören mir, denn du hast sie mit meinem Boot gefangen!“, rief der Bootsbesitzer böse. „Nein, sie gehören mir, denn ich habe sie ja gefangen und nicht du!“, entgegnete der Fischer. Nun forderte der Bootsbesitzer Geld vom Fischer für die Benutzung des Bootes. „Warum hast du das Boot nicht angeschlossen? Du bist selber schuld!“, antwortete der andere. So ging das hin und her. Schließlich war der Doktor am Ende seiner Geduld. Er hatte ja noch mehr zu tun, als sich ewig diesen Streit anzuhören. „Schluss mit dem Zank!“, sagte er. „Ihr beide habt Schuld auf euch geladen! Keiner von euch ist ein Engel! Aber jeder von euch hat auch Recht! Also zeigt nicht immer mit dem Finger auf den anderen, sondern schaut euch mal selbst in den Spiegel und denkt darüber nach.“ Da wunderten sich alle, denn so etwas hatten sie bei ihrem Urwaldrecht noch nicht erlebt, dass man Unrecht und Recht zugleich haben kann.

Albert Schweitzer erklärte es ihnen. Alle hörten aufmerksam zu. „Im Recht bist du“, sagte Albert zum Bootsbesitzer, „weil der Fischer dich hätte um Erlaubnis bitten müssen, den Kahn zu benutzen. Im Unrecht bist du aber, weil du dein Boot nicht angeschlossen hattest, wie es sich gehört! Dadurch hast du deinen Kameraden in Versuchung geführt. Außerdem warst du zu faul, in der vergangenen Nacht selbst zum Fischen hinaus zu fahren, obwohl der Mond so hell schien und die Fische leicht zu fangen waren. Lieber hast du geschlafen!“ Der Bootsbesitzer schämte sich nun doch ein bisschen. „Aber du“, wandte sich der Doktor nun dem Fischer zu, „der du das Boot genommen hast, bist schuldig, weil du deinen Kameraden nicht um Erlaubnis gefragt hast, das Boot zu benutzen! Im Recht bist du, weil du nicht so faul warst und die Mondscheinnacht nicht ungenutzt vorübergehen lassen wolltest. Dabei hast du so viele schöne Fische gefangen.“

„Deshalb sage ich euch“, fuhr Albert Schweitzer nach einer kurzen Denkpause fort, „wie wir das Problem friedlich und gerecht lösen werden: Einen Teil der Fische erhält der Mann, der sie gefangen hat. Einen zweiten Teil bekommt der andere Mann, dem das Boot gehört. Und den dritten Teil tragen wir in die Hospitalküche, die davon für alle eine schöne Suppe kocht. Nun geht in Frieden auseinander und vertragt euch wieder. Haltet euch aber in Zukunft immer an Recht und Ordnung!“

Damit wandte sich der Doktor um und ging wieder zu seinen Kranken ins Hospital. Die Leute am Fluss sagten ganz leise: „Er hat recht, der Grand Docteur!“ Sie teilten die Fische auf und vertrugen sich fortan.

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The Story of my Aunt Anna Baroness von Waldenfels

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A couple of years ago, as some of my early followers may recall, I published the life stories of the first seven children of my grandparents. My father was the sixteenth and last child of this extremely large family, an unusual occurrence even in the world of the 19th century. My posts are based on a book published by my cousin Eberhart Klopp.

Now that Book I of the Peter and Gertrud Klopp has been published in its entirety, I can turn my attention again to the remaining children, my aunts, uncles and my father Ernst Klopp. The life story of my aunt Anna is particularly fascinating, as she was the one endowed with a large portion of beauty and intelligence with that extra portion of luck, which enabled her to catapult herself from the lower-middle class segment of society into the glorious realm of nobility.

The Long Road to Castle Panwitz – Part I

Baroness Anna Auguste Luise von Waldenfels (née Klopp)

Anna was born, as stated by the author Eberhart Klopp, as the product of a passing state of euphoria in marital relations after the parents Friedrich and Emma Klopp received their share of the inheritance from Emma’s grandfather Johann Christian Bauer (1792-1883). Anna, the eighth child, was born on September 29, 1885 in Jersleben, was baptized by Pastor Heyne. After the completion of the elementary school program in Wolmirstedt she enrolled around 1900 in a trade school in Berlin, a early form of business college for women with room and board facilities for non-resident students.

As a 15/16 year old student she somewhat experienced from afar the narrow-minded domestic squabbles between her father and her brothers Friedrich (1875-1946) and Ferdinand (1879-1952) as well as her mother Emma being discriminated against back home at Wolmirstedt. She spent in 1902 or1903 some time as au-pair girl in an Irish household, where she acquired her English language skills.

In 1903 she applied for a secretarial position at the administration at the garrison in Metz, Loraine. After she was hired, she became acquainted there with Lieutenant Ludwig Max Baron von Waldenfels (1875-1954). Ludwig entered the officer’s training program  at the First Field Artillery Regiment in Munich in 1897 and after being promoted to the rank of Second Lieutenant he became a member of the 4th Bavarian Infantry Regiment in Metz.

When the liaison between the protestant miller’s daughter and the titled Lieutenant von Waldenfels became known, it created mixed feelings with the future mother-in-law Maria von Waldenfels (née von Mühldorfer), whose husband was not involved, since he had already passed away in 1898.

The birth of Anna’s son Fritz Georg was not exactly a joyful event for the catholic von Waldenfels family. Anna gave birth to her only child neither in proximity of her mother-in-law nor in the nebulous circle of the officers’ wives of Metz. In preparation for her ‘heavy hour’ she decided to give birth in the impoverished pioneer’s cabin at her mother Emma in the West Prussian village of Schönsee-Weihe near Thorn. In the church of Schönsee (today Polish Kowalowo Pomorskie) Firtz Georg was baptized into the protestant faith. The offspring of the much later performed official marriage ceremony offered a great opportunity to the Klopp-Weihe family clan for deriding comments, not omitting even adventurous speculations about Anna’s Jewish background. The actual truth for the rumours trickling down to Wolmirstedt and Zielitz may be found in the reaction of the Bavarian mother-in-law Maria von Waldenfels.

To be continued next week …

 

Natural Splendour of the Arrow Lake

Wednesday’s Photo

First of May Greetings

Today I am posting only one photo. Nature is quite a bit behind in our neck of the woods in Western Canada. Normally the cherry trees would have already shown their blossoms and the plum trees would have put on their white dress. Last week I caught the late bloomer of a daffodil in the brilliant morning light. Truly a harbinger of spring! Enjoy.

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The Peter and Gertrud Klopp Story – Chapter XLII

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Biene’s Flight to Canada

“flight

1 a journey made through the air, especially a scheduled journey made by an airline

2 the action of fleeing, such as flight from turmoil

The New Oxford American Dictionary”

A Very Peculiar Itinerary

On April 6, 1966 Biene’s best friend Ulli pulled up her Mercedes at Elisabeth Street 9 to pick up Biene and her mother and drive them to the Düsseldorf Airport. Having taken the passenger liner Ryndam the year before, I was unable to give Biene any advice on the best possible airline route from Germany to Calgary. The Frankfurt International Airport  would have been a better choice. For it was then and still is one of the busiest travel centres with non-stop flights to all major destinations including Calgary. As it turned out, Biene’s odyssey with two stop-overs, one in Paris, the other one in Montreal, was going to be the last endurance test on her patience, which had already been stretched to the limit of her strength during the past twelve months.

After the final farewell and one last appeal from her mother to keep her independence (meaning not to get married), Biene stepped onto the regional plane to Paris. She was travelling light, although in those days airlines were far more generous than today with the weight of your luggage. Her suitcase contained only the most essential articles of clothing and personal effects. Perhaps her mother perceived it as a hopeful sign. The sweet illusive prospect of having her daughter back by Christmas had made her departure a little easier to bear.

In the late afternoon, Montreal time, Biene had just made herself comfortable at the window seat on the plane bound for Calgary. Tired and a bit exhausted from the long journey across the Atlantic and the tedious passport control by Immigration Canada, she let her thoughts and feelings dwell on the joyful moment awaiting her at the Calgary Airport and on the time together with me in our humble basement suite. She could barely contain her excitement mixed in with the fear of the man whom she only knew, except for a very few visits, through their three years of correspondence. Yet, it was a pleasant fear, as she described it in one of her last letters to me. She managed to calm herself knowing that the love she felt for me would overcome all fear.

Suddenly an announcement over the intercom brought her back to the immediate presence. In a calm and reassuring tone the pilot explained that due to some engine problems he would have to fly back to Montreal. When Biene looked outside, her eyes became glued in horror to the engine on the left wing. A trail of thick smoke was pouring from the defective engine. Fortunately, a short time later the plane landed safely, but caused a two-hour delay for the passengers on their flight to Calgary.

animals avian daylight ducks

Finally Together

In the meantime my brother Gerry (Gerhard) and I were getting ready to pick up Biene at the airport. The Chinook winds, which had brought spring-like weather to the city of Calgary less than a week ago, now yielded to the cold front chilling to the bones everyone who was foolish enough to venture outdoors. I was grateful to my brother and his wife Martha for providing accommodation for Biene until the time of the wedding. Biene seemed to have forgotten that this arrangement was part of the conditions we had to fulfill for getting her landed immigrant status. ‘Tempora mutantur et nos mutamur in illis.’ Times are a-changing and liberally minded people may scratch their heads nowadays and ponder in mockery and disbelief over this old-fashioned provision by Canada Immigration of the 1960’s.

At the airport we found out to our great dismay that Biene’s plane was delayed by two hours. I admired Gerry’s patience for having to wait that long before he could drive back to his home in southeast Calgary. This being Wednesday he had to work the next day. And I had a psychology lecture to attend in the morning. Shortly after midnight we were standing at the gate, through which the first bunch of travellers  were passing and were being received with cheerful hellos from friends and relatives. As their number dwindled to a trickle and the flight attendants were marching through the gate, Gerry noticed the grave expression on my face and in his own peculiar way to cheer me up remarked matter-of-factly, “Don’t worry, Peter. Biene is not coming.”

He had barely finished teasing me, when a figure, rather slim and bundled up in a black coat emerged all alone in the doorway. The fluorescent light gave her a pale appearance. But her smile upon seeing me was unmistakably Biene’s. Weaving our way through the remaining stragglers we approached each other faster and faster like driven by powerful magnets feeling the overwhelming forces of attraction every step of the way. Then we embraced and kissed each other, while Gerry looked on amazed at the sheer length of time we took just to say hello.

So it came to pass that exactly one year after we had kissed each other good-bye in Germany, Biene and I were wondrously reunited at the Calgary Airport.

End of Book I

Albert Schweitzer – Seminar #23

Fräulein Emma und ihr Fiffi

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Ihr erinnert euch sicher, dass Albert Schweitzer am Beginn seiner Arbeit im Urwald nur zwei Helfer hatte. Diese waren seine liebe und tüchtige Frau Helene und der afrikanische Koch Joseph. Doch später kamen immer mehr treue Helferinnen und Helfer hinzu. Eine von ihnen war Emma Haußknecht. Sie war zuvor Lehrerin und stammte wie Albert auch aus dem Eisass. Nachdem sie von Albert Schweitzer gehört hatte, gab sie ihren Beruf auf und ging im Jahr 1925 auch nach Lambarene, um ihm zu helfen. Dort wurde sie im Urwaldkrankenhaus Pflegerin. Über 30 Jahre wirkte sie an der Seite des Urwalddoktors.

Emma Haußknecht war eine sehr kluge und fleißige Frau mit viel Herz für die leidenden Menschen, aber auch für die Tiere. Emma leitete den ganzen Haushalt der Klinik. Sie achtete auf den Koch, dass er das Essen sauber zubereitete und das Trinkwasser lange genug abkochte. Von ungekochtem Wasser konnte man nämlich sehr krank werden. Sie achtete auch darauf, dass die Bettwäsche und die Nachthemden der Kranken gründlich gewaschen und wieder geflickt wurden, wenn sie eingerissen waren.

Sie pflegte den Garten, in dem Obst und Gemüse wuchsen. Sie leitete den Bau der Häuser, wenn Albert Schweitzer nicht im Hospital war, schrieb Briefe, führte Buch über die Rechnungen und war bei den Afrikanern eine beliebte und geachtete Frau. Auch hielt sie in ganz Europa Vorträge über das Leben im Hospital und sammelte Spenden für die Pflege der Kranken in Lambarene. Ihr wisst ja schon, dass es im Urwaldhospital nicht nur Menschen gab, um die man sich kümmerte. Es lebten dort auch viele, viele Tiere, die verletzt oder auf andere Weise in Not geraten waren. Aber man hielt dort auch Haustiere, weil man Nahrungsmittel brauchte. So gab es viele Ziegen, die gemolken wurden, um den kleinen Kindern wenigstens eine Tasse Milch am Tag geben zu können. Auch fütterte man Hühner, um Eier zu erhalten. Denn eine Kaufhalle, in der man schnell einmal ein paar Milchflaschen oder Eier kaufen konnte, gab es im Urwald natürlich nicht.

Um alle diese Tiere sorgte sich auch die treue Emma Haußknecht. Mit den Hühnereiern hatte sie aber auch manchmal ihre Probleme. Im Hühnerstall befanden sich nämlich Nester, in die die Hennen ihre Eier legen konnten. Damit die Hennen wussten, wozu diese Nester gebaut worden waren, legte Emma weiße Gipseier hinein. Auf sie sollten sich die Hühner dann gemütlich setzen und ihre eigenen Eier dazu legen. Das taten sie auch, denn die Hühner sind gar nicht so dumm. Aber es gab im Hospital leider auch kleine Spitzbuben und Schlingel. Einer von ihnen beobachtete, wie Emma an einem schönen Tag einen Korb voller Eier aus dem Hühnerstall trug und in die Hospitalküche brachte. Der Schlingel aber dachte: „Diese Eier könnte ich auch selber essen!“ Nach einer Weile schlich er sich in den Hühnerstall und erblickte dort in jedem Nest ein weißes Ei. Schnell steckte er sich die Eier in die Tasche und verschwand in seiner Hütte. Doch am nächsten Tag lief er schreiend zu Emma Haußknecht und rief: „Diese Eier sind verzaubert!“ „Warum?“, fragte ihn Emma. „Sie sind hart wie Stein und man kann sie nicht essen!“, schimpfte der Schlingel. Emma fasste die Eier an und merkte sofort, dass es die Gipseier aus dem Hühnerstall waren. Da schimpfte nun auch sie auf den Spitzbuben: „Du hast die Eier gestohlen! Die sind nicht verzaubert, sondern aus Gips! Zur Strafe für diesen Diebstahl wirst du jetzt den Hühnerstall ausmisten!“ Der Schlingel war ganz verlegen, denn es tat ihm leid, dass er gestohlen hatte. Außerdem schämte er sich, weil ihn seine Freunde auslachten und riefen: „Das geschieht dir recht! Du bist nicht nur ein Dieb, du bist auch noch ein Dummkopf!“ Schnell machte sich der Schlingel daran, den Hühnerstall zu säubern und seine Schuld zu büßen. Er hat es auch nie wieder getan, und Emma hatte ihm längst alles vergeben.

Aber die gute Emma hatte auch ein „Baby“. Das war kein kleines Menschen-Kind, sondern ein junges Äffchen. Es hieß Fiffi und war ein Schimpansen-Kind. Schimpansen sind übrigens die nächsten Verwandten des Menschen und haben viele Eigenschaften mit uns gemeinsam. Fiffi war ein ganz liebes Tier und hing dem Fräulein Emma stets an der Schürze. Für Fiffi war Emma so etwas wie eine Mutti. Der kleine Fiffi hatte nämlich keine richtige Mutter mehr. Ein böser Jäger, der durch den Urwald geschlichen war, hatte die Schimpansenmutter mit seinem Gewehr einfach totgeschossen. Jemand hatte das verlassene Schimpansen-Kind im Laub liegen sehen und aufgehoben. Es war ganz hungrig und hatte Angst. Sein kleines Gesichtchen war richtig schrumpelig und traurig anzusehen. Der Finder brachte das Äffchen zu Fräulein Haußknecht, die sich beim Anblick des kleinen Wesens erschreckte. Doch sie nahm es an sich und fütterte es wie ihr eigenes Kind. Sie gab ihm mit einem Fläschchen warme Milch und mit einem Löffel etwas Reisbrei mit Zucker. Den Brei pappte das Tierchen am liebsten. Fiffi nahm nun Fräulein Emma als neue Mutti an. Ohne sie würde es ja verhungern oder von Schlangen gefressen werden. Emma musste ihr „Baby“ nicht nur füttern, sondern es auch in Windeln einwickeln, damit es nicht sein Körbchen und das Zimmer verschmutzte. Im Urwald war das natürlich alles nicht nötig, aber hier im Hospitaldorf musste alles schön sauber bleiben. So hatte Fräulein Emma neben ihrer vielen Arbeit im Hospital auch noch ihr Tun mit ihrem Fiffi. Einmal war etwas ganz Ulkiges passiert. Emma kam plötzlich ganz aufgeregt aus der Küche gelaufen und rief: „Wo ist Fiffi?“ Sie fürchtete, dass ihr „Baby“ weggelaufen sein könnte und von Hunden gebissen, von Schlangen gefressen worden wäre. Oder ist es gar im Ogowefluss ertrunken? Doch alle Leute, die das aufgeregte Fräulein Haußknecht sahen, mussten laut lachen: Fiffi hatte sich auf Emmas Rücken festgeklammert, wie es junge Äffchen im Urwald bei ihren Müttern tun. Fräulein Emma aber hatte das gar nicht bemerkt und hatte ihren Fiffi gesucht, obwohl er fröhlich an ihrem Rücken hing.

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