Walter K. Panknin – Wie ich die USA sehe Part III

Guest Post by Gertrud’s Nephew Norbert Werner

Reifferscheid Family Tree – Chart III – III & IV
 Blog Contribution in German by Norbert Werner

Walter K. Panknin – Wie ich 1989/90 in den USA erlebt habe

(Wie ich die USA sehe – Teil III)

Zusammengestellt von Norbert Werner

Vorwort: Ende 1989 begannen unruhige Zeiten in der DDR. Die Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten für einen „besseren Sozialismus“. Mit dem Anschluss an die Bundesrepublik und der Wiedervereinigung im Oktober 1990 kamen viele neue Sorgen und Probleme auf uns bisher recht unmündige Bürger zu. Ich suchte mir in Walter einen Gesprächspartner, der mir manches erklären und vielleicht auch einen Rat geben sollte.

Arlington, 30.9.1989

Ja, meine Lieben, auch ich habe in der Presse verfolgt, was in Deutschland so vor sich geht. Mehr als einmal habe ich an Euch alle gedacht und mich in Eure Situation versetzt… Ich bin ziemlich sicher, dass sich der in der UdSSR begonnene Prozess der Liberalisierung nicht mehr aufhalten lässt und über kurz oder lang auch in der DDR fortsetzen wird. Ein einzelnes Land, so groß oder klein wie die DDR, kann nicht auf Dauer in so verkrusteten Strukturen bestehen, vor allem nicht, wenn ja praktisch alle Nachbarländer, alle Verbündeten, alle Vorbilder von früher einen neuen Kurs einschlagen. Die Menschen sind einfach mündiger geworden. Zu lange hat man ihnen einzureden versucht, dass schwarz=rot ist, das ein Kreis viereckig ist. Lange, allzu lange haben sich die Menschen damit abgefunden, haben sich ihren eigenen Teil gedacht. Doch irgendwann kommt einfach mal der Punkt, wo man offen sagen dürfen will: Schwarz ist schwarz und rot ist rot, und ein Kreis ist rund. Es ist im Grunde die in jedem Menschen verbleibende „Würde“, die sich nicht total unterdrücken lässt. Es ist die Würde und das eigene Streben, ausreichend selbst bestimmen zu können was man tut, wohin man sich entwickelt, was man wird. Ich bin absolut sicher, dass in kurzer Zeit, in wenigen Monaten, maximal 1-2 Jahre, auch in der DDR ein Umdenken und ein drastischer Wandel stattfinden wird. Ich hoffe nur, dass dieser Wandel einigermaßen geordnet, ohne dramatische Vorgänge erfolgen wird. Wie es gehen kann hat man in Russland, Polen, Ungarn gesehen.

Leipzig,Montagsdemonstration - Photo Credit: wikipedia.org

Leipzig,Montagsdemonstration – Photo Credit: wikipedia.org

Arlington, 23.10.1989

Leber N., liebe Ch., ich war in den letzten Jahren vielleicht nicht so oft bei Euch, aber doch oft genug, um mir ein sehr plastisches Bild von dem machen zu können was Euch in diesen Wochen und Monaten berührt. Auch hat uns unser reger Schriftwechsel im letzten Jahr noch näher zueinander gebracht, als wir ohnehin schon waren. Man braucht nur die Anzahl der Flüchtlinge der letzten Monate durch die Bevölkerungszahl zu dividieren um sofort zu sehen, dass fast ein jeder ganz persönlich betroffen ist. Plötzlich fehlt ein Freund, ein Kollege, ein Bekannter. Auch kann ich Deine Wut und Enttäuschung verstehen, dass gerade diejenigen geflohen sind, denen es noch am besten ging. Mit Deiner trotzdem so besonnenen Haltung scheinst Du gottseidank nicht allein dazustehen. Wie ich in der Zeitung gelesen habe, muss vor allem der große Protestumzug in Leipzig sehr verhalten und besonnen gewesen sein.

Berlin Demonstration - Photo Credit: wikipedia.org

Berlin Demonstration – Photo Credit: wikipedia.org

Arlington, 9.11.1989

Meine Lieben,

mein Brief von gestern ist noch nicht abgeschickt und die Ereignisse haben sich überschlagen. Heute ist die Mauer gefallen. Mir fehlen die Worte, um Euch meine Empfindungen und Gefühle zu schildern. Was soll ich in diesen Stunden denken und schreiben, die in die Geschichte Deutschlands eingehen und die uns persönlich alle so tiefgreifend beeinflussen werden. Ich wünsche Euch Kraft, Besonnenheit und einen klaren Kopf, um in dieser Zeit weiterhin das richtige zu tun. Ich bin bei Euch allen in meinen Gedanken und bleibe Euer Walter.

Fall der Mauer - Photo Credit: wikipedia.org

Fall der Mauer – Photo Credit: wikipedia.org

Arlington, 18.12.1989

Meine Lieben, der Versuch, die Ereignisse der letzten Wochen zu beschreiben und zu charakterisieren führt mich hinweg von Eurem und meinem Alltag. Doch eines Tages werden eure Kinder sagen können: „Ich habe es erlebt- ich war dabei!“ Ich hoffe und wünsche, dass die Ereignisse in der DDR sich niemals wieder umkehren werden. Ich weiß, das der Westen sicherlich nicht Sinnbild alles Guten ist, doch ich bin aus tiefstem Herzen überzeugt, dass Ihr alle einen Schritt in die richtige Richtung tut. Es wird Euch alle fordern,- es wird nicht leicht sein,- doch was war leicht in der Vergangenheit? Es wird Euch helfen auf lange Sicht. Und wenn ich sage „lange Sicht“, so meine ich die nächsten 5-10 Jahre.

Arlington, 9.10.1990

Aus der Ferne, doch in Gedanken war ich voll dabei, habe ich die Vereinigung unserer beiden Staaten erlebt und mitverfolgt. Zwei Staaten, wie sie sich gegensätzlicher kaum vorstellen lassen, die aber trotzdem zusammengehören Dies ist, jeder weiß und spürt und erlebt es, kein leichter Prozess. Für beide Seiten. Ich habe vor Kurzem an die Zeit nach 1945 gedacht, als meine Eltern im Alter von 53 bzw. 56 Jahren mit zwei 10jährigen Kindern und zwei Koffern ein neues Leben begannen. Ich glaube, wir haben ca. 4 oder 5 Jahre in einer Einzimmer-„Wohnung“ gelebt, ehe wir die erste Wohnung bekamen. 1961- im Jahr des Mauerbaues- machten wir unsere allererste Urlaubsreise nach Italien an den Gardasee.

 

Friedrich Wilhelm Ferdinand Klopp (1879-1952) – Part IV

Charged with Attempted Murder

Klopp Family Tree

Chart I – II

On a sultry summer evening pub owner Ferdinand Klopp, short-tempered and irascible at the best of times, was quaffing copious amounts of schnaps with his younger brother Wilhelm. As the drinking session was dragging on into the wee hours, the two had an argument over the financial status of the pub ‘Brown Elk’, which they owned and managed together. Wilhelm’s wife, whom mother-in-law Emma later described contemptuously as Satan’s wench, added oil to the fraternal dispute by heaping insults upon her brother-in-law Ferdinand.

WWI Pilot Ferdinand Klopp

WWI Pilot Ferdinand Klopp – Picture taken 1915

With no weapon at hand in such an explosive situation one would expect the dispute to deteriorate into a brawl. However, Ferdinand did have an illegal weapon, an army pistol hidden away somewhere. In his fury he aimed at his brother and pulled the trigger. The shot penetrated Wilhelm’s shoulder and injured his wife, who was standing behind him.

Castle at Wolmirstedt - Photo Credit: holidaycheck.de

Castle at Wolmirstedt – Photo Credit: holidaycheck.de

After his arrest Ferdinand, while waiting for the court proceedings to start, spent several weeks as prisoner in the castle at Wolmirstedt. His sentence turned out to be rather mild. The judge dismissed the attempted murder charge. It was clear to him that the accused committed the crime under extremely volatile and emotional circumstances. After being released from prison, Ferdinand handed over the pub to his brother, departed almost like a fugitive and left his home turf around Wolmirstedt in a big hurry.

Lake Scharmützel ß Photo Credit: Alfred Held

Lake Scharmützel – Photo Credit: Alfred Held

Ferdinand found refuge at his sister Jula‘s brick and mortar factory, whom I had already mentioned in a previous post. There he found employment and received a modest income. It appears that here in Diensdorf at the beautiful Lake Scharmützel Jula rescued her brothers Ferdinand and the still unmarried younger brother Hermann (1892-1957) from the devious comfort of drinking and carousing that people in trouble often seek as a form of escapism.

Friedrich Wilhelm Ferdinand Klopp (1879-1952) – Part V

Ferdinand’s Wheeling and Dealing

Klopp Family Tree

Chart I – II

On the basis of daughter Victoria Luise’s birth in 1910 at Kriewen (today Polish Krzwin  about 15 km southeast of Koscian) one can safely assume that after two years Ferdinand managed to lease another dairy or mill. Never resting he finally succeeded in squeezing his eldest brother and family out of the house in Wolmirstedt. However, he did not use the property for himself, but rented it out, until he eventually sold it to the neighboring print shop Adolf Grenzau between 1912 and 1914. In 1914 the Ferdinand Klopp family dwelled in Elsterwerda, Brandenburg, where his fifth daughter Else Meta was born. It was rumored that Ferdinand bought agricultural property in that region.

Elsterwerda, Brandenburg - Photo Credit: wikipedia.org

Elsterwerda, Brandenburg – Photo Credit: wikipedia.org

At the beginning of WWI in 1914 Ferdinand was drafted into the army. With the rank  of a sergeant he earned the Iron Cross. On a photograph of October 10, 1915 he is described as a pilot of the Third Company, Aviation Department 6 in Großenhain. Whether he was actually promoted to the rank of an officer could not be determined by the author of the Klopp family chronicles, Eberhard Klopp.

Großenhain - Photo Credit: wikipedia.org

Großenhain – Photo Credit: wikipedia.org

At the end of WWI Ferdinand was in possession of considerable amounts of money due to any of the following circumstances. Mother Emma was known for her financial generosity, the army may have provided funds as part of the decommissioning process, Ferdinand may have received compensation for his lost properties in West Prussia, which now had become part of Poland, last but not least the sale of his Wolmirstedt house may have added a significant amount to his bank account. A decisive factor in his systematic and hard-nosed isolation of his eldest brother Friedrich can be traced back to his insane penchant for revenge by the impulsive and irascible Ferdinand.

'Coffee' Mill at Elbeu - Photo Credit: wikipedia.org

‘Coffee’ Mill at Elbeu – Photo Credit: wikipedia.org

In Elbeu, where he – so it is said – acquired ‘estates’ in 1919, the sixth and last daughter, Rosel, was born on November 16, 1919. As a matter of fact, Ferdinand and his younger brother Wilhelm (1886-1937) got together on a joint business venture. Wilhelm, who likewise returned for his lost properties in the eastern provinces to Wolmirstedt and had bought a new house in Elbeu, arranged for the purchase of the inn ‘Brauner Hirsch’ (Brown Elk). The author of the Klopp Chronicles, which I am translating at least to a large part in this blog, stated that on his visit of the region in 1990 he viewed a derelict guesthouse run by the GDR trade organization (HO) on the road to Magdeburg. In 1932 the pub had become the scene of a ‘brotherly’ altercation, which resulted in a murder charge and will be the topic of next Thursday’s post.

Walter K. Panknin – Wie ich die USA sehe – Teil II

Guest Post by Gertrud’s Nephew Norbert Werner

Reifferscheid Family Tree – Chart III – III & IV
A very critical view of the US condensed from letters written in the late 1980’s
Photos  from Walter Panknin’s New York Album 1988
 Blog Contribution in German by Norbert Werner

Vorwort: Der erste Teil dieses Beitrages beschäftigte sich mit den Menschen und der Lebensweise in den USA. In diesem Betrag fasse ich die Eindrücke über das „Konsumverhalten“ der Amerikaner zusammen. Kommt uns das heute nicht sehr bekannt vor?

Walter NY4054

Great Neck, 4.April 1988

Laut Arbeitsvertrag habe ich Anrecht auf einen Firmenwagen. Doch, wie ihr sicher verstehen werdet, hatte ich bisher kaum Zeit, mich um dessen Anschaffung zu kümmern. Zu oft war ich unterwegs, und auch mit der neuen Wohnung gab es ja genug – und gibt es immer noch- zu tun.

Nun, nach einigem Hin und Her habe ich schließlich ab 30. März zunächst mal einen Wagen gemietet und siehe da, mit einem mobilen Untersatz eröffnen sich völlig neue Welten…

Endlich habe ich auch die Supermarkets entdeckt, die ich aus Kanada kannte und bisher vermisst hatte. Natürlich sind sie noch ein wenig größer als in Toronto oder Nakusp, doch das macht das Einkaufen nicht immer einfacher.

Nun muss ich ein 95m langes Brotregal abklappern um letztendlich festzustellen, dass zwischen den 138 verschiedenen Brotsorten nur wenige Unterschiede sind. Alle sind gleich labbrig und schwammig. Danach gehe ich das 95m lange Regal zurück, um zwischen 328 Sorten Haarwaschmittel auszusuchen, dann wieder 95m in die andere Richtung, um zwischen 38 verschiedenen Sorten Tomatensaft zu wählen. Es sind nur 38 Sorten, aber sie nehmen jeweils soviel Platz ein. Auf dem Rückweg durch Reihe 4 find ich die tollen Angebote über Toilettenpapier-jede Farbnuance, die gewünscht ist-, Reihe 5 bringt dann Dosensuppen, Reihe 6 bringt Gemüse in Dosen, Reihe 7 –immer noch 95m lang- gestattet die Wahl zwischen 42 Sorten Cornflakes, Reihe 8- schon etwas müde auf den Füßen entlanggelaufen- hat nur Katzennahrung … Na ja, so klappert man also seinen Supermarket ab. Man kauft nicht einfach „Klopapier“, nein, man kauft einen „value“, einen „Wert“. Und was für einen „value“! das Klopapier ist um 9 cent die Rolle herabgesenkt- welch ein Geschäft! Es ist ein „bargain“-, ein Geschäft was ich mache, wenn ich nun sofort 10 Rollen, nein 100 Rollen, am besten 1000 Rollen kaufe. Dann habe ich ja 1000×9 cent gespart. Es ist unglaublich und ihr werdet es mir auch kaum abnehmen

Aber diese Neuigkeit, das diese besondere Sorte Klopapier ab gestern 9 cent billiger ist als bisher, wird vielleicht sogar im Fernsehen angekündigt als sei ein Goldschatz plötzlich umsonst zu vergeben.

Der Witz der Werbung liegt übrigens darin:

     * Das Klopapier ist 9 cent billiger

     * Für das Auto zahlt man 500 $ weniger

     * Für das Radio zahlt man 100 $ weniger.

Nie wird gesagt, wieviel die Sachen vorher gekostet haben und jetzt kosten. Dazu muss man anrufen oder eben ins Geschäft kommen.

Heute war ich in einem Möbelgeschäft, das letzte Woche eine ganzseitige Anzeige in einer der größten Zeitungen hier hatte- der „New York Times“. Angepriesen wurde ein sehr hübsches Regal. Doch wenn ihr nun denkt, dieses Regal sei zu kaufen gewesen, dann habt ihr euch geschnitten. Es war nicht zu besichtigen, nicht auf Lager, – erst ab Mai erhältlich.
Warum also die horrend teure Werbung? Ganz einfach, um Kunden ins Geschäft zu locken und ihnen etwas anderes anzudrehen.

Möbelkauf ist übrigens in N.Y.- wahrscheinlich in den ganzen USA- ein sehr schwieriges Geschäft für Europäer. Es gibt 3 Sorten Möbel.

Die erste Sorte ist die Billigsorte: Tisch, Stühle, Regale, alles für 49,99 $. Die Qualität ist entsprechend. Nachdem man 2x auf dem Stuhl saß, bricht er zusammen, das Regal ist stabil genug, gerade sich selbst zu tragen- wehe, wenn man 2 Bücher reinstellt.

Möbel Sorte 2: Das ist Rokoko und Barock auf amerikanisch. Imitierte Eiche, viele Schnörkel viel blinkendes Messing, Preis relativ hoch. Dafür klemmen die Schubladen, hängen die Türen schief in den Scharnieren. Für den US-Geschmack nett anzusehen, aber nur aus 20m Entfernung. Es ist ein Teil des Showgeschäfts: Große Fassade- nichts dahinter.

Möbel Sorte 3, das sind die Importe aus Europa, doch leider die miesen Qualitäten. Denn man will ja gleichzeitig die Käuferschicht der Klasse 1 ansprechen, also 49,99 $, diesmal kosten die Regale 499,95 $, doch ist die Qualität in keiner Weise angemessen. Es ist wirklich ein Jammer, ich war heute in 5 Geschäften und danach so tief enttäuscht.

Walter NY4055

N.Y., 2. Mai 1988

Wie ich schrieb, habe ich das Auto von der Gesellschaft AVIS gemietet. Als ich letztes Wochenende mit Rob durch die Gegend fuhr, sagte ich: „Ach, die Size in diesem Auto sind wirklich unbequem Eigentlich müsste ich es umtauschen.“ Da wir gerade zufällig in der Nähe einer AVIS-Station waren, hielt ich dort an und sagte, dass mir die Sitze zu unbequem sind.

„O.K. Sir, welchen Wagen möchten Sie?“ Ich ging zum Parkplatz, probierte ein paar Autos aus und entschied mich dann für einen Toyota. Innerhalb von ca. 6 Minuten hatte ich einen neuen Vertrag, die Sachen umgeladen und ab ging es in dem neuen Gefährt. Dieser Wagen ist viel bequemer. Er hat elektrisch verstellbare Fenster, Klimaanlage, Radio und Kassettenrecorder usw.

Doch warum erwähne ich das? Was mich immer wieder verblüfft, ist die Schnelligkeit, mit der man so manche Dinge erledigen kann, während andere Sachen oft sehr langsam und umständlich gehandhabt werden.

Rob und ich sind dann zu einem Einkaufszentrum gefahren, wo ich mir noch einen kleinen Fernseher für meinen Computer gekauft habe. Natürlich habe ich wieder etwas gehandelt- und siehe da, ich bekam das Gerät für 298 $ statt für 329 $. Es ist ein Farbfernseher von Sony, mit Fernbedienung, im Prinzip sehr preiswert. Dabei gibt es andere Marken sogar schon für ca. 200 $, doch ist die Qualität nicht so gut.

Walter NY4056

Great Neck, 19. Mai 1988

Wenn man allein, vielleicht sogar nachts, in einer großen leeren Halle ist, so wird man durch das kleinste Geräusch aufgeschreckt und aufmerksam. Wenn man aber in einem tobenden Fußballstadion ist und seinem Nachbarn etwas sagen will, so muss man brüllen, um sich verständlich zu machen.

N.Y. ist wie ein tobendes Fußballstadion. Dementsprechend noch lautstarker, marktschreierischer, greller und überzogener ist die Werbung, um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Man kann sich der Werbung nicht entziehen. Im Radio, Fernsehen, in Zeitschriften, auf Plakaten hämmert sie auf die Menschen ein. Sie ist nicht elegant, witzig, unterschwellig informativ oder anregend, sondern ganz einfach brutal. Die 4 wichtigsten Worte werden aneinandergereiht und jedem eingehämmert: MORE VALUE for YOUR DOLLARS. Dieser Slogan muss von einem Computer ausgedacht sein:

„Mehr“: jeder will mehr haben, alle streben nach mehr, nach viel mehr, nach Geld, Reichtum, Einfluss, Macht.

„Wert“: Es wird kein Produkt angesprochen, sondern der besondere Wert. Der besondere Wert einer Cornflakes Sorte, der besondere Wert eines Reinigungsmittels, der besondere Wert der neuen Coca Cola.

„Deine Dollars“: Die will man haben, die sollen ausgegeben werden, dafür bekommt man „Wert“. Die Dollars sollen locker gemacht werden im wahrsten Sinn des Wortes.

Nirgendwo kann man so viele Leute beobachten, die offen auf der Straße ihre Dollars zählen wie in N.Y. Dicke Geldscheinbündel werden an den Straßenecken durchgezählt. Oft ist es gar nicht soviel Geld, denn es gibt ja den 1 $-Schein-, aber man berauscht sich am Anblick des dicken Geldbündels.

Die Sprache und Lautstärke, mit der die Werbung verkündet wird, ist tatsächlich ausnahmslos so laut, als wolle man von einer Seite des Stadions auf der gegenüberliegenden Seite jemanden überzeugen.

Walter NY4057

Great Neck, 30. Juni 1988

Heute Abend, es geht auf 22:30 Uhr zu, habe ich wieder den Fehler begangen, etwas den Fernseher einzuschalten. Doch während ich mich über das Programm ärgerte, habe ich nochmal über das TV-Programm im allgemeinen nachgedacht.

Ich glaube, die große Enttäuschung, die Europäer -insbesondere Deutsche- beim US-Fernsehen empfinden, beruht auf eine Art Missverständnis, geboren aus einer Gewohnheit. Ich möchte einen Vergleich wagen:

Wenn man ein ledergebundenes Buch aufschlägt, 228 Seiten dick, hervorragend im Druck, so erwartet man selbstverständlich, dass etwas Lesenswertes gedruckt ist. Es kann ein Roman sein, ein Sachbuch, ein Gedichtband, eine Reisebeschreibung. Vielleicht stimmt man nicht völlig dem Geschriebenen zu, vielleicht entspricht es nicht dem eigenen Geschmack, doch zumindest erwartet man etwas Diskussionswürdiges. Andere mögen das Buch hervorragend finden.

Doch was ist ein Buch? Ein Buch steht aus Seiten, auf die man drucken kann, was man will, im Prinzip. Ich glaube, wir alle wären ziemlich erstaunt, wenn wir dies ledergebundene Buch aufschlagen würden und entdeckten nur Banalitäten, Geschmiere, Gossensprache, Mist. Doch prinzipiell kann dies keiner untersagen. Warum nicht Mist auf Hochglanz drucken? Der zunächst ahnungslose Leser muss sich einfach damit vertraut machen, dass sich nicht hinter jedem wertvollen Einband auch etwas Lesenswertes verbirgt.

So ist es auch mit dem Fernsehen in den USA. Es ist einfach ein Mittel, bewegte Bilder ins Haus zu bringen. Ob diese Bildbeiträge entsprechend sind, interessant, langweilig, aufreizend, einschläfernd oder anekelnd, das entscheidet die Fernsehstation. Indem man einen Sender einschaltet bezahlt man dafür, in das Buch schauen zu dürfen. Der Preis dafür ist die Werbung zwischen der Sendung, die man mit ansehen muss. Die Qualität der Sendung orientiert sich am primitivsten Zuschauer, nämlich demjenigen, der noch gut empfänglich für die Werbung ist. Dem darf man dann auch nicht zu viel zumuten. Also bitte keine Beiträge aus Europa, meist weiß man hier doch nicht so genau, wo das liegt. Irgendwo zwischen China, Russland und Australien.

Friedrich Wilhelm Ferdinand Klopp (1879-1952) – Part IV

Raising his Family in West Prussia

Klopp Family Tree

Chart I – II

In 1905 Ferdinand married in the St. Mary’s Church of Thorn (today Polish Torun) his mother’s Polish maid. Her name was Rosalie Gronga (1877-1953). She was from Sampohl near Groß Konarcyzn, West Prussia. Her father owned a small farm and was at the same time at the service of the forestry department of Prussia. Ferdinand and Rosalie worked together a parcel of land similar in size and kind as mother Emma’s land in the vicinity.

Church in Elsenau (Olszanowo)

Church in Elsenau (Olszanowo) – Photo Credit: wikipedia.org

Their daughters Margarethe and Charlotte were born there in 1906 and 1907 respectively. Then the family moved to Gostyn in the area south of Posen (today Polish Posnan), where they took over a dairy. Since Ferdinand had some expertise in the dairy business, he seized on an opportunity to get rid of the less profitable settler’s parcel at Elsenau.

Church of Gostyn near Posnan

Church of Gostyn near Posnan – Photo Credit: wikipedia.org

The establishment of hundreds of estate dairies is directly connected to the years, when the byproducts of the sugar refineries and distilleries were intensively reprocessed for feed in the burgeoning cattle industry. In addition to this innovation the use of artificial fertilizers and the production of bone meal for fertilizing the meadows resulted in increased milk production among the successful cattle ranchers. Daughter Gertrud was born here in 1908. At the same time brother-in-law August and sister Rosa lived in Gostyn. This is a definite indication that at least in part, family connections were the cause for the resettlement.

Typical Estate Manor around the Turn of the Century

Typical Estate Manor around the Turn of the Century – Photo Credit: wikipedia

Why I live in Paris

Guest Post

by Johanna Pasdeloup

Klopp Family Tree
Chart I – V & VI

For one semester I wanted to go to Paris and had booked a flight for August 29, 2006. unfortunately, I arrived at the airport on August 30. I missed my plane and booking a another flight would have been incredibly expensive. So I decided to take the bus instead. On the day in the evening I boarded the bus and arrived in Paris on the Saturday of September 2. For the first little while I was supposed to stay with a friend of my friend’s father, who lived in the northern suburb of Paris.

Eiffel Tower Paris - Photo Credit: wilipedia.org

Eiffel Tower Paris – Photo Credit: wikipedia.org

Having been sitting in the bus all through the night I was pretty tired. Nevertheless we drove all the way to the southern part of Paris, where there was an impossible disco. There was also Régis, because an acquaintance of his wanted to go there too. He too thinks that the disco is impossible.

Johanna and Régis with their two children Alice and Maxime

Johanna and Régis with their two children Alice and Maxime

Well, there we met for the first time. I spoke very poor French, but we made arrangements for a date to meet the very next day at 3 p.m. “au pied de la Concorde” without exchanging our telephone numbers. And indeed we both showed up the very next day. Régis showed me Paris and since then we have been a couple for almost ten years and have two wonderful children.