The Peter and Gertrud Klopp Family Project

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Tag Archives: Albert Schweitzer

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 18. Teil

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To my English speaking blogging friends: Today’s post is the last instalment of the Schweitzer inspired series on human values. I thank you all for your patience and for the effort of some to translate these rather difficult posts. Next Friday I will return to the Klopp Family Story.

A012

 

Vertrauen

Auch das Wort Vertrauen ist kaum noch gebräuchlich. Die Herrschaft der Ökonomie im Denken und Handeln der Menschen führt dazu, dass alles, was man nicht berechnen und Voraussagen kann, wertlos ist. Denn „Vertrauen ist etwas Geistiges”, sagte Albert Schweitzer. „Es kann nur in geistigem Geschehen entstehen … Ich bekenne, dass ich Vertrauen in die Menschen setze. Mein langes Leben hat mich gelehrt, dass wir alle denkende Wesen sind und dass es nur darauf ankommt, dass dieses Denken erwacht und bis in die Tiefe unseres Seins geht.”

Aber auch für alle Unternehmen ist Vertrauen „das große Betriebskapital, ohne welches kein nützliches Werk auskommen kann. Es schafft auf allen Gebieten die Bedingungen gedeihlichen Geschehens.” Ohne das Vertrauen in die Worte Jesu: „Du aber folge mir nach!”, ohne das Vertrauen in alle seine treuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ohne das Vertrauen in das „Symbol seines Werkes”, das Spital in Lambarene, hätte er all die Mühsal, alle die Rückschläge, alle die Verleumdungen und alle diese Widerstände nicht überwinden können. Aber auch seine Mitarbeiter und Patienten ‘lebten davon, dass jemand an sie glaubt’ und ihnen vertraut. ‘Was ein Mensch an Gütigkeit in die Welt hinaus gibt, das arbeitet an den Herzen der Menschen und an ihrem Denken.’

Was zwischen einzelnen Menschen gilt,  hat ebenso in den Beziehungen zwischen den Völkern und Staaten Bedeutung. Auch hierzu hat sich Schweitzer mit dem Hinweis geäußert: „Gemeinsame Ideale allein bieten die Möglichkeit, dass der Einzelne wie auch die Völker sich gegenseitig verstehen, sich gegenseitig achten und Vertrauen zueinander haben.” Die geistige Kraft des Vertrauens ist das beste Mittel zur Wahrung des Friedens. Den guten Staatsmann erkennt man auch daran, dass er internationales Vertrauen schafft.

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 17. Teil

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A017

Versöhnung

In ihrer Abhandlung zum Thema „Versöhnung” schreibt Oda-Gebbine Holze-Stäblein (in Möllering und Behlau): „Versöhnung: ein Wort wie Samt. Weich und fließend wie Milch und Honig. Versöhnung ist wie ein Glockenturm: ,Alles ist gut.’ Es hat auch etwas Endgültiges, Unwiderrufliches. Stärker als ,Vergebung’ oder Verzeihung’. Und genauso endgültig, rettungslos klingt das Gegenteil: unversöhnlich. Wo Menschen einander mit unversöhnlichem Hass begegnen, da sind alle Brücken abgebrochen.

Versöhnung: ein gutes, starkes Wort! Aber unter dem Samt ist ein harter Kern. Der kommt zum Vorschein in der Urform des Wortes, die sich in einem unserer bekanntesten Weihnachtslieder erhalten hat:

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit!

Christ ist erschienen, uns zu versühnen.

Freue dich, o Christenheit!

Versöhnen – versühnen … Ein begangenes Unrecht muss wieder in Ordnung gebracht, muss wieder gutgemacht werden. Wenigstens ein Schmerzensgeld, wenigstens ein Bußgeld oder eine den Schaden behebende Ersatzleistung muss sein. Versöhnung braucht Gerechtigkeit als Boden, auf dem sie stehen und bestehen kann. Und noch tiefer, im innersten Kern des Wortes ist die Erfahrung aufgehoben, dass ein Opfer nötig war, um Sühne zu schaffen.”

Auch der Tod Jesu wurde von den Urchristen als Sühneopfer verstanden. Durch sein Opfer sei die Versöhnung zwischen Gott und Mensch geschehen. Das zeigt auch den Unterschied zwischen Sühne und Versöhnung. Sühne kann man ohne innere Beteiligung leisten, Versöhnung hängt aber von der inneren Einstellung ab: Sie kommt von Herzen und strahlt aus, was der Sühne nicht möglich ist. Versöhnung braucht auch Gerechtigkeit, braucht den Willen zur Wiedergutmachung und sei es auch nur eine Geste. Sie soll zum Ausdruck bringen, dass man das Unrecht, den Schmerz, den man einem anderen zugefügt hat, bedauert.”

Oda-Gebbin Holze-Stöblein verweist in diesem Zusammenhang auf die Frage Petri an Jesus, wie oft man verzeihen solle, ob siebenmal genug sei. Jesu Antwort lautete bekanntlich: „siebenmalsiebzigmal”, was natürlich nicht wörtlich gemeint war, nicht ein Aufrechnen von Unrecht und Wiedergutmachung bedeutet, sondern „grenzenloses Verzeihen” fordert, so wie es Albert Schweitzer einmal zum Ausdruck gebracht hat: „Alle Nachsicht und alles Verzeihen ist der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben eine durch die Wahrhaftigkeit gegen sich selbst erzwungene Tat. Ich muss grenzenloses Verzeihen üben, weil ich im Nichtverzeihen unwahrhaftig gegen mich selbst würde, indem ich damit täte, als wäre ich nicht in derselben Weise schuldig wie der Andere mir gegenüber schuldig geworden ist… Lautlos und unauffällig muss ich verzeihen.”

Als ein Beispiel für Versöhnung nach Kriegsverbrechen führt Holze-Stäblein die durch deutsche Bomben zerstörte Kathedrale von Coventry an, die im Gegenzug zur Zerstörung deutscher Städte und Dome führte. Mitglieder der zerstörten Kathedrale in Coventry schrieben in den Chor der Kathedrale mit Holz der verkohlten Balken die Worte: „Father forgive”. Sie sammelten Zimmermannsnägel und schmiedeten aus ihnen Nagelkreuze, die sie deutschen Gemeinden übergaben, deren Kirchen auch zerstört worden waren. Die Kathedrale von Coventry trägt den Namen „Versöhnungskirche”.

Friedrich Schorlemmer führt zu diesem Thema ein aktuelles Beispiel an und schreibt: „Der vielleicht politisch wirkmächtigste Versöhner des Jahrhunderts war der zu 26 Jahren Steinklopfen auf Robben Island verurteilte Nelson Mandela – als kommunistischer Gewalttäter’ und ANC- Mitglied vom Westen lange Zeit eher zur feindlichen Seite gerechnet. Er wurde von Ministerpräsident Frederic de Klerk zum Friedensschließen zurückgeholt. Nach den mörderischen Konflikten der Apartheid in Südafrika hat er zusammen mit Bischof Tutu etwas bewirkt, was niemand für möglich gehalten hätte: Versöhnung in der Wahrheit! Versöhnung steht nicht gegen Wahrheit, und Wahrheit provoziert nicht Unversöhnlichkeit.” Eine solche Haltung hätte man sich nach der deutschen Einheit auch gewünscht. Dazu sei Richard von Weizsäcker zum Abschluss zitiert: „Die größte Kraft bleibt es ganz gewiss, eigenes Versagen selbst zu erkennen. Sie bietet den tiefsten Ansatz für eine Chance zu neuem Anfang. Aber wir sind als Menschen der Ermutigung bedürftig und zugänglich. Jeder kann aus eigenen Fehlern lernen. Es gilt, ihm dabei zu helfen, ihn also nicht ständig auf seine Vergangenheit festzunageln, sondern ihm die Beteiligung an einer neuen Zukunft zu erleichtern und zuzutrauen. Das ist lebenswichtig für die Freiheit, in der wir vereint bestehen wollen. Versöhnung unter Menschen kann ohne Wahrheit nicht gelingen. Wahrheit ohne Aussicht auf Versöhnung aber ist unmenschlich.”

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 16. Teil

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Albert_Schweitzer_in_Lambarene_1964

Verantwortung

„Ethik ist grenzenlose Verantwortung gegen alles, was lebt.” Diese Worte Albert Schweitzers kommentiert Ernst Luther, indem er feststellt, dass „bei Schweitzer die Verantwortung nicht nur religiös, sondern aufklärerisch begründet ist: Aus dem Wissen um die Folgen, aus der Kompetenz und dem Sachverstand; sie ist mit dem Gewissen, mit der Pflicht, zu handeln und mit dem Schuldgefühl verbunden, wenn die Handlung der Verantwortung nicht entspricht.” Schweitzer sagte an anderer Stelle: „In der Gesinnung der Ehrfurcht vor dem Leben liegt ein elementarer Begriff von Verantwortung be­schlossen, dem wir uns ergeben müssen; in ihr sind Kräfte tätig, die uns zu einer Revision und Veredlung unserer individuellen, sozialen und politischen Gesinnung zwingen… Nach der Verantwortung, die ich in mir erlebe, muss ich entscheiden, was ich von meinem Leben, meinem Besitze, meinem Glück, meiner Zeit, meiner Ruhe hingeben muss und was ich davon behalten darf.”

Wie schwer es zuweilen sein kann, Verantwortung zu tragen, drückt Schweitzer in seinen Gesprächen über das Neue Testament aus: „Ist es nicht so, dass je höher ein Mensch steht in der Welt und je größer seine Verantwortung ist, desto größer auch der Widerstreit zwischen dem, was er seinem Herzen folgend tun möchte, und dem, was er muss? Werden nicht alle, die in der Welt etwas ausrichten wollen, hin- und hergeworfen zwischen Liebe und Gerechtigkeit, zwischen Verzeihen und Verurteilen? … Je umfassender das Wirken eines Menschen ist, desto mehr kommt er in die Lage, seiner überpersönlichen Verantwortung etwas von seiner Menschlichkeit opfern zu müssen.”

Auf die Bedeutung, die Verantwortungsbewusstsein auch für nachfolgende Generationen hat, wies Hans Jonas hin: „Handle so, dass die Folgen deines Handelns vereinbar sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde.”

Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben schließt alles Leben auf unserem Planeten in die Verantwortung ein. Doch gerade diese planetare Verantwortung scheint nur eine Minderheit zu spüren. Zu vielen Menschen ist es egal, die „Wirtschaft” denkt hauptsächlich an den Profit und die Politiker oft nur an die nächste Wahl. So erklären sich auch die Misserfolge aller bisherigen Klimakonferenzen, obwohl vor Verantwortungs­losigkeit gegenüber dem Klimawandel und Umweltschutz schon seit Jahrzehnten gewarnt wird. Wolfgang Huber (in Möllering und Behlau) weist aber zudem darauf hin, dass das Verantwortungsbewusstsein auch im persönlichen Umfeld nachgelassen hat. „Jeder ist sich selbst der Nächste!”, lautet häufig die Devise. „Vorgegebene Lebensordnungen haben ihre Bindungskraft eingebüßt. Partnerschaften oder andere

Verbindlichkeiten werden für viele zum Probehandeln auf Zeit; sie verlieren ihren Verpflichtungscharakter, aber damit auch ihre lebensbegleitende Bedeutung.”

Dazu beigetragen hat auch die Einführung des Begriffes der „Eigenverantwortung”. Natürlich schließt die Schweitzersche Ethik die Ehrfurcht vor dem eigenen Leben ein. Aber in der aktuellen Politik bedeutet Eigenverantwortung hauptsächlich Einschränkung der sozialstaatlichen Vorsorge. „Dann geraten Freiheit und Verantwortung aus der Balance. Dann wird Freiheit von der Verantwortung für andere losgekoppelt … Das Nachdenken über die Folgen des eigenen Handelns für andere gilt als zweitrangig. Im Zeichen der Individualisierung bezieht sich der Begriff ,Verantwortung’ nicht mehr auf das Ganze des menschlichen Lebens. Er bezieht sich auch nicht mehr auf den Mitmenschen. Gerade stehen muss ich vielmehr nur für das eigene Leben”, schreibt Wolfgang Huber. Aber er erinnert auch daran, dass sich der christliche Glaube nicht in der Eigenverantwortung erschöpft. Die praktische Gestalt der Verantwortung ist die Zuwendung zum Mitmenschen im Sinne des Gebotes der Nächstenliebe, das lautet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.”

Es geht also um eine wechselseitige Verantwortung füreinander.

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 15. Teil

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A016Toleranz

In seinen „Betrachtungen und Gedanken” führt Friedrich Maximilian Klinger zur Toleranz folgendes aus: „Tolerant gegen alle Schwachheiten des Geistes und Herzens zu sein, das geziemt dem Manne, nur nicht gegen die Schlechtigkeiten. Hier muss er als Priester seiner Göttin ganz im Priestergeiste handeln, keine Ketzerei gestatten, sonst hat er sich nur um seiner selbst willen in die moralische Welt geschlichen und ist des Platzes nicht wert, den er sich anmaßt.”

Damit wurde vor etwa 200 Jahren bereits viel ausgesprochen von dem, was uns heute im Blick auf die Toleranz bewegt. Dabei geht es uns hauptsächlich nicht um Duldung, sondern eigentlich mehr um freundliche Zuwendung und Verständnis gegenüber Menschen anderer Ansichten, religiöser Bekennt­nisse, anderer Hautfarbe oder Kultur. Schon Albert Schweitzer erinnerte in seinen Predigten an die Toleranz, indem er Friedfertigkeit in Angelegenheiten der Religion anmahnte und auf die Bergpredigt hinwies: „Denn unser Herr Jesus hat uns zum Frieden berufen. ,Selig sind die Friedfertigen’!“ Schweitzer hat diese Friedfertigkeit und Toleranz in seinem „Urwald-Hospital“ beispielhaft verwirklicht. Auf die Frage eines Besuchers des Spitals, ob denn der Doktor auch Protestanten behandele, antwortete ein afrikanischer Patient: „Der Doktor behandelt Protestanten, Katholiken und Muslime, Heiden, Pelikane und Stachelschweine.“

Wie notwendig die Ermahnung und Erziehung zu Toleranz ist, zeigt sich immer wieder in erschreckender Weise in unserem Alltag. Da ist man voller Hass gegenüber Ausländern zu Brutalität und sogar zu Mord und Totschlag bereit. Leider lassen sich in diesen Sog der Ausländerfeindlichkeit auch viele Bürger angesichts der Flüchtlinge, die bei uns Schutz suchen, einbeziehen und beteiligen sich an Demonstrationen gegen eine angebliche Überfremdung. Wer seine eigene nationale Kultur pflegt, braucht „Überfremdung“ nicht zu fürchten, sondern erlebt die andere Kultur als Anregung und vielleicht auch als Bereicherung. Gewarnt werden muss auch in diesem Zu­sammenhang vor dem Missbrauch der Religion. Schon Schweitzer wies darauf hin, dass wahre Religion zugleich wahre Menschlichkeit bedeutet. Wo also unter dem Deckmantel einer Religion Gewalt herrscht und getötet wird, hat dies mit Religion nichts zu tun. Das trifft wohlgemerkt nicht nur für den Islam zu! So sollte man ernsthaft zwischen den so genannten „Islamisten“ und dem unterscheiden, was der Koran mitteilt: „Islamistischer” Terror hat ebenso wenig mit dem Koran zu tun wie die Kreuzzüge oder die Inquisition mit der Bibel. Ebenso hat Kriegführung von Christen mit dem „Segen Gottes” nichts mit dem zu tun, was Jesus verkündete.

So tolerant wir also gegenüber allen guten Willens zu sein haben, so unduldsam sollten wir gegenüber jenen sein, die im Namen von Religionen oder Ideologien ohne Ehrfurcht vor dem Leben anderer Menschen denken und handeln.

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 14. Teil

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Albert-Schweitzer-photograph-Yousuf-Karsh

Albert Schweitzer

Redlichkeit

Wie das Wort „Ehrfurcht” erscheint auch das Wort „Redlichkeit” veraltet und bedeutungslos. Axel Noak (in Möllering und Behlau) verweist aber auf sein Synonym­wörterbuch, in dem im Zusammenhang mit dem Wort Redlichkeit auch Begriffe wie „Anständigkeit”, „Aufrichtigkeit”, „Ehrenhaftigkeit”, „Rechtschaffenheit” und „Gerechtigkeit” genannt werden, deren Aktualität wohl kaum jemand bestreiten wird. Noak fährt fort und schreibt: „Wer sich redlich bemüht, ist bestimmt kein Überflieger, möglicherweise auch kein Genie, das alles aus dem Ärmel schüttelt. Die redliche Bemühung schließt ein, dass einer sein Bestes gegeben hat und mehr einfach nicht ,drin’ gewesen ist.” Redliches Bemühen zeichnet sich aus durch Gründlichkeit bei der Vorbereitung und Durchführung einer Handlung, schließt kritisches und selbstkritisches Vorgehen ein, ist unabhängig gegenüber äußeren Einflüssen und überwindet den , inneren Schweinehund’. Es ist überprüfbar sowie verständlich. Das alles bedeutet aber auch, dass redliches Handeln anstrengend ist und Charakterstärke voraussetzt.

Axel Noak stellt aber dazu fest, dass Redlichkeit in unserer Zeit recht schwer sei, „weil heutiges ethisches Nachdenken sehr stark auf das Ergebnis einer Tat fixiert ist. Die allgegenwärtige Frage, ob sich ein Einsatz lohne oder besser: ob es sich ,rechne’, ist dafür lebendiger Ausdruck. Doch Redlichkeit liegt eine ethische Überzeugung zu Grunde, die nicht auf das Ergebnis fixiert ist. Der Weg, den ich gehe, um zu einem Ziel zu gelangen, ist nicht beliebig.” Noak beschließt seine Ausführungen zu diesem Thema mit den Worten: „Redliches Bemühen lässt sich ähnlich wie alle Werte, über deren Fehlen so viel geklagt wird, nicht nur über den Kopf vermitteln. Es muss eingeübt und trainiert werden. Die Werte schweben nicht im luftleeren Raum. Sie müssen umgesprochen werden in leicht verständliche Lebensregeln, die eingeübt werden können, am besten frühzeitig. Besonders wenn die Gesellschaft zeigt, wie schwer es ist, redlich zu handeln, gilt es, die Überzeugung und innere Haltung zu stärken, die der Redlichkeit zu Grunde liegt.”

Von Albert Schweitzer stammen auch die Worte: „Und wirklich, wie viel wäre gewonnen, wenn wir an Lauterkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit das betätigen wollten, was gemeinhin als das Rechte gilt!”

Im Blick auf die Unredlichkeit in der gegenwärtigen Gesellschaft schreibt Ernst Luther: „Als eine gewaltige Erweiterung der Freiheit wird die Globalisierung bezeichnet. Aber neben den positiven Seiten ermöglicht sie vor allem die Abkoppelung der Verantwortung von der Freiheit. Das geschieht im Internet, wo nicht nur Wissen um die Welt gesendet wird. Die Globalisierung ermöglicht Spekulanten Milliarden Geldbeträge aufzuhäufen, Banken und Betriebe zu kaufen und bei Verlustgeschäften nahezu die gesamte Bevölkerung eines Landes in den Ruin zu stürzen. Konzerne erklären, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, gehen sie ins Ausland. Um die Steuerflucht zu verhindern, werden die Steuern der Reichen gesenkt und der Staat nimmt hohe Verluste in Kauf.” Dies alles lässt Redlichkeit vermissen.

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 13. Teil

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A016Mut

„Mut ist uns nicht angeboren. Mut ist der Sieg über die Angst und unsere Ängste”, schreibt Friedrich Schorlemmer (in Möllering und Behlau). „Denn Angst ist uns angeboren, die Angst vor allem, was uns bedroht, in der Wirklichkeit und im Traum: Angst vor dem Stärkeren, Angst zu unterliegen, Angst vor körperlichem und seelischem Schmerz, Angst um unser Leben selbst, Angst vor dem Versagen – vor uns selbst, vor anderen oder vor einer Aufgabe -, Ängste vor dem Beginnen, Angst davor, Verantwortung übernehmen zu sollen.” Hinzu kommen Ängste vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die viele Menschen bedrücken.

Die Quellen des Mutes bestehen darin, sich seiner Kräfte und seines Wertes bewusst zu sein, zu überlegen, was man sich zumuten kann und was nicht. Das erfordert Selbstbesinnung auf den Mut des Herzens und des Verstandes.

Ein Zeichen des Mutes ist wohl auch die so genannte „Zivilcourage”. Es ist ein Wort, das einst Bismarck verwandte als er einem Abgeordneten des Preußischen Landtages sagte: „Mut auf dem Schlachtfeld ist bei uns (Deutschen) Gemeingut. Aber Sie werden es nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt!”

„Zivile Tapferkeit – das ist der Mut vor dem Freund”, stellt Friedrich Schorlemmer fest. „Und es ist der Mut, ganz auf eigenes Risiko einzuschreiten… Es ist das eigene, freie Heraustreten aus den ,Regeln der Herde’, wo Verantwortung das gebietet oder wo das Herz unmittelbar schlägt.” Es bedeutet auch, weder auf den Beifall noch auf die Kritik zu achten, die man dafür erntet. Das bedeutet zugleich, sich davon zu befreien, unbedingt bei den Stärkeren, Mächtigen zu sein und ihnen zu gefallen. So ist es in der Diktatur und nicht anders in der Demokratie, wenngleich hier nicht so gefährlich. Doch brauchen wir zum eigenen Mut auch Ermutigung und wenn möglich auch Verbündete. Denn eigener Mut macht anderen Mut, wenn die Gründe des Denkens und Handelns ethisch sind und wenn der Mutige glaubwürdig ist. Ein überzeugendes Beispiel für großen Mut, große Zivilcourage ist der amerikanische Bürgerrechtler und Denker des Friedens Martin Luther King. Ihn als Vorbild zu wählen, ist für viele mutige Menschen in aller Welt Kraft spendend gewesen. Mut zu zeigen, gilt es nicht nur im Blick auf die Mächtigen, sondern ebenso im Blick auf die Schwachen, die Hilflosen, die Verfolgten, die Flüchtenden. So war es mutig von jenem Pfarrer, der einst den „obdachlosen”, verfolgten Erich Honecker bei sich aufzunehmen, obwohl er dafür beschimpft und geschmäht worden ist. Dieser Pfarrer handelte doch im Sinne der Bergpredigt, im Gegensatz zu manchem seiner einstigen Amtsbrüder jener Zeit, denen die Bergpredigt nichts mehr bedeutete.

Anstelle der Jahrhunderte lang gepriesenen „Tapferkeit vor dem Feind” sollte der Mut treten, gegen Krieg, Gewalt, Unrecht, Hunger, Armut aufzutreten. Auch hier gilt Albert Schweitzers Wort: „Das wenige, das du tun kannst, ist viel, wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst, sei es ein Mensch, sei es irgendeine Kreatur.”

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