The Peter and Gertrud Klopp Family Project

Reflections on Life, Family and Community

Tag Archives: Albert Schweitzer

Albert Schweitzer – Seminar #5

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Die Geschichte vom Juden Mausche

Eines Tages trieb ein alter Mann mit Sommersprossen im Gesicht und mit einem langen Bart einen Esel durch das Dorf. Der Esel zog einen kleinen Karren. Der Mann hieß Mausche. Er war Jude und ein Viehhändler aus dem Nachbardorf. Die Kinder fanden ihn etwas komisch mit seinem Bart, dem großen Hut. dem langen Mantel und seinem Esel. Deshalb lachten sie auch über ihn. Sie rannten hinter ihm her, hüpften um ihn herum, schnitten Grimassen, steckten die Zunge heraus und riefen immer „Mausche, Mausche, Mausche!“

Viele Leute schauten aus den Fenstern und lachten mit. Alle glaubten, dass der Jude Mausche nun böse wird und die Jungen verjagt. Doch der Jude Mausche blieb ganz ruhig, hielt seinen Esel an und schaute freundlich zu den ungezogenen Jungen. Er lächelte gütig, strich einem der Jungen über das Haar und ging dann weiter.

Albert hatte das beobachtet und den Juden Mausche nicht ausgelacht. Eigentlich tat er ihm sogar leid, denn er war ein guter Mensch und hatte es nicht verdient, ausgelacht zu werden. Albert fasste sich sogar ein Herz und lief dem Juden Mausche nach, bis er ihn erreicht hatte. Dann nahm er seine Hand und ging mit ihm gemeinsam weiter durch das Dorf. Die Leute wunderten sich nun sehr: Da ging der junge Christ Albert mit dem alten Juden Mausche Hand in Hand die Straße entlang. Nicht nur die Jungen, sondern auch die älteren Leute hörten nun auf zu lachen und einige schämten sich sogar, dass sie den alten, gütigen Mann nur wegen seines Aussehens ausgelacht hatten.

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Albert Schweitzer – Seminar #3

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Die Geschichte vom Tierbändiger, vom alten Pferd und vom Abendgebet

Die Familie Schweitzer hatte einen Hund. Der hieß Phylax. Dieser Hund mochte- keine Uniformen und biss deshalb Soldaten und Polizisten in das Hosenbein. Auch den Briefträger griff er an. Vater Schweitzer sagte deshalb zu Albert: „Pass auf, dass der Hund niemanden beißt!“ So schnitt sich Albert eine Weidenrute ab und drohte dem Hund damit. Er solle ja nicht auf den Briefträger zu rennen und ihn gar beißen! Der Hund schaute den Albert treuherzig an und wedelte mit dem Schwanz. Doch was Albert gesagt hatte, verstand er nicht.

Als der Briefträger vor der Gartentür erschien, rannte Phylax wieder auf ihn zu und kniff ihn ins Bein. Daraufhin haute ihn Albert mit der Rute auf den Rücken. Der Hund jaulte laut auf vor Schmerz und rannte weg. Nun tat er dem Albert doch sehr leid und er machte sich Vorwürfe, dass er das Tier geschlagen hatte. Er hätte ihn ja einfach am Halsband festhalten können anstatt ihn zu schlagen. Dann zerbrach er die Rute und warf sie weit weg. Er streichelte das Tier und sagte zu ihm: „Verzeih mir, Phylax!“ Der Hund schaute den Jungen mit seinen großen treuen Augen an und legte seinen Kopf auf Alberts Knie. Er hatte ihm wohl verziehen und darüber freute sich Albert. Er flüsterte ihm ins Ohr: „Ich will nie wieder ein Tier schlagen, das verspreche ich!“

Eines Tages beobachtete Albert, wie zwei Männer ein altes, hinkendes Pferd die Dorfstraße entlang führten. Weil das Pferd nur langsam gehen konnte, haute es einer der Männer mit der Peitsche. „Wohin geht ihr mit dem Pferd?“, fragte Albert die Männer. „Zum Schlachthof1, antworteten sie ihm. Doch Albert tat das Pferd leid. Es lief mit gesenktem Kopf und schaute ganz traurig drein. Ein Leben lang hatte es fleißig gearbeitet, hatte schwere Wagen oder den Pflug gezogen. Nun aber, da es schwach war und nicht mehr arbeiten konnte, bekam es Schläge und sollte geschlachtet werden. War das nicht schlimm?

Als Albert abends in seinem Bett lag, musste er immerzu an seinen Hund und das arme alte Pferd denken. Eigentlich dachte er an alle Tiere, die von Menschen schlecht behandelt werden.

Deshalb betete er bevor er einschlief nicht nur für die armen und kranken Nachbarn, für die Menschen, die hungerten, überhaupt nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere, die Not litten. Er sagte ganz leise: „Lieber Gott, schütze und bewahre alles, was Odem hat!“ Das heißt, er möge allem helfen, was atmet, also allen Lebewesen beistehen.

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Albert Schweitzer – Seminar #4

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Die Geschichte von Alberts Schulanfang

Es war Herbst und die Blätter an den Bäumen färbten sich bunt. Der Wein an den Hängen der Berge begann zu reifen und die ersten Trauben schmeckten schon süß. Es war die Zeit, in der das neue Schuljahr begann. Der kleine Albert wurde eingeschult, das heißt, für ihn begann nun auch die Schulzeit. Eine Zuckertüte bekam er nicht, denn die kostete zu viel Geld. Ein Pfarrer verdiente ja nicht viel und außerdem hatte Albert noch vier Geschwister, die essen und trinken und angezogen sein wollten.

Aber Albert hatte keine Lust, in die Schule zu gehen. Er wollte lieber wie bisher draußen spielen. „Ich gehe nicht in die Schule und brauche nicht zu schreiben und will gar nichts lesen und schon gar nicht viel rechnen!“, brummte er.

Doch sein Vater schob ihm einfach die Schiefertafel unter den Arm, nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm auf der Dorfstraße hin zur Schule. Auf dem ganzen Weg musste Albert weinen. Er brummelte vor sich hin: „Ich will aber lieber spielen und nicht immer nur auf der Schulbank sitzen!“

Albert gewöhnte sich aber dann doch an die Schule, weil alle seine Freunde im Klassenzimmer neben ihm saßen und er auch Spaß daran fand, lesen und schreiben und rechnen zu lernen. Manchmal träumte er aber auch im Unterricht und dachte an etwas anderes als der Lehrer gerade erzählte. Dann musste ihn der Lehrer ermahnen, aufmerksam zu sein und zuzuhören. Sonst würde er ja nichts lernen. An seinen Hund, an die Blumen auf der Wiese oder an die Spiele mit seinen Freunden könnte er nach dem Unterricht denken.

Später erkannte er, wie wichtig die Schule doch ist. So erlernte er nicht nur das Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch fremde Sprachen, erfuhr von anderen Ländern und Menschen und viel über die Natur, was er bisher noch nicht wusste. Besonders die Geschichte interessierte ihn sehr, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet hatten, woher sie kamen und wohin sie zogen. Angst bekam er nur immer, wenn er von den vielen Kriegen hörte, die die Menschen gegeneinander geführt hatten.

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Albert Schweitzer Seminar #2

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Die Geschichte vom Bienenstich, von den Hörnern und vom Teufel

Zuvor muss ich euch erst einmal sagen, wann und wo Albert Schweitzer geboren ist. Der Ort heißt Kaysersberg und liegt im Elsaß. Es ist ein ebenso schönes französisches Städtchen wie Quedlinburg. Es war das Jahr 1875, als er zur Welt kam. Sein Vater war Pfarrer, der bald nach der Geburt seines Sohnes nach Günsbach im Elsaß versetzt worden ist. Albert war anfangs ein sehr schwaches Kind. Keiner glaubte, dass er lange leben würde. Doch bald wurde er kräftiger und wuchs heran. Davon werden wir noch hören.

Alberts Vater hielt in seinem Garten Bienen, damit seine fünf Kinder und deren Mutti schönen Honig essen konnten. Eines Tages schaute der kleine Albert seinem Vater zu, wie er an den Bienenstöcken hantierte. Da setzte sich plötzlich eine Biene auf seine Hand. Albert wollte sie streicheln, weil sie immer so fleißig Honig gesammelt hatte. Doch die Biene verstand das nicht und bekam Angst. Deshalb stach sie ihn in die Hand. Albert schrie laut auf, weil der Stich so schmerzte. Seine Hand wurde ganz dick und rot. Schnell eilten seine Mutter und die Hausgehilfin herbei und bemitleideten den Jungen.

Sie zogen den Stachel heraus und legten eine Zwiebel auf die Wunde, damit der Schmerz nachlässt. Er wurde auch wirklich schwächer, doch Albert weinte und schrie weiter, weil er es so schön fand, wenn man ihn bemitleidete. Da meldete sich eine innere Stimme in ihm und fragte: „Albert, willst du dich vielleicht nur wichtig machen?“ Er schämte sich ein wenig und hörte auf zu weinen.

Alberts Eltern hatten viele gute Bücher in ihrem Schrank. In einem Regal stand eine uralte Bilderbibel, die sich Albert besonders gerne ansah. Auf dem Buchdeckel war ein Mann abgebildet, der auf seinem Kopf zwei Hörner trug. Er stellte Mose dar, ein jüdischer Prophet, der von einem Berg herunterkam. Albert fasste sich an seine Stirn und spürte selbst zwei kleine Höcker. Nun fürchtete er, dass ihm auch zwei Hörner wüchsen. Aber sein Vater klärte ihn auf, dass die Hörner eigentlich Sonnenstrahlen gewesen waren und nur die Maler später daraus Hörner gemacht hätten. In Wirklichkeit hat Mose gar keine Hörner gehabt. Das beruhigte den kleinen Albert.

Am Sonntag ging Albert immer in die Kirche. Während des Gottesdienstes blickte er gerne mal zur Orgel hoch. Wenn die spielte, glaubte er in einem Spiegel den Teufel zu sehen. Doch wenn sein Vater predigte, war der Teufel wieder weg. Albert nahm nun an, dass der Teufel Angst vor Gottes Wort hätte und deshalb bei der Predigt schnell verschwand. Später erkannte er aber, dass der angebliche Teufel eigentlich der Orgelspieler war. Der war ein guter Mensch, der anderen Menschen half und Freude bereitete. Da er aber so struppiges Haar hatte und einen langen Bart trug, sah er von weitem wie ein Teufel aus. Alberts Vater erklärte ihm, dass es einen richtigen Teufel überhaupt nicht gibt. Das ist nur Aberglaube. Auch darf man einen Menschen nie nach seinem Aussehen beurteilen.

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Albert Schweitzer Seminar #1

5

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1. Seminar

Ich stelle mich euch vor

Mein Name ist Hartmut Kegler. Ich wurde im Jahr 1931 in Stettin geboren. Als ich sechs Jahre alt war, kam ich in die Schule. Damals schrieb man noch in einer anderen Schrift mit einem Griffel auf Schiefertafeln. An dieser Tafel hing ein kleiner Schwamm und ein Lappen, mit dem man die Schrift wieder auslöschen konnte. Später lernten wir dieselbe Schrift wie ihr und wir schrieben auch in richtige Hefte.

Als kleiner Junge fuhr ich gerne mit einem Roller, spielte viel im Sandkasten oder mit anderen Kindern Kasperletheater. Später habe ich auch Soldat gespielt, bis ich merkte, dass das kein gutes Spiel ist.

Als ich neun Jahre alt war, begann der Zweite Weltkrieg. Schon im ersten Kriegsjahr ist mein Vater gefallen. Nun war meine Mutter mit uns drei Kindern allein. Gegen Kriegsende wurden die Schulen geschlossen, weil in Schlesien die Ostfront immer näher kam. Als wir schon den Kanonendonner hörten, packte meine Mutter jedem von uns einen kleinen Rucksack mit ein paar wichtigen Dingen und ging mit uns auf die Flucht. Fast wären wir in die Bombennacht in Dresden geraten und alle umgekommen. Da erkannte ich. wie grausam der Krieg ist. Unsere Flucht endete in der Mark Brandenburg. In einem kleinen Dorf bewohnten wir in einer alten Mühle ein Zimmerchen. Es gab wenig zu essen und wir hatten alle Hunger. Um etwas zu essen zu haben, sammelten wir Getreideähren vom Acker auf und haben Kartoffeln geklaut. In Notzeiten verschwindet die Moral.

Mit vierzehn Jahren ging ich zum Bauern und lernte dort Kühe zu melken. Schweine zu füttern, mit Ochsen das Feld zu pflügen und mit einem Traktor, einem „Bulldog“, das Getreide zu mähen. Mein Arbeitstag begann früh um fünf Uhr und endete abends um sechs. Die Arbeit war zwar schwer, aber sie bereitete auch Freude. Es war schön, abends auf ein Feld zu sehen, das man selbst umgepflügt oder besät oder abgeerntet hat. Vor allem habe ich in der Landwirtschaft viel gelernt und Achtung vor schwerer und oft schmutziger Arbeit gewonnen.

Als ich neunzehn Jahre alt war, begann ich an einer Fachschule und auf der Universität Landwirtschaft zu studieren. Es gab viele Fächer über das Wachsen der Pflanzen, die Pflege von Tieren, die Eigenschaften der Dünger und wie man auf einem Bauernhof rechnen muss.

Nachdem ich mein Studium beendet hatte, holte mich ein Professor in sein Institut nach Aschersleben. Es war das frühere Institut für Phytopathologie, das sich mit den Krankheiten der Pflanzen beschäftigte. So wurde ich so eine Art von Pflanzenarzt. In diesem Institut habe ich dann 36 Jahre lang gearbeitet. Wir halfen den Bauern, dass auf ihren Feldern gesunde Pflanzen wuchsen, sie viele Früchte ernten konnten und alle Menschen genug zu essen hatten.

Ich habe eine liebe Frau (gestorben 2017), die viele Jahre in Aschersleben Lehrerin gewesen ist. Wir beide haben einen tüchtigen Sohn, der Städtebauer und Landschafts­gestalter ist.

Nun bin ich Rentner und möchte euch von einem Menschen erzählen, der mein großes Vorbild geworden ist. Er heißt Albert Schweitzer und wurde als „Urwalddoktor’ in der ganzen Welt berühmt. Er war ein guter Mensch und ein wahrer Christ. Als er bereits Pfarrer und Universitätsprofessor war, gab er alles auf und ging nach Afrika, um dort kranken Negern zu helfen. Auch hat er viel für den Frieden in der Welt getan.

Albert Schweitzer sagte einmal, wer eine glückliche Kindheit gehabt hat, darf das nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern soll dafür dankbar sein und an anderen Menschen Gutes tun. Darüber wollen wir nachdenken und miteinander sprechen.

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