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Tag Archives: Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 16. Teil

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Albert_Schweitzer_in_Lambarene_1964

Verantwortung

„Ethik ist grenzenlose Verantwortung gegen alles, was lebt.” Diese Worte Albert Schweitzers kommentiert Ernst Luther, indem er feststellt, dass „bei Schweitzer die Verantwortung nicht nur religiös, sondern aufklärerisch begründet ist: Aus dem Wissen um die Folgen, aus der Kompetenz und dem Sachverstand; sie ist mit dem Gewissen, mit der Pflicht, zu handeln und mit dem Schuldgefühl verbunden, wenn die Handlung der Verantwortung nicht entspricht.” Schweitzer sagte an anderer Stelle: „In der Gesinnung der Ehrfurcht vor dem Leben liegt ein elementarer Begriff von Verantwortung be­schlossen, dem wir uns ergeben müssen; in ihr sind Kräfte tätig, die uns zu einer Revision und Veredlung unserer individuellen, sozialen und politischen Gesinnung zwingen… Nach der Verantwortung, die ich in mir erlebe, muss ich entscheiden, was ich von meinem Leben, meinem Besitze, meinem Glück, meiner Zeit, meiner Ruhe hingeben muss und was ich davon behalten darf.”

Wie schwer es zuweilen sein kann, Verantwortung zu tragen, drückt Schweitzer in seinen Gesprächen über das Neue Testament aus: „Ist es nicht so, dass je höher ein Mensch steht in der Welt und je größer seine Verantwortung ist, desto größer auch der Widerstreit zwischen dem, was er seinem Herzen folgend tun möchte, und dem, was er muss? Werden nicht alle, die in der Welt etwas ausrichten wollen, hin- und hergeworfen zwischen Liebe und Gerechtigkeit, zwischen Verzeihen und Verurteilen? … Je umfassender das Wirken eines Menschen ist, desto mehr kommt er in die Lage, seiner überpersönlichen Verantwortung etwas von seiner Menschlichkeit opfern zu müssen.”

Auf die Bedeutung, die Verantwortungsbewusstsein auch für nachfolgende Generationen hat, wies Hans Jonas hin: „Handle so, dass die Folgen deines Handelns vereinbar sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde.”

Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben schließt alles Leben auf unserem Planeten in die Verantwortung ein. Doch gerade diese planetare Verantwortung scheint nur eine Minderheit zu spüren. Zu vielen Menschen ist es egal, die „Wirtschaft” denkt hauptsächlich an den Profit und die Politiker oft nur an die nächste Wahl. So erklären sich auch die Misserfolge aller bisherigen Klimakonferenzen, obwohl vor Verantwortungs­losigkeit gegenüber dem Klimawandel und Umweltschutz schon seit Jahrzehnten gewarnt wird. Wolfgang Huber (in Möllering und Behlau) weist aber zudem darauf hin, dass das Verantwortungsbewusstsein auch im persönlichen Umfeld nachgelassen hat. „Jeder ist sich selbst der Nächste!”, lautet häufig die Devise. „Vorgegebene Lebensordnungen haben ihre Bindungskraft eingebüßt. Partnerschaften oder andere

Verbindlichkeiten werden für viele zum Probehandeln auf Zeit; sie verlieren ihren Verpflichtungscharakter, aber damit auch ihre lebensbegleitende Bedeutung.”

Dazu beigetragen hat auch die Einführung des Begriffes der „Eigenverantwortung”. Natürlich schließt die Schweitzersche Ethik die Ehrfurcht vor dem eigenen Leben ein. Aber in der aktuellen Politik bedeutet Eigenverantwortung hauptsächlich Einschränkung der sozialstaatlichen Vorsorge. „Dann geraten Freiheit und Verantwortung aus der Balance. Dann wird Freiheit von der Verantwortung für andere losgekoppelt … Das Nachdenken über die Folgen des eigenen Handelns für andere gilt als zweitrangig. Im Zeichen der Individualisierung bezieht sich der Begriff ,Verantwortung’ nicht mehr auf das Ganze des menschlichen Lebens. Er bezieht sich auch nicht mehr auf den Mitmenschen. Gerade stehen muss ich vielmehr nur für das eigene Leben”, schreibt Wolfgang Huber. Aber er erinnert auch daran, dass sich der christliche Glaube nicht in der Eigenverantwortung erschöpft. Die praktische Gestalt der Verantwortung ist die Zuwendung zum Mitmenschen im Sinne des Gebotes der Nächstenliebe, das lautet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.”

Es geht also um eine wechselseitige Verantwortung füreinander.

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 13. Teil

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A016Mut

„Mut ist uns nicht angeboren. Mut ist der Sieg über die Angst und unsere Ängste”, schreibt Friedrich Schorlemmer (in Möllering und Behlau). „Denn Angst ist uns angeboren, die Angst vor allem, was uns bedroht, in der Wirklichkeit und im Traum: Angst vor dem Stärkeren, Angst zu unterliegen, Angst vor körperlichem und seelischem Schmerz, Angst um unser Leben selbst, Angst vor dem Versagen – vor uns selbst, vor anderen oder vor einer Aufgabe -, Ängste vor dem Beginnen, Angst davor, Verantwortung übernehmen zu sollen.” Hinzu kommen Ängste vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die viele Menschen bedrücken.

Die Quellen des Mutes bestehen darin, sich seiner Kräfte und seines Wertes bewusst zu sein, zu überlegen, was man sich zumuten kann und was nicht. Das erfordert Selbstbesinnung auf den Mut des Herzens und des Verstandes.

Ein Zeichen des Mutes ist wohl auch die so genannte „Zivilcourage”. Es ist ein Wort, das einst Bismarck verwandte als er einem Abgeordneten des Preußischen Landtages sagte: „Mut auf dem Schlachtfeld ist bei uns (Deutschen) Gemeingut. Aber Sie werden es nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt!”

„Zivile Tapferkeit – das ist der Mut vor dem Freund”, stellt Friedrich Schorlemmer fest. „Und es ist der Mut, ganz auf eigenes Risiko einzuschreiten… Es ist das eigene, freie Heraustreten aus den ,Regeln der Herde’, wo Verantwortung das gebietet oder wo das Herz unmittelbar schlägt.” Es bedeutet auch, weder auf den Beifall noch auf die Kritik zu achten, die man dafür erntet. Das bedeutet zugleich, sich davon zu befreien, unbedingt bei den Stärkeren, Mächtigen zu sein und ihnen zu gefallen. So ist es in der Diktatur und nicht anders in der Demokratie, wenngleich hier nicht so gefährlich. Doch brauchen wir zum eigenen Mut auch Ermutigung und wenn möglich auch Verbündete. Denn eigener Mut macht anderen Mut, wenn die Gründe des Denkens und Handelns ethisch sind und wenn der Mutige glaubwürdig ist. Ein überzeugendes Beispiel für großen Mut, große Zivilcourage ist der amerikanische Bürgerrechtler und Denker des Friedens Martin Luther King. Ihn als Vorbild zu wählen, ist für viele mutige Menschen in aller Welt Kraft spendend gewesen. Mut zu zeigen, gilt es nicht nur im Blick auf die Mächtigen, sondern ebenso im Blick auf die Schwachen, die Hilflosen, die Verfolgten, die Flüchtenden. So war es mutig von jenem Pfarrer, der einst den „obdachlosen”, verfolgten Erich Honecker bei sich aufzunehmen, obwohl er dafür beschimpft und geschmäht worden ist. Dieser Pfarrer handelte doch im Sinne der Bergpredigt, im Gegensatz zu manchem seiner einstigen Amtsbrüder jener Zeit, denen die Bergpredigt nichts mehr bedeutete.

Anstelle der Jahrhunderte lang gepriesenen „Tapferkeit vor dem Feind” sollte der Mut treten, gegen Krieg, Gewalt, Unrecht, Hunger, Armut aufzutreten. Auch hier gilt Albert Schweitzers Wort: „Das wenige, das du tun kannst, ist viel, wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst, sei es ein Mensch, sei es irgendeine Kreatur.”

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 12. Teil

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A017

Muße

Von Elsa Triolet stammt der Hinweis: „Ein Mensch, der über keinerlei Muße verfügt, ist weniger als ein Lasttier. Er ist einfach eine Maschine, um den Reichtum anderer zu produzieren, er ist körperlich zerbrochen, geistig verkümmert.” Er wird ebenso „zur Maschine”, wenn es um den eigenen Reichtum, wenn es um das „Haben” geht, das Erich Fromm der Existenzweise des „Seins” gegenüberstellt. Auf die Frage, was denn Muße sei, antwortet George Bernhard Shaw: „Echte Muße ist Freiheit, zu tun, was uns beliebt, nicht, gar nichts zu tun.” Doch scheint Muße noch mehr zu sein, als „gar nichts zu tun”. Gabriele Herbst (in Möllering und Behlau) weist zunächst darauf hin, dass das Wort „Muße” von der griechischen Vokabel ,schole’ abgeleitet wurde, was Zeit für sich, sich zu bilden, kreative Stille, philosophische Reflexion mit dem Wunsch bedeutet, etwas für den Frieden im Land zu tun. Sie schreibt weiter: „Muße war also nur bedingt freie Zeit, passive Zeit, ziellose Zeit, Zeit des Nichts-Tuns. Sie war eine Zeit gesteigerter Freiheit, in der der Mensch in Ruhe nachdenken konnte, den Versuch unternahm, wirklich er oder sie selbst zu sein oder zu werden.” Doch in unserer Zeit, in der die Existenzweise des „Habens” vor der des „Seins” rangiert, sucht der Mensch Zerstreuung ohne große geistige Anforderungen und pflegt alles andere als Muße und innere Einkehr. In seinem Buch „Der Sabbat. Seine Bedeutung für den heutigen Menschen” verweist der jüdische Theologe Abraham Joshua Heschel darauf, dass am Sabbat Gott nicht die Arbeit, sondern die Zeit heiligte. Es sei eine Zeit des Einklanges von Körper, Geist und Phantasie, ein Tag für das Leben. Der siebente Tag sei Friede zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur, Friede im Menschen. Sabbat sei zudem ein Tag, an dem der Umgang mit Geld als Entweihung gilt, an dem der Mensch seine Unabhängigkeit von dem bestätigt, was der oberste Götze der Welt ist. Muße ist also nicht „aller Laster Anfang”, sondern der Beginn einer inneren Erneuerung.

Es ist also für das Wohl des Menschen unerlässlich, wenn die christlichen Kirchen warnen: „Ohne Sonntag ist jeder Tag Werktag!” Warum soll oder „muss” man an diesem Tag einkaufen, verreisen, „schaffen”?! Müssen wir nicht wieder denkende Menschen werden? In seinem Buch „Aus meinem Leben und Denken” schreibt Albert Schweitzer: „Wird der Mensch denkend über das Geheimnisvolle seines Lebens und der Beziehungen, die zwischen ihm und dem die Welt erfüllenden Leben bestehen, so kann er nicht anders, als daraufhin seinem eigenen Leben und allem Leben, das in seinem Bereich tritt, Ehrfurcht vor dem Leben entgegen zubringen und diese in ethischer Welt- und Lebensbejahung zu bestätigen.”

Entschließen wir uns also wieder zu mehr Muße! Wenigstens am „Sabbat”!

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 9. Teil

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A014

Humor

„Wo das Christentum alle Verhältnisse durchdringt, erzieht man nicht nur zur Arbeit, sondern auch zur Fröhlichkeit”, schrieb Albert Schweitzer, der selbst auch sehr humorvoll war. Im Verlaufe eines wissenschaftlichen Kongresses wurde Schweitzer gefragt, was ihm denn eine solche Veranstaltung bedeute: „Es tagt und tagt und wird nicht hell”, antwortete er. „Es ist schade, dass es nicht so eingerichtet ist, dass auch ein leerer Kopf wie ein leerer Magen seinen Eigentümer nicht ruhen lässt, bis er etwas hineinfüllt.” Einer seiner Verehrer hatte ihm prophezeit: „Sie kommen bestimmt in den Himmel!” „Ich hoffe nicht”, gab Schweitzer zur Antwort, „denn dort oben bin ich doch nur mit

Pröpsten und Konsistorialräten zusammen. Dann bin ich lieber in der Hölle unterhalte mich Sokrates und Platon.”

Sabine Schonert-Hirz erzählt folgendes: Treffen sich zwei Jäger: beide tot!’ Haha. Ist jemand, der ständig Witze reißt wirklich humorvoll oder nur nervig? Humorvolle Menschen schaffen es, sich in kniffligen Situationen und bei eigenen Fehlern mit einem ungewöhnlichen, originellen Gedanken aus der prekären Lage zu befreien. Solche Menschen deuten das Negative kurzum um und geben ihm eine positive Wendung (,Das teure Essen ist total versalzen – na ja, wenigstens sparen wir jetzt eine Menge Kalorien.’).

Oft sind wir so verblüfft und überrascht, dass sie uns zum Lachen bringen. Aller Groll verfliegt. Inmitten eines unangenehmen Geschehens leuchtet ein Sinn auf, denn ein Mensch mit Witz zieht Nutzen aus der gemachten Erfahrung. Sobald ein Sinn erkennbar ist, lässt sich das Unangenehme schon besser aushalten.

Humorvolle Menschen sind beliebt, denn sie sind in harten Zeiten eine seelische Stütze. Ihr Lachen vermindert der Bürde Last. Wir schauen uns an, die Spiegelneurone unseres Gehirns registrieren unser Lächeln und erzeugen eine Resonanz, die unsere Gefühle erfasst.

Kleine Glückswellen durchfluten uns und wir erleben ganz unmittelbar eine intensive menschliche Verbundenheit, das Schönste, was es gibt. Menschen, die uns dieses Geschenk der Verbundenheit machen können, empfinden wir als attraktiv. Wir möchten sie als Begleiter, Freunde – oder Lebenspartner.

Wir schätzen, mögen oder lieben sie, weil wir etwas zu­rückbekommen. Evolutionsbiologen sagen, das Miteinander sei das Größte für uns. Danach streben wir, das motiviert uns und ist die beste Medizin bei Misserfolg, Krankheit und Unglück. Und was ist mit den Grantlern, die zum Lachen in den Keller gehen? Niemand ist aus Spaß humorlos. Irgendjemand muss ja auch die ernsten Seiten des Lebens ins Auge fassen, die Gefahren vorhersehen, auf alles Böse vorbereitet sein.

Die Humorlosen übernehmen diese Aufgabe, und das ist gut so, selbst wenn wir manchmal nicht umhin können, über sie zu lachen.”

Vielleicht sollte man sich bemühen, beides zu üben; wie Schweitzer, der lachen, aber auch „grantig” werden konnte.

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 7. Teil

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A013

Fürsorge

In der vatikanischen Spruchsammlung stehen die Worte von Epikur: „Wir wollen am Unglück unserer Freunde teilnehmen nicht durch Klagen, sondern durch Fürsorge.”

In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die Hilfe brauchen. Es können gesunde oder kranke Menschen, Kinder oder Alte sein. Sie alle haben Anspruch auf Hilfe, ganz gleich von welcher Seite sie gebracht wird. Sind es die Eltern, die ihr krankes oder behindertes Kind betreuen, oder sind es Kinder, die ihre Eltern oder Großeltern pflegen.

Neben den nächsten Angehörigen ist natürlich auch die Gesellschaft in der Pflicht. Pflegeein­richtungen, Seniorenheime, diakonische Einrichtungen bemühen sich um Hilfe für Bedürftige. Dabei ist es wichtig, dass auch kranke und pflegebedürftige Menschen einen Anspruch auf Selbstbestimmung haben. „Ohne ihre Mitarbeit dauern Heilungsprozesse länger”, schreibt Cornelia Coenen-Marx (in Möllering und Behlau). Deshalb sollte ein Kranker nicht nur behandelt, sondern auch gefragt werden, was er möchte und braucht. „Gute Pflege heißt, sich auf den anderen einzulassen, ja, sich ein Stück weit von ihm führen zu lassen. Es kommt darauf an, dass wir genau hinsehen und hinhören und erst dann antworten und Verantwortung übernehmen … Dass wir in den Dienst des Anderen treten und er unser ,Lehrmeister’ wird.“ Dies geht am besten „auf Augenhöhe“: Die Mutter hockt sich vor dem Kinde hin, der Pfleger rückt den Stuhl an den Sessel des alten Menschen, der Arzt setzt sich für einen Moment auf die Bettkante des Kranken. „Diese Nähe ist unersetzlich“, mahnt Coenen-Marx, „wenn Hilfe ankommen soll.“ Deshalb kann man Fürsorge auch nicht ganz an Institutionen delegieren.

Doch Fürsorge erfordert Kraft und kann sie auch aufzehren. „Wer sich auf die Sorgen anderer einlässt, wer Kranke pflegt und Kinder erzieht, muss auch für sich selber sorgen können. Das gilt besonders für Frauen, die auf ihre Kräfte achten müssen, um nicht auszubrennen … Wer mit sich selbst schlecht umgeht, kann dem Anderen nicht gut sein.“ Dies erfordert die Ehrfurcht vor dem Leben des Mitmenschen wie vor dem eigenen Leben.

Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 6. Teil

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Ehrlichkeit

„Ehrlichkeit”, stellt Angelika Obert (in Möllering und Behlau) fest, „die uns im Alltag erfreut und manchmal auch schmerzt, gehört nicht zu den großen Begriffen, mit denen sich Philosophen immer beschäftigen.” Eine Ausnahme macht auch diesbezüglich vielleicht Albert Schweitzer, der in seiner Kulturphilosophie schreibt: „Und wirklich, wie viel wäre gewonnen, wenn wir an Lauterkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit das betätigen wollten, was gemeinhin als das Rechte gilt.”

Das Wort „Ehrlichkeit” leitet sich ursprünglich von „Ehre” ab. Wer als Persönlichkeit Ansehen genoss, galt als ehrlich. Noch heute kennen wir Ehrenbürger, Ehrenpräsidenten, Ehren­mitglieder, Ehrenjungfrauen, aber ehrliche Finder oder „ehrliche” Sünder sind weniger bekannt. „Ehrenerklärungen” und „Ehrenworte” sind zuweilen nichts wert, wenn sie nur Lügen von Prominenten verbergen. Andererseits gelten ehrliche Menschen mitunter auch als ein wenig „dumm”, wenn sie aufrichtig, offenherzig etwas tun oder sagen, was ihnen keine Vorteile bringt oder ihre Schwächen andeutet. Man wird sehr oft schon dazu erzogen, sich möglichst vorteilhaft darzustellen und als mehr zu scheinen als zu sein. Das ehrliche Gegenteil hieße dann: „Mehr sein als scheinen.” „Doch noch wichtiger als jedes Ei, das man legt, ist das Gegacker”, schreibt Angelika Obert, so wie in der freien Wirtschaft die Werbung wichtiger sei als das Produkt. „Sich selbst zu bewerben, mit allen Tricks vorteilhaft zu erscheinen, gilt nicht als unehrlich. Es ist vielmehr geboten. Aber natürlich bleibt die Wahrheit auf der Strecke”, stellt Angelika Obert fest. „Nun hat es der Zwang zur gesell­schaftlichen Anpassung und die damit verbundene Heuchelei allerdings immer gegeben. Jede Zeit hat ihre eigene Verlogenheit. Es ist nicht der Mangel an Moral und Sitte, der so genannte Werteverfall, der das Lügen salonfähig macht. Nein, gelogen wird immer im Namen der herrschenden Werte … Heute sind es die Werte des freien Marktes, die der Ehrlichkeit Grenzen setzen.”

Ehrlich zu sein erfordert in jeder Gesellschaft Mut und Charakter. Das trifft aber nicht nur für die Gesellschaft der Großen, sondern ebenso für die „kleinste Zelle” der Gesellschaft, die Familie, zu. Gerade hier vertraut man auf die Ehrlichkeit gegenüber dem Partner, den Kindern, den Eltern. Unehrlichkeit schmerzt hier am meisten. Manchmal erscheint es sogar leichter, einem Fremden sein Herz zu öffnen als einem der Nächsten. Aber wer will einem Arbeitslosen verdenken, der so tut als ginge er zur Arbeit, weil er sich seiner Arbeitslosigkeit schämt?! Es ist doch keine Schande, in dieser Gesellschaft seinen Arbeitsplatz zu verlieren; wäre es nicht richtiger, wenn sich die Gesellschaft für dieses Grundübel schämte? Wie im Falle des Arbeitslosen sollte man deshalb Verständnis zeigen für dessen Unehrlichkeit. Ebenso sollte man auch stets bei der Ver- oder Beurteilung einer Unehrlichkeit eines Menschen den „Balken im eigenen Auge” beachten, bevor man den „Splitter im Augen des Anderen” verurteilt. Man bedenke die Worte Georg Büchners: „Es ist keine Kunst, ein ehrlicher Mann zu sein, wenn man täglich Suppe, Gemüse und Fleisch zu essen hat.”

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