Albert Schweitzer – Seminar #7

Die Geschichte von der Angst, ausgelacht zu werden

Früher haben die Kinder gerne mit einer Schlappschleuder geschossen. Man spannte einfach Gummibänder an eine kleine Zweiggabel, legte einen Stein oder eine Erbse in die Lusche, spannte und ließ den Stein fliegen. Man zielte auf einen Baumstamm oder eine Blechbüchse oder in die Luft. Doch war es verboten, auf Menschen oder Tiere zu schießen, denn man konnte sie damit verletzen oder sogar töten.

Auch Albert besaß eine solche Schleuder. Er kniff das linke Auge zusammen, schoss auf einen Ball und traf ihn auch. Da kam sein Freund Heinrich hinzu. Er schlug ihm vor, doch nicht auf einen Ball, sondern in den Wald zu gehen und auf Vögel zu schießen. Da könnte Albert zeigen, ob er wirklich ein guter Schütze ist. Aber Albert wollte nicht auf Tiere schießen, denn sie taten ihm leid. Ganz gleich, ob es Amseln oder Spatzen sind, sie alle wollen ja leben. Außerdem hatte er die zehn Gebote gelernt, in denen es heißt: Du sollst nicht töten!

Doch Albert traute sich nicht, „nein“ zu sagen. Er fürchtete, dass ihn sein Freund Heinrich auslachen und einen Angsthasen nennen würde. So antwortete er: „Ich komme mit!“

Beide Jungen liefen nun zum Wald, lasen kleine Steine auf und warteten hinter einem Baum darauf, dass Vögel kämen und sich auf die Zweige setzten. Da kam eine Schar Spatzen angeflattert. Sie ließen sich auf dem Baum nieder und zwitscherten fröhlich in die Morgenluft. „Die schießen wir runter“, flüsterte Heinrich leise. „Schieß, Albert!“, befahl er streng. Doch eine innere Stimme warnte ihn und sagte: “Schieß nicht. Albert!“ „Ich schieße daneben“, meinte Albert im Stillen. „Ich will doch keine Vögel töten!“

Albert spannte den Gummi der Schleuder und wollte gerade schießen, als vom Kirchturm in Günsbach die Glocken zu läuten begannen. Sie riefen zum Sonntagsgottesdienst. Albert erschien das Glockenläuten wie eine Mahnung: „Du sollst nicht töten, Albert!“ Albert sprang auf, warf die Schleuder weg und rannte nach Hause. Sein Herz klopfte stark, doch er war froh. Denn er hatte nicht etwas Böses getan, was ihm ein anderer befohlen hatte. Seine innere Stimme, sein Gewissen, war stärker als der Befehl des Freundes.

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15 comments

  1. Amy · November 26, 2018

    Ich liebe Albert! 🙂

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  2. PlantsandBeyond · November 26, 2018

    Not sure what is written here, but have a wonderful day, Peter.

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    • Peter Klopp · November 26, 2018

      You could try Google translate. Have a great week, Luda!

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  3. Ulli · November 26, 2018

    Das nenne ich einen geraden Rücken! Aber das wissen wir ja, dassden der Albert hatte, trotzdem klasse zu lesen, wie er ihn auch schon als Junge hatte!
    Herzliche Grüße an dich, Peter, aus dem schmuddelwetterigem Schwarzwald
    Ulli

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    • Peter Klopp · November 26, 2018

      Vielen Dank, liebe Ulli! Darf ich mal fragen, wo du im Schwarzwald wohnst? Ich habe mal als ganz junger Mann eine abenteuerliche Radtour durch den Schwarzwald gemacht. Alles Gute! Peter

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      • Ulli · November 27, 2018

        Seit eineinhalb Jahren lebe ich auf 700m in einem Dorf, das zur Gemeinde: Kleines Wiesental gehört – der Belchen und der Feldberg sind nicht weit, den Belchen kann ich von meiner Terasse aus sehen … in welcher Ecke bist du unterwegs gewesen?

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      • Peter Klopp · November 27, 2018

        Mit meinem Freund bin ich die Schwarzwald-Hochstrasse vom Osten her hochgeradelt und von Hinterzarten die Bundesstrasse 31 nach Freiburg runtergesaust. Als kleiner Junge bin ich auch einmal auf dem Feldberg gewesen. Vielen Dank, Ulli! Das war ein ganz lieber Kommentar.

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  4. www.corneliaweber-photography.com · November 26, 2018

    Albert’s soul was already filled with awareness. Thank you Peter for your post. I probably have missed it, but what is your source about Albert Schweitzer?

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    • Peter Klopp · November 26, 2018

      My cousin, Hartmut Kegler, a retired professor in Germany, has been an Albert Schweitzer fan and promoter of the message of respect for all life since the end of World War II. He wrote a number of books on Albert, visited schools and together with his late wife gve seminars. This one was specifically written for children, but has found considerable positive resonance among my adult readers. Have a great week, Cornelia!

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      • www.corneliaweber-photography.com · November 27, 2018

        Thank you Peter, for telling me, about your resource, that’s quite interesting that your cousin has written books about Albert Schweitzer. I remember as a child, that Albert Schweitzer’s work was highly admired. Enjoy your week, Peter.

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      • Peter Klopp · November 28, 2018

        You too, Cornelia, have a nice week!

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  5. taphian · November 27, 2018

    Die Geschichten von Albert gefallen mir immer sehr, sie kommen aber irgendwie aus einer anderen Zeit. Liebe Grüße aus Hamburg, Mitza

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    • Peter Klopp · November 27, 2018

      Ja, es gibt Aspekte aus der alten Zeit, die nie ihre innere Kraft verlieren. Vielen Dank, Liebe Mitza!

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      • taphian · November 27, 2018

        Man wünschte sich häufig heutzutage, dass diese Werte noch Gültigkeit hätten:)

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  6. Stella, oh, Stella · November 27, 2018

    Ich bin immer wieder froh, über die Jugendjahre meines Helden zu lesen. Ich bin stolz auf ihn! 😉

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