Über menschliche Werte im Geiste der Ehrfurcht vor dem Leben – 9. Teil

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Humor

„Wo das Christentum alle Verhältnisse durchdringt, erzieht man nicht nur zur Arbeit, sondern auch zur Fröhlichkeit”, schrieb Albert Schweitzer, der selbst auch sehr humorvoll war. Im Verlaufe eines wissenschaftlichen Kongresses wurde Schweitzer gefragt, was ihm denn eine solche Veranstaltung bedeute: „Es tagt und tagt und wird nicht hell”, antwortete er. „Es ist schade, dass es nicht so eingerichtet ist, dass auch ein leerer Kopf wie ein leerer Magen seinen Eigentümer nicht ruhen lässt, bis er etwas hineinfüllt.” Einer seiner Verehrer hatte ihm prophezeit: „Sie kommen bestimmt in den Himmel!” „Ich hoffe nicht”, gab Schweitzer zur Antwort, „denn dort oben bin ich doch nur mit

Pröpsten und Konsistorialräten zusammen. Dann bin ich lieber in der Hölle unterhalte mich Sokrates und Platon.”

Sabine Schonert-Hirz erzählt folgendes: Treffen sich zwei Jäger: beide tot!’ Haha. Ist jemand, der ständig Witze reißt wirklich humorvoll oder nur nervig? Humorvolle Menschen schaffen es, sich in kniffligen Situationen und bei eigenen Fehlern mit einem ungewöhnlichen, originellen Gedanken aus der prekären Lage zu befreien. Solche Menschen deuten das Negative kurzum um und geben ihm eine positive Wendung (,Das teure Essen ist total versalzen – na ja, wenigstens sparen wir jetzt eine Menge Kalorien.’).

Oft sind wir so verblüfft und überrascht, dass sie uns zum Lachen bringen. Aller Groll verfliegt. Inmitten eines unangenehmen Geschehens leuchtet ein Sinn auf, denn ein Mensch mit Witz zieht Nutzen aus der gemachten Erfahrung. Sobald ein Sinn erkennbar ist, lässt sich das Unangenehme schon besser aushalten.

Humorvolle Menschen sind beliebt, denn sie sind in harten Zeiten eine seelische Stütze. Ihr Lachen vermindert der Bürde Last. Wir schauen uns an, die Spiegelneurone unseres Gehirns registrieren unser Lächeln und erzeugen eine Resonanz, die unsere Gefühle erfasst.

Kleine Glückswellen durchfluten uns und wir erleben ganz unmittelbar eine intensive menschliche Verbundenheit, das Schönste, was es gibt. Menschen, die uns dieses Geschenk der Verbundenheit machen können, empfinden wir als attraktiv. Wir möchten sie als Begleiter, Freunde – oder Lebenspartner.

Wir schätzen, mögen oder lieben sie, weil wir etwas zu­rückbekommen. Evolutionsbiologen sagen, das Miteinander sei das Größte für uns. Danach streben wir, das motiviert uns und ist die beste Medizin bei Misserfolg, Krankheit und Unglück. Und was ist mit den Grantlern, die zum Lachen in den Keller gehen? Niemand ist aus Spaß humorlos. Irgendjemand muss ja auch die ernsten Seiten des Lebens ins Auge fassen, die Gefahren vorhersehen, auf alles Böse vorbereitet sein.

Die Humorlosen übernehmen diese Aufgabe, und das ist gut so, selbst wenn wir manchmal nicht umhin können, über sie zu lachen.”

Vielleicht sollte man sich bemühen, beides zu üben; wie Schweitzer, der lachen, aber auch „grantig” werden konnte.