Carthage: A Love Story Chapter I Part 8

Carthage by Peter Klopp ©

Rude Reception at the Roman Camp

Whistles and roars greeted him as he entered the massive corner house on Kothon, not far from the rock wall. Publius was dismayed. His comrades drank the heavy African wine in front of the building like common people in broad daylight. Some rolled dice for money. After each throw, cries of anger and joy mixed together to form a terrible roar.  Others shared their recent experiences dealing with easy girls. 

Publius hurried to get through the rough fellows to report back to the small guard room. His steps became unsteady. He couldn’t feel comfortable in this company. He gradually became aware of why he had to go back to the guards. He was supposed to do duty, clean weapons and the like. But here he saw nothing that reminded him of such an activity. Shouldn’t he have been granted his stay there? Or was it even hatred against the Carthaginians that prevented a peaceful get-together? Now the first ones had recognized him and pointed loudly to the Carthaginian friend. A sneer of laughter broke out and Publius was happy to report back to his superior in the small guard room. He just made an annoying gesture with his hand, indicating that he was supposed to return to his comrades. However, he had hoped to receive an order so that he could at least keep himself busy. And so to be able to withdraw, if not physically, then at least mentally. 

He had barely entered the sunny forecourt when he saw all eyes turned towards him. In them he read only mockery and contempt. Half jokingly, half maliciously, the most daring ones shot the poisoned arrows of their spiteful mouths at him.

“You turkey, how is the Roman-Carthaginian alliance doing?”

“He probably drank to Rome’s downfall with Harso!” 

“Look at his bedroom look, he must have slept with Harso’s daughter that night!”

“What, Harso has a daughter?”

“Of course, a real looker in fact. I even think Harso is not her father. Because of the blue eyes and stuff!”

A shrill, lecherous laugh made Publius tremble within. He had sat down silently on a stone staircase. He didn’t want his comrades to see him seething with rage and utter helplessness. Publius was ruled only by feeling. He felt everything beautiful, but also the abysmal ugly, much more deeply than the others. However, he suffered from an inability to quickly and accurately express his feeling, whether it was genuine joy or holy anger. So, like the hidden sun, he shined only upon himself and was a shadow to the world around him.

Karthago von Peter Klopp ©

Rauer Empfang im Römischen Lager

Pfeifen und Grölen empfingen ihn, als er das massive Eckhaus am Kothon unweit der Felsmauer betrat. Publius war bestürzt. Seine Kameraden tranken vor dem Gebäude wie gemeine Menschen am helllichten Tag den schweren, afrikanischen Wein. Die einen würfelten um Geld. Nach jedem Wurf mischte sich ein Wut- und Freudengeschrei zu einem furchtbaren Gegröle.  Andere berichteten ihre neuesten Erfahrungen im Umgang mit leichten Mädchen. 

Publius beeilte sich, durch die rauen Gesellen hindurch zu kommen, um sich in der kleinen Wachstube zurückzumelden. Seine Schritte wurden unsicher. In dieser Gesellschaft konnte er sich nicht wohlfühlen. Allmählich kam ihm auch wieder zu Bewusstsein, weshalb er zu der Wachmannschaft zurückmusste. Er sollte Dienst tun, Waffen reinigen und Ähnliches mehr. Aber hier sah er nichts, was an eine solche Tätigkeit erinnerte. Sollte man ihm seinen Aufenthalt dort nicht gegönnt haben? Oder war es sogar der Hass gegen die Karthager, der ein friedliches Beisammensein verhinderte? Jetzt hatten die Ersten ihn erkannt und wiesen mit lauten Worten auf den Karthager Freund. Ein Hohngelächter brach aus, und Publius war froh, sich bei seinem Vorgesetzten in der kleinen Wachstube zurückmelden zu können. Dieser machte nur eine lästige Handbewegung, die ihm andeutete, zu seinen Kameraden zurückzukehren. Jener hatte jedoch gehofft, einen Auftrag zu erhalten, um wenigstens beschäftigt zu sein. Und so, sich, wenn schon nicht körperlich, dann aber doch geistig zurückziehen zu können. 

Kaum hatte er den sonnigen Vorplatz betreten, als er alle Augen aus sich gerichtet sah. In ihnen las er nur Spott und Verachtung. Halb scherzhaft, halb bösartig schossen die Verwegensten die Giftpfeile ihres gehässigen Mundwerks auf ihn ab.

„Du Truthahn Klüngel, was macht die römisch-karthagische Allianz?“

„Der hat wohl mit Harso auf Roms Untergang getrunken!“ 

„Seht doch mal seinen Schlafzimmerblick, der hat bestimmt die Nacht bei Harsos Tochter gepennt!“

„Wie, Harso hat eine Tochter?“

„Na klar, einen ganz steilen Zahn sogar. Ich glaube, die stammt noch nicht mal von Harso. Von wegen der blauen Augen und so!“

Ein schrilles, wollüstiges Gelächter ließ Publius in seinem Inneren erbeben. Er hatte sich stumm auf eine Steintreppe gesetzt. Seine Kameraden sollten nicht sehen, wie er vor Wut und Ohnmacht kochte. Publius war nur vom Gefühl regiert. Er empfand alles Schöne, aber auch Abgrund hässliches viel tiefer als die anderen. Publius war nur vom Gefühl regiert. Jedoch litt er unter der Unfähigkeit, sein Gefühl, sei es nun echte Freude, oder sei es heiliger Zorn, schnell und treffend in Worte zu fassen. So leuchtet er gleich der verdeckten Sonne nur sich selbst und war der Umwelt ein Schatten.

Carthage: A Love Story Chapter I Part 7

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Bersika

As he passed the garden gate, he saw a shadow in one of the garden’s side paths. It was Bersika, bending over a quince bush, reaching for the fragrant fruit and carefully placing it in a brown leather bag. The young Roman stopped and looked around longingly for her. She seemed to have been waiting for him. Because when he stopped, she had dropped her bag and jumped up and walked straight towards him. Joyful surprise lit up his eyes. But embarrassment and terrible shyness immediately spread through him. How he would have loved to ask if she liked him despite his foreign origin, if she had thought of him that night. But his throat was as if it were tied up. He just silently squeezed her hand and said, “We’ll see each other again, Bersika, we’ll see each other again.” 

“Yes, gladly, really gladly,” she exclaimed happily. Publius was caught by her gaze again. And now he noticed what was so fascinating about her. A small, barely visible scar covered her eyes and always drew his gaze there. Even though she was not particularly pretty according to Roman taste, this scar had a peculiar charm. Publius was suddenly seized by the desire to snatch her away and confess his love to her. But his shyness was greater than his desire, and so he broke away from her, stepped out onto the street and walked briskly towards the inner-city wall. He did not turn around again, fearing that his feelings would overwhelm him. But he felt her eyes on him, and his embarrassment only ended when he reached the first bend in the street.

Overjoyed, he began to race the street to let the joyful mood run wild. Completely out of breath, he fell back to a walking pace. Now other thoughts came to him. Why had he not gone on? Would she have understood him? The encounter seemed to him like a victory in a battle that the general did not know how to exploit properly. He thought again of her father, and bitter feelings rose within him. He was too much of a Roman to accept his accusations so easily, but also too just to dismiss them out of hand. Publius could not agree with this and was angry.

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Bersika

Als er im Gartentor vorüberging, sah er einen Schatten in einem der Seitenwege des Gartens. Es war Bersika, die über einem Quittenstrauch gebeugt nach den duftenden Früchten griff und sie in eine braune Ledertasche sorgfältig legte. Der junge Römer machte halt und blickte sich sehnsuchtsvoll nach ihr um. Sie schien auf ihn gewartet zu haben. Denn als er stehenblieb, hatte sie ihre Tasche fallen lassen und war aufgesprungen und direkt auf ihn zugegangen. Freudige Überraschung leuchtete in seinen Augen auf.  Aber sogleich machten sich Verlegenheit und fürchterliche Schüchternheit in ihm breit. Wie gerne hätte er gefragt, ob sie ihn gerne habe trotz seiner fremden Herkunft, ob sie diese Nacht an ihn gedacht habe. Aber seine Kehle war wie zugeschnürt. Er drückte nur stumm ihre Hand und sagte dazu: „Wir sehen uns wieder, Bersika, wir sehen uns wieder.“

„Ja, gerne, wirklich gerne“, rief es freudig aus ihr heraus. Publius war wieder von ihrem Blick gefangen. Und nun merkte er auch, was so faszinierend an ihr war. Eine kleine, kaum sichtbare Narbe verband ihre Augen und lenkte den Blick immer dorthin. War sie auch nach römischem Geschmack nicht sonderlich hübsch, so übte gerade diese Narbe einen eigentümlichen Reiz aus. Publius wurde plötzlich vom Wunsch gepackt, sie an sich zu reißen und ihr seine Liebe zu gestehen. Aber die Scheu war größer als das Begehren, und so machte er sich von ihr los, trat auf die Straße und schritt forsch auf die innere Stadtmauer zu. Er wandte sich nicht mehr um in der Furcht, vom Gefühl überwältigt zu werden. Aber er spürte ihre Augen auf sich gerichtet, und seine Befangenheit hörte erst dann auf, als er die erste Straßenbiegung erreicht hatte.

 Überglücklich begann er zu laufen, um die freudige Stimmung richtig austoben zu lassen. Ganz außer Atem fiel er wieder in Schritttempo. Nun kamen ihm auch wieder andere Gedanken. Warum war er nicht weitergegangen? Würde sie ihn verstanden haben? Die Begegnung schien ihm wie ein Sieg in einer Schlacht, den der Feldherr nicht richtig auszunutzen verstand. Er dachte wieder an ihren Vater, und bittere Gefühle stiegen in ihm auf. Er war zu sehr Römer, um dessen Vorwürfe so einfach hinnehmen zu können, aber auch wieder zu gerecht, um sie kurz entschlossen von der Hand zu weisen. Publius wurde sich darüber nicht einig und ärgerte sich.

Carthage: A Love Story Chapter I Part 6

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Rude Awakening

A bright little bell, which could be rung from outside, tinkled above his bed. The sun filled the room with its bright light. Publius rubbed his eyes. He felt as if he had dreamed of Bersika that night and was pondering in his memory. Yes, he couldn’t even decide whether it was a dream or reality. While he was still thinking, harsh Roman words of command reached his ears. He was startled. What did that mean? 

The voices faded into the lobby, and he heard Harso say, “If the delegation leader wants it that way, I will send him to the camp straight after breakfast.”

Then footsteps approach his chamber. Harso stepped through the curtain, his facial features betraying the disappointment he had just experienced. 

“You already know, Publius. You have to go! Naso just let me know that considering so many people, he couldn’t refuse my request last night and only gave you for one night. Because you belong in the camp of the comrades ,and you would have your job there. And when I objected, someone haughtily hurled in my face that it was disgraceful enough to have to sleep one night at a Carthaginian’s.”

The excitement and righteous indignation caused the merchant to take a short break. Then he spoke calmly and seriously, “The Romans have changed in the past 50 years. They once valued custom and law more than honour and power. When Pyrrhus ruled the Italian lands and threatened finally to put an end to the Romans, you yourself did not accept his personal physician’s request to free yourself from the Macedonian hostage through assassination. Or in the great Hannibal war, when our envoys gladly and fearlessly went to Roman negotiations, knowing that they had no fear of mistreatment. But nobility and a sense of justice have disappeared from the Romans.”

His excitement had gotten the better of him again, and he had spoken more to himself than to Publius. When he had regained his composure, he said in an almost melancholy voice, “The commission will bring disaster to our city. The men looked so dark. But now go and get dressed so that we can at least have breakfast together again in the morning.” 

The rumbling of the soldiers and now Harso’s speech had taken Publius out of his dreamy mood. His keen sense of obedience, which he had already learned in the semi-military group on the ship, warned him to leave immediately. 

“When should I be in the quarters?”

“When the shadow of the battlements wanders out into the city!” 

“So lunchtime. Then I’m sorry to have to decline your offer, Harso. I’ll leave immediately. I don’t have any more time to waste.”

“I see you have to. I would rather not pressure you any further,” the merchant replied, without any anger taking hold of him. A little while later, the time had come. He had already said goodbye to Harso and Mata, who were sitting in the dining room having a small snack. He walked out of the porch into the magnificent garden, at the end of which the road led to the naval port. Harso’s dark male voice sounded again from the window, “Don’t forget the password, Publius. It’s palm leaf, palm leaf.”

Karthago von Peter Klopp ©

Böses Erwachen

Ein helles Glöckchen, das von außen betätigt werden konnte, tönte über seinem Bett. Die Sonne füllte den Raum mit ihrem grellen Licht. Publius rieb sich die Augen. Ihm war, als habe er die Nacht von Bersika geträumt, und er grübelte in seinem Gedächtnis. Ja, er konnte nicht einmal entscheiden, ob es Traum oder Wirklichkeit war. Während er noch so nachdachte, drangen harte römische Kommandoworte an sein Ohr. Er schrak zusammen. Was hatte das zu bedeuten? Die Stimmen verloren sich in der Vorhalle, und er hörte Harso sagen: „Wenn der Delegationsführer es so will, werde ich ihn gleich nach dem Frühstück ins Lager schicken.“

Dann nähern sich Schritte seiner Kammer. Harso trat durch den Vorhang, seine Gesichtszüge verrieten seine eben erfahrene Enttäuschung. 

„Du weißt schon Bescheid, Publius. Du musst gehen! Naso ließ mir eben mitteilen, dass er angesichts so vielen Volkes gestern Abend meine Bitte nicht abschlagen konnte und nur dich für die eine Nacht mitgab. Denn du gehörst ins Lager der Kameraden und hättest dort deine Arbeit. Und als ich Einwände machte, schleuderte mir einer hochmütig ins Gesicht, es sei schon schimpflich genug, eine Nacht bei einem Karthager schlafen zu müssen.“

Die Erregung und gerechte Empörung ließen den Kaufmann eine kleine Pause einlegen. Dann sprach er ruhig und ernst: „Die Römer haben sich in den letzten 50 Jahren gewandelt. Einst galten ihm Sitte und Gesetz mehr als Ehre und Macht. Als Pyrrhus die italienischen Lande beherrschte und den Römern endgültig ein Ende zu machen drohte, da selbst ließen Sie sich nicht auf dessen Leibarztes Ansinnen ein, sich durch einen Meuchelmord von der Geisel Mazedoniens zu befreien. Oder im großen Hannibal Krieg, da unsere Gesandten gerne und furchtlos zu römischen Verhandlungen gingen, da sie wussten, dass sie keine Misshandlungen zu befürchten hatten. Aber Edelmut und Sinn für Gerechtigkeit sind den Römern entschwunden.“

Wieder war die Erregung mit ihm durchgegangen, und er hatte mehr zu sich selbst als zu Publius gesprochen. Als er sich wieder gefasst hatte, sagte er mit fast melancholischer Stimme: „Die Kommission wird unserer Stadt Unheil bringen. Die Männer blickten so finster drein. Doch nun gehe und zieh dich an, damit wir Vormittag wenigstens noch einmal zusammen speisen können.“ 

Das Poltern der Soldaten und nun die Rede Harsos hatten Publius aus seiner verträumten Stimmung gerissen. Sein wacher Sinn für Gehorsam, den er in der halbmilitärischen Gruppe auf Schiff schon gelernt hatte, mahnte ihn zum sofortigen Aufbruch. 

„Wann soll ich im Quartier sein?“

„Wenn der Schatten der Mauerzinnen zur Stadt hinauswandert!“ 

„Also Mittag. Dann tut es mir leid, dein Angebot ablehnen zu müssen, Harso. Ich werde sofort aufbrechen. Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren.“

„Ich sehe, du musst. Ich möchte dich darum nicht weiter nötigen“, antwortete der Kaufmann, ohne dass Unwillen sich seiner bemächtigte. Ein gutes Weilchen später war es dann so weit. Er hatte sich bereits bei Harso und Mata verabschiedet, welche bei einer kleinen Zwischenmahlzeit im Speisesaal saßen. Er schritt die Vorhalle hinaus in den herrlichen Garten, an dessen Ende die Straße zum Kriegshafen entlangführte. Aus dem Fenster klang nochmals die dunkle Männerstimme Harsos: „Vergiss das Kennwort nicht, Publius. Es ist Palmenblatt, Palmenblatt.“

Ein helles Glöckchen, das von außen betätigt werden konnte, tönte über seinem Bett. Die Sonne füllte den Raum mit ihrem grellen Licht. Publius rieb sich die Augen. Ihm war, als habe er die Nacht von Bersika geträumt, und er grübelte in seinem Gedächtnis. Ja, er konnte nicht einmal entscheiden, ob es Traum oder Wirklichkeit war. Während er noch so nachdachte, drangen harte römische Kommandoworte an sein Ohr. Er schrak zusammen. Was hatte das zu bedeuten? Die Stimmen verloren sich in der Vorhalle, und er hörte Harso sagen: „Wenn der Delegationsführer es so will, werde ich ihn gleich nach dem Frühstück ins Lager schicken.“

Dann nähern sich Schritte seiner Kammer. Harso trat durch den Vorhang, seine Gesichtszüge verrieten seine eben erfahrene Enttäuschung. 

„Du weißt schon Bescheid, Publius. Du musst gehen! Naso ließ mir eben mitteilen, dass er angesichts so vielen Volkes gestern Abend meine Bitte nicht abschlagen konnte und nur dich für die eine Nacht mitgab. Denn du gehörst ins Lager der Kameraden und hättest dort deine Arbeit. Und als ich Einwände machte, schleuderte mir einer hochmütig ins Gesicht, es sei schon schimpflich genug, eine Nacht bei einem Karthager schlafen zu müssen.“

Die Erregung und gerechte Empörung ließen den Kaufmann eine kleine Pause einlegen. Dann sprach er ruhig und ernst: „Die Römer haben sich in den letzten 50 Jahren gewandelt. Einst galten ihm Sitte und Gesetz mehr als Ehre und Macht. Als Pyrrhus die italienischen Lande beherrschte und den Römern endgültig ein Ende zu machen drohte, da selbst ließen Sie sich nicht auf dessen Leibarztes Ansinnen ein, sich durch einen Meuchelmord von der Geisel Mazedoniens zu befreien. Oder im großen Hannibal Krieg, da unsere Gesandten gerne und furchtlos zu römischen Verhandlungen gingen, da sie wussten, dass sie keine Misshandlungen zu befürchten hatten. Aber Edelmut und Sinn für Gerechtigkeit sind den Römern entschwunden.“

Wieder war die Erregung mit ihm durchgegangen, und er hatte mehr zu sich selbst als zu Publius gesprochen. Als er sich wieder gefasst hatte, sagte er mit fast melancholischer Stimme: „Die Kommission wird unserer Stadt Unheil bringen. Die Männer blickten so finster drein. Doch nun gehe und zieh dich an, damit wir Vormittag wenigstens noch einmal zusammen speisen können.“ 

Das Poltern der Soldaten und nun die Rede Harsos hatten Publius aus seiner verträumten Stimmung gerissen. Sein wacher Sinn für Gehorsam, den er in der halbmilitärischen Gruppe auf Schiff schon gelernt hatte, mahnte ihn zum sofortigen Aufbruch. 

„Wann soll ich im Quartier sein?“

„Wenn der Schatten der Mauerzinnen zur Stadt hinauswandert!“ 

„Also Mittag. Dann tut es mir leid, dein Angebot ablehnen zu müssen, Harso. Ich werde sofort aufbrechen. Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren.“

„Ich sehe, du musst. Ich möchte dich darum nicht weiter nötigen“, antwortete der Kaufmann, ohne dass Unwillen sich seiner bemächtigte. Ein gutes Weilchen später war es dann so weit. Er hatte sich bereits bei Harso und Mata verabschiedet, welche bei einer kleinen Zwischenmahlzeit im Speisesaal saßen. Er schritt die Vorhalle hinaus in den herrlichen Garten, an dessen Ende die Straße zum Kriegshafen entlangführte. Aus dem Fenster klang nochmals die dunkle Männerstimme Harsos: „Vergiss das Kennwort nicht, Publius. Es ist Palmenblatt, Palmenblatt.“

Natural Splendour of the Arrow Lakes

Mount Scaia

Here we come!

Two months ago, we had already made an attempt to reach the top of Mount Scaia. As I reported in an earlier post, we failed, because at 1900 m the snow was getting too deep to proceed without the risk of getting stuck. Several weeks later with the heat wave already in full swing, our son Michael invited us to try it again. Whether you believe or not, there was still snow on the road. But Michael’s truck had no trouble ploughing through it. Great was the view of this amazing landscape, no matter in which direction we looked. With a light breeze that kept the horseflies and mosquitoes under control, the mountain air felt cool at 27 degrees C compared to the stifling 36 degrees down in the valley. I selected a few photos for your viewing pleasure. Enjoy!

I recently combined four of my earlier compositions into what I call “Potpourri”.

Carthage: A Love Story Chapter I Part 5

Carthage by Peter Klopp ©

Publius’ Dream

He parted the curtain and went into his small room. Soft moonlight filtered through a large window and only slightly illuminated the room. Publius found his bed excellent and lounged happily on the soft silk pillows. However, sleep was a long time coming. He thought again about what Mata had said to him. How could he understand her wishes so well! Why did the Senate make life so difficult for them! Couldn’t the two cities join hands like brothers after feuding for so long? If only all people were like this noble Harso, who always sounded the voice of reconciliation and moderation in the Punic Council! How blessedly the human spirit and strength would unfold! Fertile areas of land give people their rich fruits under the diligent hand of the farmer. 

His imagination pictured the state of eternal peace in ever more enticing colours. And soon he was swept away from his own ideas into a colourful dream state. Thoughts no longer raced through his head, fragments of emotions quickly passed the horizon of his mind. Then a whirlpool of new images hit him, all promising a bit of bliss. Blooming meadows, silent mountain lakes, sweet-smelling quinces, venerable temples. Fairy tale castles, happy people, lovely, mild sunshine, rushing waters. The images would not stop renewing and repeating themselves. Now they began to mix, move together and turn. 

Suddenly, Publius found himself in the gold-warm stream again, dissolving and being swept up. And far, far above, two blue eyes were shining. 

“Damn,” said Publius to himself, “I am in love with her.” He bit his thumb and tried to finally drive away the remnants of the dream images. 

“I’m a stupid ass, what am I imagining?  As if a noble Punic girl were spending time with me, a ridiculous soldier.” 

But all the murmurs of protest didn’t last long. The memory of what he had just experienced renewed his feelings. And then the lovely play of colours began and soon ended with Bersika’s still shining eyes. Only this time they weren’t quite as far away. Again groves, foaming sea waves, happy people lined up one after the other, only much faster and not so clearly, pushed into the background by the blue eyes that now outshone everything. As Publius fell into a deep slumber, morning was already dawning on the eastern horizon.

Karthago von Peter Klopp ©

Publius’ Traum

Er teilte den Vorhang und begab sich in sein kleines Gemach. Durch ein großes Fenster drang matter Mondschein und erhellte nur wenig den Raum. Publius fand sein Nachtlager ausgezeichnet und räkelte sich vergnügt in den weichen Seidenkissen. Jedoch ließ der Schlaf lange auf sich warten. Er überdachte noch einmal, was Mata zu ihm gesagt hatte. Wie konnte er ihre Wünsche so gut verstehen! Warum machte der Senat ihnen auch das Leben so schwer! Konnten sich die beiden Städte nicht schwesterlich die Hand reichen, nachdem sie sich so lange befehdet hatten? Wenn alle Menschen so wären, wie dieser edle Harso, der im Punischen Rat stets die Stimme der Versöhnung und Mäßigung ertönen ließ! Wie segensreich würden sich des Menschen Geist und Kraft entfalten! Fruchtbare Landstriche gäben unter der fleißigen Hand des Bauern dem Menschen ihre reichen Früchte. 

Seine Fantasie malte sich in immer verlockenderen Farben den Zustand ewigen Friedens aus. Und alsbald wurde er von seinen eigenen Ideen weggerissen in einem farbenfrohen Traumzustand. Nicht mehr Gedanken jagten durch seinen Kopf, Gefühlsfetzen zogen hastig am Horizont seines Gemüts vorbei. Dann erfasste ihn ein Strudel neuer Bilder, alle ein Stück Glückseligkeit verheißend. Blühende Auen, schweigsame Bergseen, süßlich duftende Quitten, ehrwürdige Tempel. Märchenschlösser, fröhliche Menschen, lieblich-milder Sonnenschein, rauschendes Meer. Die Bilder wollten nicht aufhören, sich zu erneuern und zu wiederholen. Jetzt begannen sie sich gar zu vermischen, zusammenzurücken und zu drehen. 

Plötzlich befand sich Publius wieder in dem Gold-warmen Strom, indem er sich auflöste und emporgerissen wurde. Und weit, weit oben leuchten zwei blaue Augen. 

„Verflucht”, sagte Publius zu sich selbst, „ich bin in sie verliebt”. Er biss sich in seinen Daumen und versuchte, die Reste der Traumbilder endgültig zu vertreiben. 

„Ich blödsinniger Affe, was bilde ich mir nur ein.  Als ob sich eine vornehme Punierin mit mir lächerlichen Soldaten abgäbe.“ Aber all das Murmeln des Protestes währte nicht lange. Die Erinnerung an das eben erlebte zeigte sein Gefühl aufs Neue an. Und weiter begann das reizende Farbenspiel und endete alsbald mit den noch strahlenden Augen Bersikas. Nur waren sie diesmal nicht mehr ganz so weit. Wieder reihten sich Haine, schäumende Meereswogen, fröhliche Menschen hintereinander, nur viel schneller und nicht so klar, in den Hintergrund gedrängt, durch die nun alles überstrahlenden blauen Augen. Als Publius in einen tiefen Schlummer fiel, dämmerte im Osten schon der Morgen.

Carthage: A Love Story Chapter I Part 4

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Publius meets Bersika

A black and white spotted desert dog burst out of the darkness, barking loudly, and immediately fell silent when it recognized its master. The entrance hall of the country house was soon a hive of activity. Slaves lit torches, others opened the large portal. And when Harso and Publius climbed the stairs, the housewife and Bersika, the 19-year-old daughter, were already ready to welcome the returning master and guest. A magnificent carpet, woven with wonderful colours, shone in the light of the torches. This led into the interior of the house.

“So this is our Roman guest,” began the housewife. “We hope you feel comfortable with us. You must have brought a good appetite back from the sea. Dinner is already laid out.” Overwhelmed by the unexpected cordiality and warmth with which he was received, Publius just remained silent and nodded. The dining room they now entered was richly and yet simply furnished, as he was used to in his father’s workshop apartment. However, the walls were panelled with rare, precious wood. Slow-burning torches were attached to the variously decorated wooden pillars, which provided the room with even light. At the other end there was another entrance, which the servants obviously used to bring in the food. From there came a tempting smell of roasting, which increased Publius’s hunger and made his mouth water. The middle was filled with a large oak table with a polished marble slab set into it. They sat down on leather couches around it, so that Publius was sitting opposite Bersika. What drew the young Roman’s attention to her was not so much her lovely figure as her straw-blonde hair and her blue eyes, which *fought inscrutably against him. How did the girl get her Nordic appearance, he asked himself secretly. She sat silently opposite him, her eyes fixed on him. Meanwhile, he had to tell about his sea voyage, which distracted him a little. He was glad to be allowed to break his silence. After they had drunk a cup of Spanish wine, the meal was served. A wonderfully prepared roasted antelope, enriched with unknown fruits, was steaming in a large silver bowl. Harso told Publius to eat generously. He didn’t need to be told twice and reached for a cut piece of meat that was wrapped in a lettuce leaf so that he didn’t have to get his fingers dirty. The girl ate little. Every time Publius looked up, her eyes looked at him spellbound, causing a wave of hot blood to shoot into his head.

“Bersika, you haven’t said anything this evening. You’re not usually so quiet,” the mother said to her daughter in surprise.

“Oh, nothing, Mata, nothing. I’m just so terribly tired,” the silent one said. And to make what she had said more credible, she got up from her leather seat. “Thank you for the food and good night to everyone. Tanith protect you.” Everyone was given a short nod, first the father, then the mother. A profound look seemed to hit Publius’ heart and tear the young Roman out of reality for a moment. It was as if he were deep in a golden, warm stream of bliss. For a while, he stared at the curtain behind which Bersika had disappeared.

“Well, how do you like it here?” Harso tore him out of his reverie. “Heavenly!” he exclaimed enthusiastically, then as if coming to his senses. “You are so kind to me, Harso! Thank you, I like it very much. Thank you!” After they had chatted for a while, Harso asked his wife to show the guest his bedroom. They had all become tired from the conversation and the heavy wine. Publius walked out of the room at Mata’s side, while Harso looked after them thoughtfully. They climbed a narrow staircase and entered a narrow corridor, at the end of which a colourful curtain hung down. That was where he was supposed to rest.

“Sleep well and dream sweetly, my dear Publius,” the housewife said goodbye motherly. “Let’s hope that we will soon experience more peaceful times. Strife and discord eat away at the heart and make you sick. Believe me,” she concluded her speech, “the Carthaginians only want their peace and quiet. Their desire for conquest has completely disappeared since Hannibal.” She had spoken to him as if Publius, as a person with Roman citizenship, influenced political events. At least that’s how it seemed to him. Embarrassed, he searched for a suitable answer, then said, “It will turn out well for all of us. Good night!”

Karthago von Peter Klopp ©

Publius lernt Bersika kennen

Laut bellend, kam ein schwarz-weiß gefleckter Wüstenhund aus dem Dunkel hervorgeschossen und verstummte sofort, als er seinen Herrn erkannt hatte. Alsbald regte sich emsiges Leben in der Vorhalle des Landhauses. Sklaven zündeten Fackeln an, andere öffneten das große Portal. Und als Harso und Publius die Treppen hinaufstiegen,  standen auch schon die Hausfrau und Bersika, die 19-jährige Tochter, bereit, die Heimkehrenden zu empfangen. Im Schein der Fackeln leuchtete ein großartiger Teppich, in dem herrliche Farben eingewoben waren. Dieser führte ins Hausinnere. 

“Dies ist also unser römischer Gast”, begann so die gültig dreinblickende Hausmutter. Wir hoffen, dass du dich bei uns wohlfühlst. Du hast sicher guten Appetit von der See mitgebracht. Das Abendessen ist auch schon gedeckt. Überwältigt von der unerwarteten Herzlichkeit und Wärme, mit der er empfangen wurde, schwieg Publius nur und nickte. Der Speisesaal, den sie nun betraten, war reich und doch schlicht zugleich ausgestattet, wie er es von seiner Vaters Werkstattwohnung gewohnt war. Jedoch waren die Wände mit seltenen Edelhölzern verkleidet. An den mannigfaltig gezierten Holzsäulen waren langsam abbrennende Fackeln befestigt, die den Raum mit gleichmäßigem Licht versorgten. Am anderen Ende befand sich ein weiterer Eingang, den offensichtlich die Bediensteten zu nehmen pflegten, um das Essen hereinzutragen. Von dort kam ein verlockender Bratenduft, der Publius Hungergefühl noch steigerte und ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Die Mitte füllte ein großer Eichentisch aus, in dem eine geschliffene Marmorplatte eingelassen war. Um diesen ließen sie sich auf ledernen Liegen nieder, und zwar so, dass Publius Bersika gegenüberzusitzen kam. Was die Aufmerksamkeit des jungen Römers auf sie lenke, war weniger ihre liebliche Gestalt als vielmehr ihr strohblondes Haar und ihre blauen Augen, die ihm unergründlich entgegen streiten. Wie kommt das Mädchen zu ihrem nordischen Aussehen, stellte er sich insgeheim die Frage. Stumm saß sie ihm gegenüber, nur die Augen auf ihn gerichtet. Währenddessen musste er von seiner Seereise berichten, was ihn ein wenig ablenkte. Er war froh, sein Schweigen brechen zu dürfen. Nachdem sie einen Becher spanischen Wein getrunken hatten, wurde das Essen serviert. Ein herrlich zu gerichteter Antilopenbraten, mit unbekannten Früchten bereichert, dampfte in einer großen Silberschale. Harso sprach Publius zu, er solle nur kräftig zulangen. Das ließ er sich auch nicht zweimal sagen und griff nach einem zugeschnittenen Fleischstück, das von einem Salatblatt eingehüllt war, damit man sich nicht die Finger zu beschmutzen brauchte. Das Mädchen aß wenig. Jedes Mal, wenn Publius aufblickte, schauten ihn ihre Augen gebannt an und ließen eine Welle heißen Blutes in seinen Kopf schießen. 

“Bersika, du hast ja heute Abend noch gar nichts gesagt. Du bist doch sonst nicht so schweigsam”, wandte sich die Mutter verwundert an ihre Tochter. 

“Ach nichts, Mata, nichts. Ich bin nur so schrecklich müde”, brachte die Schweigsame vor. Und um das Gesagte glaubhaft zu machen, erhob sie sich von ihrem Ledersitz.  

“Ich danke für die Speise und sage allen eine gute Nacht. Tanith behüte euch.” Jeder wurde mit einem kurzen Kopfnicken bedacht, erst der Vater, dann die Mutter. Ein tiefer Blick schien gleichsam Publius Herz zu treffen und für einen Augenblick den jungen Römer aus der Wirklichkeit zu reißen. Es war ihm, als ob er tief in einem goldenen, warmen Strom der Seligkeit wäre. Eine Weile noch starrte er auf den Vorhang, hinter dem Bersika verschwunden war. 

“Nun, wie gefällt es dir bei uns?”, riss ihn Harso aus seiner Verträumtheit. 

“Himmlisch!”, rief er begeistert, dann wie sich besinnend. “Du bist so gütig zu mir, Harso! Danke, es gefällt mir sehr. Danke!”  Nachdem sie noch eine Weile geplaudert hatten, bat Harso seine Frau, dem Gast seine Schlafkammer zu zeigen. Denn sie waren alle durch das Gespräch und den schweren Wein müde geworden. Publius ging an Matas Seite zum Zimmer hinaus, während Harso ihnen nachdenklich nachsah. Sie stiegen eine schmale Treppe hinauf und betraten einen schmalen Gang, an dessen Ende ein farbenfroher Vorhang herabhing. Dort sollte er also ruhen. 

“Schlaf schön und träume süß, mein lieber Publius”, verabschiedete sich mütterlich die Hausfrau. “Hoffen wir, dass wir bald friedlichere Zeiten erleben. Hader und Zwist zehren am Herzen und machen krank. Glaube mir”, beendete sie ihre Rede, “die Karthager wünschen nur ihren Frieden und ihre Ruhe. Die Eroberungslust ist ihnen seit Hannibal gründlich vergangen”. Sie hatte zu ihm gesprochen, als ob Publius als Mensch mit römischem Bürgerrecht Einfluss auf das politische Geschehen gehabt hätte. So kam es ihm wenigstens vor. Verlegen sucht er nach einer passenden Antwort, sagte dann, “Es wird sich für uns alle zum Guten wenden. Gute Nacht!”