Autumnal Pleasures
A Leisurely Walk in and around Fauquier, BC, October 26
Wordless, because I am Speechless Part II











In der vatikanischen Spruchsammlung stehen die Worte von Epikur: „Wir wollen am Unglück unserer Freunde teilnehmen nicht durch Klagen, sondern durch Fürsorge.”
In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die Hilfe brauchen. Es können gesunde oder kranke Menschen, Kinder oder Alte sein. Sie alle haben Anspruch auf Hilfe, ganz gleich von welcher Seite sie gebracht wird. Sind es die Eltern, die ihr krankes oder behindertes Kind betreuen, oder sind es Kinder, die ihre Eltern oder Großeltern pflegen.
Neben den nächsten Angehörigen ist natürlich auch die Gesellschaft in der Pflicht. Pflegeeinrichtungen, Seniorenheime, diakonische Einrichtungen bemühen sich um Hilfe für Bedürftige. Dabei ist es wichtig, dass auch kranke und pflegebedürftige Menschen einen Anspruch auf Selbstbestimmung haben. „Ohne ihre Mitarbeit dauern Heilungsprozesse länger”, schreibt Cornelia Coenen-Marx (in Möllering und Behlau). Deshalb sollte ein Kranker nicht nur behandelt, sondern auch gefragt werden, was er möchte und braucht. „Gute Pflege heißt, sich auf den anderen einzulassen, ja, sich ein Stück weit von ihm führen zu lassen. Es kommt darauf an, dass wir genau hinsehen und hinhören und erst dann antworten und Verantwortung übernehmen … Dass wir in den Dienst des Anderen treten und er unser ,Lehrmeister’ wird.“ Dies geht am besten „auf Augenhöhe“: Die Mutter hockt sich vor dem Kinde hin, der Pfleger rückt den Stuhl an den Sessel des alten Menschen, der Arzt setzt sich für einen Moment auf die Bettkante des Kranken. „Diese Nähe ist unersetzlich“, mahnt Coenen-Marx, „wenn Hilfe ankommen soll.“ Deshalb kann man Fürsorge auch nicht ganz an Institutionen delegieren.
Doch Fürsorge erfordert Kraft und kann sie auch aufzehren. „Wer sich auf die Sorgen anderer einlässt, wer Kranke pflegt und Kinder erzieht, muss auch für sich selber sorgen können. Das gilt besonders für Frauen, die auf ihre Kräfte achten müssen, um nicht auszubrennen … Wer mit sich selbst schlecht umgeht, kann dem Anderen nicht gut sein.“ Dies erfordert die Ehrfurcht vor dem Leben des Mitmenschen wie vor dem eigenen Leben.





„Ehrlichkeit”, stellt Angelika Obert (in Möllering und Behlau) fest, „die uns im Alltag erfreut und manchmal auch schmerzt, gehört nicht zu den großen Begriffen, mit denen sich Philosophen immer beschäftigen.” Eine Ausnahme macht auch diesbezüglich vielleicht Albert Schweitzer, der in seiner Kulturphilosophie schreibt: „Und wirklich, wie viel wäre gewonnen, wenn wir an Lauterkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit das betätigen wollten, was gemeinhin als das Rechte gilt.”
Das Wort „Ehrlichkeit” leitet sich ursprünglich von „Ehre” ab. Wer als Persönlichkeit Ansehen genoss, galt als ehrlich. Noch heute kennen wir Ehrenbürger, Ehrenpräsidenten, Ehrenmitglieder, Ehrenjungfrauen, aber ehrliche Finder oder „ehrliche” Sünder sind weniger bekannt. „Ehrenerklärungen” und „Ehrenworte” sind zuweilen nichts wert, wenn sie nur Lügen von Prominenten verbergen. Andererseits gelten ehrliche Menschen mitunter auch als ein wenig „dumm”, wenn sie aufrichtig, offenherzig etwas tun oder sagen, was ihnen keine Vorteile bringt oder ihre Schwächen andeutet. Man wird sehr oft schon dazu erzogen, sich möglichst vorteilhaft darzustellen und als mehr zu scheinen als zu sein. Das ehrliche Gegenteil hieße dann: „Mehr sein als scheinen.” „Doch noch wichtiger als jedes Ei, das man legt, ist das Gegacker”, schreibt Angelika Obert, so wie in der freien Wirtschaft die Werbung wichtiger sei als das Produkt. „Sich selbst zu bewerben, mit allen Tricks vorteilhaft zu erscheinen, gilt nicht als unehrlich. Es ist vielmehr geboten. Aber natürlich bleibt die Wahrheit auf der Strecke”, stellt Angelika Obert fest. „Nun hat es der Zwang zur gesellschaftlichen Anpassung und die damit verbundene Heuchelei allerdings immer gegeben. Jede Zeit hat ihre eigene Verlogenheit. Es ist nicht der Mangel an Moral und Sitte, der so genannte Werteverfall, der das Lügen salonfähig macht. Nein, gelogen wird immer im Namen der herrschenden Werte … Heute sind es die Werte des freien Marktes, die der Ehrlichkeit Grenzen setzen.”
Ehrlich zu sein erfordert in jeder Gesellschaft Mut und Charakter. Das trifft aber nicht nur für die Gesellschaft der Großen, sondern ebenso für die „kleinste Zelle” der Gesellschaft, die Familie, zu. Gerade hier vertraut man auf die Ehrlichkeit gegenüber dem Partner, den Kindern, den Eltern. Unehrlichkeit schmerzt hier am meisten. Manchmal erscheint es sogar leichter, einem Fremden sein Herz zu öffnen als einem der Nächsten. Aber wer will einem Arbeitslosen verdenken, der so tut als ginge er zur Arbeit, weil er sich seiner Arbeitslosigkeit schämt?! Es ist doch keine Schande, in dieser Gesellschaft seinen Arbeitsplatz zu verlieren; wäre es nicht richtiger, wenn sich die Gesellschaft für dieses Grundübel schämte? Wie im Falle des Arbeitslosen sollte man deshalb Verständnis zeigen für dessen Unehrlichkeit. Ebenso sollte man auch stets bei der Ver- oder Beurteilung einer Unehrlichkeit eines Menschen den „Balken im eigenen Auge” beachten, bevor man den „Splitter im Augen des Anderen” verurteilt. Man bedenke die Worte Georg Büchners: „Es ist keine Kunst, ein ehrlicher Mann zu sein, wenn man täglich Suppe, Gemüse und Fleisch zu essen hat.”
Two weeks ago I showcased all the flowers that were still blooming in our yard. They have all succumbed to two nights of frost. But with the frost also came the fall colours in our valley, which on a sunny day bring cheer and joy to our hearts. I captured these precious moments on my way from Fauquier to Nakusp. Enjoy.






Ist das Wort ,Ehrfurcht’ ein Fremdwort? Um unsere Umgangssprache zu verstehen, muss man wissen, was job, facebook, highlight und event bedeuten, aber kaum noch, was das schöne Wort ,Ehrfurcht’ meint. Dabei würde es doch viel bewirken, wenn wir es in Wort und Tat ein wenig mehr gebräuchten.
Im Brockhaus wird die Ehrfurcht mit „höchster Wertschätzung” erklärt und dabei auch auf Albert Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben als einem Grundprinzip des Sittlichen verwiesen. Albert Schweitzer fand diesen Begriff nach langem Nachdenken über eine umfassende und verständliche Kennzeichnung des Ethischen in der Kultur an einem Septemberabend des Jahres 1915 auf dem Ogowefluss im heutigen Gabun. Was die Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet, hat er in seinem umfangreichen philosophischen Werk begründet und als wahrer Christenmensch auch vorgelebt.
Ehrfurcht ist mehr als Achtung oder Respekt, obwohl das Wort im Englischen mit „respect” übersetzt worden ist. Das Wort Ehrfurcht besteht aus den Wörtern „Ehre” und „Furcht”, doch das Wort „Furcht” soll nicht als Angst, sondern als Mahnung verstanden werden, Achtung demjenigen gegenüber, dem Ehre gebührt. Schon Marie von Ebner-Eschenbach betonte: „Die wahre Ehrfurcht geht niemals aus Furcht hervor.” Ehrfurcht erwächst aus Erkenntnis, führt zu innerer Ergriffenheit und mündet in persönliche Demut: Ich lerne das Wunderbare einer lebenden Zelle, eines Organismus, eines Lebewesens, einer Persönlichkeit kennen, ich verstehe Naturgesetze, ich erblicke, erlebe und verstehe eine wissenschaftliche, künstlerische oder rein menschliche Leistung oder Tat – und bin ergriffen. Schließlich verneige ich mich demütig vor dem, was Geist und Natur geschaffen haben und was auch als Schöpfung verstanden werden kann. Hier sei an ein Wort Albert Einsteins erinnert, der sagte: „Das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, der Manifestation tiefster Vernunft und leuchtendster Schönheit, die unserer Vernunft nur in ihren primitivsten Formen zugänglich sind, dieses Wissen und Fühlen macht wahre Religiosität aus; in diesem Sinne und nur in diesem Sinne gehöre ich zu den tief religiösen Menschen.”
Diese Haltung höchster Wertschätzung hilft mir, ehrfürchtig vor dem Leben zu handeln, es zu fördern und auf seinen höchsten Wert zu bringen, wie Schweitzer es einst beschrieb. Sie hilft mir aber auch zu vermeiden, Leben zu hemmen, es gedankenlos, sinnlos, aus Hass, Machtstreben oder Habgier zu schädigen oder gar zu vernichten.
„Ungern entschließt sich der Mensch zur Ehrfurcht”, stellte Johann Wolfgang von Goethe in „Wilhelm Meisters Wanderjahre” fest. Wohl auch deshalb ist dieses bedeutende Wort heute so rar. Denn Ehrfurcht zeigt sich nämlich auch daran, dass ich nicht alles in Besitz nehmen will, sondern bescheiden bleibe und verzichten kann. So verleiht Ehrfurcht dem Menschen, der sie übt, Würde. Sie gebietet aber ebenso nicht nur Achtung vor den so genannten „Großen” der Welt, sofern sie sie verdienen, sondern vor allem gegenüber den so genannten „Kleinen”, also den Armen, Kranken, Verfolgten, Ausgestoßenen, Geschmähten, Hilflosen. Ehrfurcht hat überhaupt nichts mit „Kriecherei” zu tun, wohl aber mit respektvoller Höflichkeit. Ehrfurcht verlangt auch nicht, gegenüber Mitmenschen unkritisch zu sein, wohl aber bei aller Kritik niemals zu verletzen.
Menschen und menschliche Gesellschaften brauchen Ehrfurcht voreinander, um eine Kultur des Miteinanders zu schaffen, eines Miteinanders von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk, aber ebenso von Mensch und Tier, von Mensch und Pflanze, von Mensch und Natur und Umwelt.
Ehrfurcht sollte man aber nicht nur gegenüber anderem Leben, sondern ebenso gegenüber dem eigenen Leben wahren. Das bedeutet, gesund zu leben und alles zu vermeiden, was körperlichem, geistigem und seelischem Wohlbefinden schadet. Ehrfurcht vor dem Leben ist an keine Glaubensrichtung gebunden und berührt unser aller Dasein. Sie bestimmt sowohl die Menschenrechte wie das Recht auf Frieden, Freiheit, Nahrung, Bildung, Arbeit, Fürsorge und Wohnung, als auch die Pflicht zum Tier-, Natur- und Umweltschutz. Sie verbietet die Anwendung von Gewalt jeglicher Art sowie von Hass und Lüge.
„Der Gang der Geschichte der Menschheit bringt es mit sich, dass nicht nur die Einzelnen durch die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben ethische Persönlichkeiten werden können, sondern auch die Völker”, schrieb Albert Schweitzer. Eben deshalb mündete die von der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahr 1992 in Rio de Janeiro verfasste Erd-Charta in die Worte: „Lasst uns eine Zeit gestalten, dass man sich an sie erinnern wird als eine Zeit, in der eine neue Ehrfurcht vor dem Leben erwachte.”