Albert Schweitzer – Seminar #16

Die Geschichte vom „Tierheim“ in Lambarene

Albert Schweitzer liebte nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere und die Pflanzen. Ihm war alles Leben heilig. Kein Wunder, dass er sich in seinem Krankenhaus nicht nur um kranke Menschen, sondern auch um kranke Tiere kümmerte. Bei ihren Arbeiten im Urwald, am Fluss oder im Gemüsegarten fanden die Leute oftmals kranke oder verlassene Tiere. Sie hatten vom Doktor gelernt, dass man solchen Tieren helfen muss und sie nicht im Stich lassen darf. Einmal brachten die Männer, die im Wald gearbeitet hatten, eine kleine Antilope an. die ihre Mutter verloren hatte. Antilopen sehen aus wie Rehe. Alberts Helferin Emma Hausknecht nahm eine Babyflasche, füllte Büchsenmilch hinein und gab sie der kleinen Antilope zum Trinken. So wuchs das Tier heran und war so zahm, dass sie den Menschen aus der Hand fraß. Sie ging auch in das Arbeitszimmer des Doktors und knabberte dort das Schreibpapier an. Deshalb musste er die beschriebenen Seiten an einen Nagel an der Wand aufhängen. Einmal hatte die kleine Antilope sogar alle seine Briefmarken aufgefressen, die auf dem Tisch gelegen hatten.

Ein anderes Mal grunzte es plötzlich vor dem Doktorhaus. Als Albert Schweitzer heraus sah, erblickte er eine Frau mit einem kleinen Wildschein auf dem Arm. Sie wollte es dem Doktor verkaufen, weil sie Geld brauchte.

Dem Doktor taten sowohl die Frau als auch das Schweinchen leid, und so kaufte er es der Frau ab. Seiner Frau Helene gefiel das ganz und gar nicht. Schließlich gab es schon genug zu tun im Hospital. Aber Albert baute einen kleinen Käfig, sperrte das Schwein dort ein und ging zu seinen Kranken. Als er zurückkam, war das Schwein verschwunden. Es hatte sich unter dem Zaun des Käfigs durchgewühlt, war zum Doktorhaus gelaufen und hatte sich gemütlich vor die Tür gelegt. Es sah den Doktor freundlich an, als wollte es zu ihm sagen: „Hier bin ich wieder. Du brauchst mich nicht einzusperren, ich laufe dir nicht weg!“ Albert ließ es auch laufen und gab ihm den Namen Josephine. Das Tier war ein richtiger kleiner Schlingel. Einmal hatte es sich im Schlamm gewälzt. Dann rannte es in die Kirche, wo gerade Gottesdienst war. Es drängte sich zwischen die Reihen und beschmierte alle Kleider und Hosen der Gläubigen mit seinem Schlamm. Dann legte es sich hin und schlief einfach ein.

Ein anderes Tier war ein Pelikan. Er war verletzt und musste am Flügel operiert werden. Auch er war für die Hilfe dankbar, fühlte sich im Hospital wohl und flog nicht mehr weg, nachdem er wieder gesund geworden war. Er war auch ein kleiner Schlingel, denn er zwickte mit seinem langen Schnabel andere Tiere, aber auch die Menschen in die Beine. Über ihn hat Albert Schweitzer ein kleines Buch geschrieben. Es heißt: „Ein Pelikan erzählt aus seinem Leben“. Aus diesem Buch werden wir später vorlesen. So kamen mit der Zeit noch viele andere Tiere in das Hospital. Es waren Affen, Papageien, Hunde, Katzen, Schafe, Igel und Eulen. Lambarene war nicht ein Krankenhaus für Menschen, sondern eigentlich auch ein kleines Tierheim. Jedes Tier bekam einen „Paten“, der sich um sein Wohl kümmerte, es fütterte und beaufsichtigte. Albert Schweitzer sagte immer: „Tierschutz erzieht zur Menschlichkeit“.

7 comments

  1. Stella, oh, Stella · February 25, 2019

    Das ist nämlich richtig! Das mit den Tieren wusste ich noch nicht, das haben andere Berichterstatter anscheinend nicht als wichtig angesehen. Aber es zeigt die Herzensgrösse, die dieser Mann besass!

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  2. kopfundgestalt · February 25, 2019

    Bewegende Erzählungen. 🙂

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  3. Ulli · February 27, 2019

    Diese Seite war mir bislang noch unbekannt. Aber wundern tut es mich auch nicht wirklich. Wer das Leben liebt, liebt alle Lebewesen!
    herzliche Grüße
    Ulli

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    • Peter Klopp · February 27, 2019

      Ja, mein Vetter, von dem diese Artikel stammen, betont immer wieder Schweitzers Respekt vor allem Leben. Vielen Dank, liebe Ulli!

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  4. Amy · March 2, 2019

    Ich liebe Josephine!

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  5. renesternke · June 16, 2019

    Lieber Peter,
    Tierschutz erzieht zur Menschlichkeit. Diese Worte sind mir aus dem Herzen gesprochen.
    Unterschreibe und verbreite bitte die Petiton: Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!
    Viele Grüße an Gertrud und Dich
    René
    https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

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