Albert Schweitzer – Seminar #21

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Ein Pelikan erzählt aus seinem Leben

Albert Schweitzer erzählt von Afrika und von den Afrikanern

Ich bin ein schöner Pelikan und habe viel erlebt. Davon möchte ich euch etwas erzählen. Als ich ganz klein war, saß ich mit meinen zwei Brüdern in einem Nest ganz oben auf einem Baum. Wir drei Jungen hatten immer Hunger. Wenn unsere Eltern angeflogen kamen, sperrten wir unsere Schnäbel weit auf. Dann steckten sie uns kleine Fische in den Schnabel, die sie im Ogowe-Fluss für uns gefangen hatten. Solange wir in unserem Nest waren, ging es uns gut.

Eines Tages aber, als ein Sturm an den Bäumen rüttelte, fielen wir aus unserem Nest ins Wasser. Wir schwammen schnell auf eine rettende Sandbank. Noch bevor wir uns ein paar Fische selbst fangen konnten, kamen Afrikaner, verjagten unsere Eltern, banden uns die Füße zusammen und steckten uns in einen engen Korb. Wir hatten große Angst, weil wir nicht wussten, was sie mit uns vorhatten. Doch sie stiegen in ein Boot und fuhren auf dem Fluss davon. Schließlich kamen wir an einen Ort im Urwald, der am Ogowe lag. Dort standen viele kleine Häuser und liefen Leute hin und her. Aus einem dieser Häuser, die mit Palmenblättern bedeckt waren, trat ein großer Mann heraus, der einen weißen Kittel trug. Ihm wollten die schwarzen Leute uns verkaufen. Der Mann im weißen Kittel war der Urwalddoktor Albert Schweitzer. Der schimpfte mit den schwarzen Leuten: „Ihr habt die jungen Pelikanküken ihren Eltern weggenommen!“, sagte er. „Das ist eine Sünde! Was würdet ihr wohl sagen, wenn man euch den Eltern weggenommen hätte?“ Doch der Doktor hatte Mitleid mit uns drei Jungen, gab den schwarzen Leuten etwas Geld und nahm uns zu sich. Er wollte nicht, dass wir woanders verschachert werden würden oder vielleicht gar verhungerten.

Als die schwarzen Leute weggegangen waren, sagte der Doktor zu einer Pflegerin, die hinzugekommen war und Emma Haußknecht hieß: „Jetzt müssen wir die drei kleinen Pelikane füttern und ihnen eine Wohnung geben!“ Keiner wusste aber, welch großen Hunger wir hatten! Während der Doktor einen Stall aus Brettern baute, fing die Pflegerin für uns Fische, damit wir etwas zu fressen hatten. Eigentlich taten ihr die kleinen Fische leid, weil sie wegen uns sterben mussten. Aber wir wollten ja auch leben! Weit sperrten wir unsere Schnäbel auf und konnten nicht genug bekommen. Sogar große, dicke Karpfen schlangen wir herunter. Als wir endlich satt waren, setzte man uns in den neuen Stall, in dem trockene Blätter lagen. So konnten wir weich sitzen und gut schlafen. Der Doktor ermahnte Fräulein Emma noch: „Dass mir niemand die Pelikane anfasst außer ihnen! Man könnte sie verletzen oder sogar ihre Flügel brechen.“ In der Nacht schliefen wir herrlich und träumten von den kleinen Fischen und dem großen Doktor. Am nächsten Morgen weckten uns die aufgehende Sonne, die bellenden Hunde, die gackernden Hühner und die kreischenden Gänse – aber auch unser Hunger! Bald kam Fräulein Emma und fütterte uns wieder mit Fischen. Dabei schnappten wir mit unseren Schnäbeln so gierig zu. dass wir das Fräulein an der Hand verletzten und den Arm zerkratzten. Sie war uns aber nicht böse, denn sie wusste ja, dass wir das nicht mit Absicht taten.

Weil ich der Jüngste und Kleinste von uns drei Brüdern war, liebte mich der Doktor ganz besonders. Er und Fräulein Emma nahmen mich auch in Schutz, wenn mir meine Brüder die Fische wegfressen wollten. Ein anderes Fräulein, das man auch Doktor nannte, kam zu uns mit einem kleinen schwarzen Kästchen und sagte: „Das muss ich knipsen!“ Was das bedeutete, wussten wir natürlich nicht. Später zeigte man uns Bilder, auf denen ich zu sehen war. Wie das kleine Kästchen das gemacht hatte, habe ich nie erfahren. Könnt ihr euch, liebe Kinder, denken, was es mit dem schwarzen Kästchen auf sich hatte? Meine beiden Brüder waren viel größer als ich und konnten schon viel eher mit ihren Flügeln schlagen und auf ein Drahtgitter flattern. Dort oben fingen sie die Fische auf, die ihnen Fräulein Emma zuwarf. Ich konnte das noch nicht. Bald darauf flogen meine Brüder sogar schon zum Fluss hinunter und fingen ihre Fische selbst. Mir gelang das erst viel später. Doch von den paar Fischen, die ich dann fangen konnte, wurde ich nicht satt. Auch vom Wasser auffliegen, konnte ich noch lange nicht, weil ich zu schwach war. „Aller Anfang ist schwer“, tröstete mich der Doktor. Und eines Tages schaffte ich es doch, vom Wasser aufzufliegen. Das hatte der Doktor vom Ufer aus beobachtet und rief laut: “Bravo!“ Da war ich mächtig stolz. Nun konnte der Doktor beruhigt wieder in sein Haus gehen und musste sich nicht mehr um mich sorgen. Er hatte nämlich immer viel zu tun. Am Sonntagnachmittag schrieb er zum Beispiel gerne Briefe. Er antwortete auf jeden Brief, auch wenn er müde war und ihm sein rechter Arm wehtat.

Im Sommer herrscht in Afrika die Trockenzeit. Da gibt es keinen Regen und die Flüsse trocknen aus. Nur kleine Tümpel bleiben übrig. Das ist für die Fische schlecht, aber für die Pelikane gut. Die können nämlich nun leichter die Fische fangen. Deshalb kamen auch viele andere Pelikane angeflogen, um sich satt zu fressen. Sie hatten keine Angst vor den Menschen, denn sie waren wie ich früher einmal im Hospital aufgezogen und gut behandelt worden. Nun konnte ich auch schon mit den anderen großen Pelikanen hoch in der Luft fliegen. Wie schön konnte man über den weiten Urwald sehen!

Im Herbst flogen dann meine Brüder mit den anderen Pelikanen weg zu den großen Seen und Sümpfen. Aber ich blieb doch lieber bei meinem Doktor und dem Fräulein Emma. Das Hospital war mein Zuhause geworden und die freundlichen Menschen waren meine Familie. So ging es den anderen Tieren auch, den Äffchen und den Antilopen. Keiner wollte mehr weg. Ernähren konnte ich mich ja inzwischen selbst. Ab und zu bekam ich auch von den Fischern ein paar Happen zusätzlich. Ich ging auch nicht weg, wenn mir hübsche Pelikandamen vorschlugen, davon zu fliegen und gemeinsam auf einem hohen Baum ein Nest zu bauen und eine eigene Familie zu gründen. Ich saß lieber auf dem Sessel des Doktors als in einem Nest auf einem wackelnden Baum. Außerdem liebte ich den Doktor und die Tante Emma mehr als alle Pelikandamen zusammen.

Und schließlich war ich auch eine Respektsperson im Hospital geworden! Alle anderen Tiere hatten Achtung vor mir. Nur ein anderer Pelikan nicht, den man „Professor“ nannte, weil er einen Federschopf am Kopfe trug. Der wollte mich verdrängen und sich beim Doktor einschmeicheln. Einmal hatte der Doktor nur einen Fisch. Den gab er aber nicht mir, sondern dem „Professor“. Mir aber sagte er: „Man soll immer zuerst an die anderen denken und an sich selbst zuletzt! Für ein gutes Herz ist das Geben schöner als das Nehmen!“ So ganz glaubte ich dem Doktor das nicht. Aber ich bin ja kein Mensch, sondern nur ein kleiner Pelikan.

Man nannte mich den „Pelikan des Doktors“. Das war mehr als nur „Professor“! Alle Menschen waren deshalb auch freundlich zu mir. Mit den Ziegen und den Schafen verstand ich mich sehr gut. Auch mit den Hühnern und den Antilopen. Nur mit den Hunden nicht. Die wollten mich nämlich manchmal überfallen. Doch dann wehrte ich mich mit meinem langen Schnabel. Davor hatten sie doch Angst und liefen schnell davon.

Ehrlich gesagt: Manchmal war ich auch ein rechter Schlingel! Dann nahm ich mir zwei Pelikan-Kumpels und flog zu den Fischerfrauen, die am Ufer des Ogowe in einem Kahn saßen und Fische für die Küche putzten. Wir setzten uns ganz friedlich auf den Rand des Bootes und taten so, als ob uns die Fische überhaupt nicht interessierten. Plötzlich flatterten wir aber laut und kräftig mit unseren großen Flügeln, so dass die Frauen Angst bekamen und weggelaufen sind. Schnell stürzten wir uns auf die Fische und fraßen uns satt. Aber das konnte der Doktor gar nicht gut leiden. Er schimpfte sehr mit uns und nannte uns „kleine Spitzbuben“. Da haben wir uns doch geschämt.

Einmal hat uns der Doktor sogar das Leben gerettet, obwohl wir wieder einmal Fische gestohlen hatten. Diese Fische waren nicht einzeln, sondern zusammengebunden. Als ich einen Fisch herunterschlingen wollte, konnte ich das nicht, weil gleich der nächste Fisch hinterher kam. Fast wäre ich daran erstickt. Da kam der Doktor herbei, griff mit seinem Arm tief in meinen Hals und holte den Fisch wieder heraus. Dafür bin ich ihm noch heute dankbar. Wenn es Nacht war, saß ich oft auf einem Balken im Doktorhaus und hielt Wache. Wenn jemand zum Doktor wollte, fing ich an zu zischen. Das sollte eine Warnung sein. Wer diese Warnung nicht beachtete, erhielt von mir einen Schnabelhieb auf den Kopf. Doch dem Doktor war das gar nicht recht. Der war nämlich gegen Gewalt. Er brummte nur vor sich hin: „Lieber Pelikan, lieber Pelikan!“ Da wusste ich, dass ich etwas falsch gemacht hatte. Manchmal redete er auch nachts lange durch die Fensteröffnung mit mir, so wie er mit seinen Freunden sprach. Er machte keinen Unterschied zwischen den Menschen und zwischen Menschen und Tieren, auch wenn ihn manche nicht verstanden.

Nur mit dem Koch hatte ich manchmal Probleme. Ihm hatte der Doktor nämlich gesagt, dass er mir immer, wenn es Fisch gab, etwas zu fressen geben sollte. Doch das tat der Koch oft nicht und aß den Fisch lieber selbst. Deshalb habe ich ihn einmal so ins Bein gehackt, dass er auf den Tisch springen musste. Da habe ich doch laut gelacht.

Von den meisten Menschen habe ich mich immer etwas fern gehalten. Man wusste ja nie! Jedenfalls habe ich mich immer nur vom Doktor und von Fräulein Emma anfassen lassen. Die beiden kasperten dann immer richtig rum mit mir. Sie hielten mir den Schnabel zu, zogen mich an meinem langen Schnabel hinter sich her oder hielten mich auf dem Arm wie einstmals Hans im Glück seine Gans. Das machte mir mächtig Spaß!

So lebte ich im Urwaldhospital, wo nicht nur den Menschen, sondern auch den Tieren geholfen wird. Das ist noch heute so, weil Albert Schweitzer das so wollte und alle wissen, dass man im Frieden Zusammenleben kann, wenn alle Frieden wollen und sich achten.

Und wie denkt ihr darüber. Kinder?

Albert Schweitzer – Seminar #20

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Wie Albert Schweitzer sein Hospital zum zweiten Mal aufbaute

Sieben Jahre, nachdem Albert sein Hospital wegen des Krieges verlassen musste, konnte er wieder dorthin zurückkehren. Als er die Stelle betrat, wo einst sein Krankenhaus stand, war kaum noch etwas davon zu sehen. Überall wuchsen Gras, Sträucher und Bäume. So musste alle Arbeit von vorne beginnen. Sträucher und Bäume wurden gerodet, alte Baracken wurden repariert und ein Haus nach dem anderen neu erbaut. Insgesamt baute Albert Schweitzer mit seinen Helfern 75 Häuser in seinem immer größer werdenden Hospital. Das war auch notwendig, denn es kamen immer mehr Menschen aus allen Teilen des Landes Gabun, so hieß die frühere Kolonie jetzt, zu ihm und wollten geheilt werden.

Glücklicherweise war Albert Schweitzer nun nicht mehr allein. In vielen Ländern der Erde hatte man von ihm gehört. Auch seine Idee der Ehrfurcht vor dem Leben hat viele Herzen gewonnen. So kamen auch Ärzte und Krankenschwestern und -pfleger aus Europa und Amerika zu ihm, um ihm zu helfen. Ebenso spendeten viele Menschen der Welt Geld für Medikamente und Geräte, die das Hospital brauchte. Die Amerikaner nannten den Doktor Schweitzer „Mister Wellblech”. Seine Häuser und Baracken waren nämlich nicht mehr wie früher mit Palmenblättern, sondern mit Wellblech gedeckt. Das hatten die Amerikaner geschickt und das hielt natürlich viel besser den Regen ab.

Die Amerikaner waren es übrigens auch, die während des noch viel schrecklicheren Zweiten Weltkrieges Medikamente nach Lambarene schickten, sonst hätte das Albert-Schweitzer-Hospital erneut geschlossen werden müssen. Aus Europa konnten keine Schiffe mehr nach Lambarene gelangen. Die wurden alle von deutschen U-Booten versenkt.

In Amerika war Albert Schweitzer sehr bekannt und geachtet. Dafür hatte seine Frau Helene mit ihren Vorträgen gesorgt. Sie musste ja aus Deutschland fliehen, weil sie eine Jüdin war. Die Nazis haben alle Juden verfolgt und getötet. Die Nazis hatten keine Ehrfurcht vor dem Leben, sondern waren voller Hass auf alles, was anders war als sie. So sind die Neonazis noch heute. Wir aber wissen ja, wie gute Menschen auch die Juden sind, denn wir erinnern uns an den Juden Mausche, dem der kleine Albert in Gimsbach beigestanden hat.

Albert Schweitzer hat bis zu seinem 90. Lebensjahr in Lambarene gewirkt. Von dort aus hat er sich auch sehr für den Frieden in der Welt eingesetzt. Er rief die Politiker auf, das Wettrüsten zu beenden und die Atomversuche einzustellen. Weil er soviel in seinem Leben für die Menschen und für den Frieden geleistet hat, wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Man nannte ihn auch den „Dreizehnten Jünger Jesu“ und er wurde ein Vorbild für alle Menschen guten Willens. Er soll es auch für euch sein, liebe Kinder!

Im Jahr 1965 ist Albert Schweitzer gestorben. Doch sein Hospital besteht immer noch. Es ist sogar noch viel größer und moderner geworden. Jetzt arbeiten viele Afrikaner im Hospital, die Albert Schweitzer und seine weißen Ärzte ausgebildet haben. So hilft man den armen Ländern am besten.

Auch Albert Schweitzers Idee von der Ehrfurcht vor dem Leben wirkt weiter. Denn viele, viele Menschen helfen überall in der Welt Armen, Kranken und Verfolgten. Aber viele, viele Menschen auf der Welt tragen auch dazu bei, dass Frieden herrscht, dass unsere schöne Natur erhalten bleibt und dass Tiere und Pflanzen geschützt werden. Ihnen allen ist das Leben heilig. Das sollte auch weiter so bleiben. Vielleicht könnt auch Ihr dazu etwas beitragen. Ihr werdet sehen, welche Freude es euch bereitet. Es ist viel schöner als aller Reichtum der Welt, wenn man Gutes tun kann. Sucht euch jemanden, der Hilfe braucht. Sucht euch ein kleines Nebenamt.

Albert Schweitzer hat einmal gesagt:

“ Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht.”

Jeder kann sich ein kleines Lambarene schaffen. Und sucht euch Menschen, die so denken wie Albert Schweitzer dachte.

Als Albert Schweitzer gestorben war, waren alle Menschen in Lambarene und im ganzen Land traurig. Sie sagten: „Wir haben einen Vater verloren!“ Aber in ihren und in unseren Herzen lebt er ja weiter.

„Lambarene ist das Symbol meines Denkens.“ Albert Schweitzer

„Das Stückchen Erde, das er dem Urwald abgerungen hat, ist eben mehr als ein Spital, es ist ein Modell dessen, was sein könnte, wenn mehr Liebe und Güte in der Welt herrschen würden. Hier haben sich nun seit 1913 Menschen fast aller europäischen Nationen helfend betätigt. Hier gab es keine Verfol­gung aus rassischen und politischen Gründen, hier hat man alles Leben respektiert und zu erhalten gesucht.

Lambarene ist eine Arche inmitten der großen Sintflut, bewohnt von Schwarzen und Weißen, Protestanten, Katholiken, Juden, Heiden, Katzen und Hunden und Ziegen und zahmen Wildschweinen und Pelikanen und Menschenaffen und Antilopen. “ Robert Jungk

Albert Scheitzer – Seminar #18

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Die Geschichte vom Krieg, der Leid bringt und Gutes zerstört

Als Albert und Helene ihr kleines Hospital mit seinen Baracken. Wohnhäuschen und den Operationssaal endlich aufgebaut hatten und jeden Tag kranke Menschen behandeln konnten, brach in Europa ein großer Krieg aus. Später nannte man ihn den Ersten Weltkrieg. In diesem Krieg waren Deutsche und Franzosen nicht Freunde, wie das heute der Fall ist. Die Menschen wurden aufgehetzt, fühlten sich als Feinde und schossen einander tot. Krieg ist das Schlimmste, was den Menschen passieren kann. Deshalb muss man alles tun, um ihn zu verhindern.

Auch für Albert und Helene Schweitzer bedeutete dieser Krieg großes Leid, denn er zerstörte ihr ganzes Lebenswerk. Sie beide waren ja Deutsche. Aber das Land, in dem ihr Hospital stand, gehörte zu Frankreich. Für die Franzosen waren Albert und Helene Schweitzer nun auf einmal Feinde, obwohl sie nichts Böses getan hatten. Im Gegenteil: Sie hatten nun wirklich das Beste getan, was ein Mensch überhaupt tun kann, nämlich anderen Menschen helfen, gesund zu werden. So widersinnig ist eben der Krieg. Jedenfalls befahl ein französischer General, dass die Schweitzers in ihrem selbst erbauten Hospital nicht mehr arbeiten durften. Sie wurden in ihr Doktorhaus eingesperrt und durften es nicht mehr verlassen. Vor dem Haus stand ein Soldat mit einem Gewehr Wache. Der arme Kerl stand während des ganzen Tages in der prallen Sonne und passte auf, dass niemand das Haus verließ. Das tat Albert Schweitzer leid. Er nahm sich ein paar Bretter, eine Säge, Hammer und Nägel und baute ein kleines Wachhäuschen. Das stellte er vor die Tür des Hauses, in dem er eingesperrt war. Dann sagte er dem Soldaten, er solle sich doch hineinstellen, was er auch tat. So war er wenigstens vor der Sonne und dem Regen geschützt. Der einfache Soldat konnte ja ebenso wenig etwas für den Krieg wie Albert Schweitzer und beide waren Menschen, die sich von Natur aus nicht böse waren.

Inzwischen hatten aber die Kranken im Hospital und ihre Familienange­hörigen darüber geklagt, dass sie nicht mehr vom Doktor und seiner Frau behandelt werden durften. Daraufhin ließ der General die beiden Schweitzers doch wieder zu den Kranken.

Doch eines Tages mussten sie doch noch ihre Sachen packen. Der Krieg in Europa war immer schrecklicher geworden. Millionen Menschen waren schon getötet worden und der Hass zwischen den Ländern wurde immer stärker. Albert und Helene Schweitzer wurden als Gefangene auf ein Schiff gebracht und nach Frankreich transportiert. Dort kamen sie in ein großes Gefangenenlager, wo sie hungerten und froren. Beide wurden sehr krank.

Erst als der Krieg zu Ende war, wurden Albert und Helene Schweitzer freigelassen und konnten wieder in ihr Heimatdorf zurückkehren. Dort erfuhren sie, dass Alberts Mutter gestorben war. Sie wurde von deutschen Soldatenpferden umgerannt und hatte sich dabei so schwer verletzt, dass sie starb. Auch Alberts Vater hatte durch den Krieg sehr gelitten und war krank. Das alles war sehr traurig für Albert und Helene. Denn außer ihrem Kummer im Gefangenenlager und im Heimatdorf war nun ihr mühsam erbautes Urwaldhospital ohne Arzt und Schwester. Kein Mensch konnte sich mehr um die Kranken kümmern. Lange würde das Hospital sicher nicht bestehen können.

Wir merken uns:

Krieg ist etwas ganz Böses. In ihm werden unschuldige Menschen getötet oder verletzt und es wird zerstört, was fleißige Menschen vorher geschaffen haben. Jeder Mensch muss deshalb etwas für den Frieden tun und gegen den Krieg sein. Denn es heißt zu Recht: Du sollst nicht töten!

Albert Schweitzer hat gezeigt, dass man auch seine Feinde lieben soll. Sie wissen nämlich oft nicht, was sie tun.

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Albert Schweitzer – Seminar #19

Wie Albert Schweitzer wieder nach Lambarene zurückkehrte

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Als sich Albert Schweitzer von der Gefangenschaft etwas erholt hatte, arbeitete er wieder als Pfarrer und als Arzt in Straßburg. Das ist die Stadt, in der er früher studiert und danach auch schon gepredigt hatte. In dieser Zeit wurde seine Tochter Rhena geboren. Ihr Name kommt vom Fluss Rhein. An ihm hatten sich Albert und Helene als junge Menschen ewige Freundschaft gelobt. Rhena ist später auch nach Lambarene gegangen und hat ihrem Vater geholfen.

Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer und Arzt schrieb Albert viele Bücher. Eines trägt den Titel „Zwischen Wasser und Urwald”. Darin erzählt er, was er so alles in Lambarene in seinem Hospital und im Urwald erlebt hat. Auch wir werden einige Geschichten daraus vorlesen. Aber zuerst wollen wir sehen, wie es weiterging mit Albert und Helene. Albert gab neben seinen genannten Arbeiten noch Orgelkonzerte und hielt interessante Vorträge.

Aber er war immer noch sehr traurig, dass er sein Hospital in Lambarene verlassen musste. Es ging ihm nicht nur um die Häuser, die nun verfielen, weil Regen und Sturm sie beschädigten und niemand mehr da war, der sie reparierte. Vor allem ging es ihm um die kranken Menschen, um die sich nun keiner mehr kümmerte. Sie mussten leiden und sterben, weil kein Arzt ihnen half. Das alles nur wegen dieses bösen Krieges.

Da bekam Albert Schweitzer eines Tages einen freundlichen Brief von einem schwedischen Bischof. Der hieß Nathan Söderblom. Er war ein guter Mensch und wollte Albert Schweitzer helfen. Er lud ihn ein, in die Stadt Uppsala zu kommen und dort vor Studenten Vorträge zu halten. Er sollte von seiner Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben sprechen, die dem Bischof so sehr gefiel. Gerne ist Albert der Einladung gefolgt und reiste mit seiner Frau Helene nach Schweden, wo er nicht nur Vorträge hielt, sondern auch Orgelkonzerte gab. Das war für ihn eine solche Freude, dass er wieder Lust bekam, nach Lambarene zurückzukehren. Ein wenig Geld hatte er sich ja inzwischen wieder verdient. Außerdem begannen auch seine Freunde in Deutschland, Frankreich und in anderen Ländern, für ihn Geld zu sammeln, damit er in Afrika Wiederbeginnen konnte.

So sagte er eines Tages zu seiner lieben Helene: „Wir haben wieder so viel Geld, dass wir in Lambarene ein neues Hospital bauen können.“ Helene freute sich darüber sehr, war aber auch etwas traurig. „Leider werde ich dich nicht begleiten und dir wieder helfen können“, antwortete sie. „Denn erstens werde ich mich um unsere kleine Rhena kümmern müssen und zweitens fühle ich mich noch sehr schwach.“ Helene hatte nämlich früher eine schlimme Lungenkrankheit bekommen, die Tuberkulose heißt. Sie war zwar von dieser Krankheit wieder geheilt, aber doch noch immer sehr geschwächt. Einen erneuten Aufenthalt im heißen Afrika konnte sie leider nicht auf sich nehmen. Das tat auch Albert sehr leid. Er wollte ja seine Helene auch nicht allein lassen. Sie war immer sein bester Kamerad, wie er sagte. Was sollte er nur tun?!

So musste er sich schweren Herzens entschließen, alleine nach Afrika zurückzukehren, wo viele, viele kranke Menschen auf seine Hilfe warteten. Und wieder dachte er dabei an Jesus, der ihm gesagt hatte: „Du aber folge mir nach!“

Wir merken uns:

Auch wenn man im Leben Schaden erleidet, soll man nicht aufgeben. Man soll auch nie aufhören, Gutes zu tun, und nie die Hoffnung aufgeben. Sonst verliert man alle Kraft. Albert Schweitzer hat einmal gesagt: „Es ist soviel Kraft in der Welt, wie Hoffnung in ihr ist.“

Albert Schweitzer – Seminar #15

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Wie Albert Schweitzer einem Kranken erklärt, warum er nach Lambarene kam

Als alle Bretter und Pfähle aus dem Sägewerk angekommen waren, konnte der Bau der Baracken beginnen. Dazu wurden Flächen eingeebnet und glatt geharkt. Dann zog der Doktor lange Striche in den Boden, wo die Baracken stehen sollten. Zuerst wurden Pfähle eingegraben, auf denen die Häuschen stehen sollten. Beim Ausgraben der Löcher für die Pfähle achtete Albert darauf, dass keine Käfer oder Würmer hineingefallen waren. Wenn das doch passiert war, kniete er sich hin und hob die Tierchen aus dem Loch, damit sie nicht sterben mussten. Die Pfähle waren für die Häuser wichtig, damit beim Regen nicht das Wasser in die Räume floss und damit auch keine Schlangen hineinkriechen konnten. In den Räumen wurden breite Betten aufgestellt, welche die Angehörigen für ihre Kranken bauen mussten. Auch hierfür hat ihnen Albert Schweitzer alles gezeigt. Dabei hat er sich an die Tischler in seinem Heimatdorf Günsbach erinnert, denen er als Kind immer bei der Arbeit zugesehen hatte. In den Betten lag trockenes Gras, das als Matratze diente.

Da sie keine Dachziegeln hatten, deckten sie die Dächer mit Palmenblättern ab. Auch sie hielten den Regen ab und spendeten Schatten. Glasfenster gab es nicht, sondern nur offene Türen, durch die die Luft hindurchziehen konnte. Dann war es nicht zu heiß.

Es gab auch einen großen Raum in einer Baracke. Der diente als Operationssaal. Nun hatten Albert, Helene und Joseph genügend Platz zum Operieren. Aber sie hatten noch kein elektrisches Licht, sondern mussten sich mit Öllampen begnügen. Das erschwerte ihre Arbeit sehr, denn man konnte nur schlecht sehen.

Einmal wurde ein kranker Mann in das Hospital gebracht. Er hatte einen eingeklemmten Bruch am Bauch. Seine Bauchwand war aufgerissen und der Darm trat hervor. Das schmerzte sehr und der Mann stöhnte und weinte. Albert legte ihm die Hand auf die Stirn und tröstete ihn: „Du brauchst keine Angst zu haben. Du wirst gleich einschlafen und wenn du wieder aufwachst, hast du keine Schmerzen mehr!“ Der Kranke wurde auf den Operationstisch gelegt, und Helene gab ihm die Narkose. So schlief er schnell und fest ein. Dann reichte Joseph dem Doktor das Operationsmesser, mit dem er den Bauch aufschnitt und den eingeklemmten Darm wieder in die Bauchhöhle drückte.

Schließlich nähte er die Bauchwand wieder zu. Als der Kranke wieder aus der Narkose erwachte, rief er aus: „Ich habe nicht mehr weh!“ Er ergriff die Hand des Doktors und dankte ihm. Doch Albert sagte ihm: „Mir brauchst du nicht zu danken! Mich hat Jesus geschickt und hat gesagt, dass ich dir und anderen Menschen helfen soll. Und viele weiße Menschen in Europa und Amerika haben Geld gespendet, damit ich Medizin kaufen kann.“ Das hat der operierte schwarze Mann verstanden. So saßen der weiße Albert und der schwarze Afrikaner beieinander und erkannten: Wir alle sind Brüder!

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Albert Schweitzer – Seminar #14

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Wie Albert Schweitzer Häuser baute

Immer mehr Kranke kamen zu Doktor Albert Schweitzer und seiner Frau Helene. Von morgens bis abends arbeiteten sie schwer. Sie operierten, impften; verbanden die kranken oder verletzten Menschen, die oft lange geduldig warten mussten, bis sie an der Reihe waren. Doch wo sollten sie die vielen Kranken und ihre Familienangehörigen unterbringen? Sie konnten ja nicht immer im Freien schlafen! Sie mussten vor der Hitze und vor den heftigen Tropengewittern geschützt werden. Also mussten Baracken gebaut werden. Doch es gab im Urwald keine Baufirma, die das erledigte, und es gab auch keinen Baumarkt, wo man Bretter und Nägel kaufen konnte. Also musste alles selbst geschaffen werden.

So zog Albert Schweitzer mit starken Männern, die ihre kranken Frauen im Hospital hatten, in den nahen Urwald. Dort fällten sie große Bäume und zersägten sie. Die Arbeit war bei der Hitze schwer und der Schweiß rann ihnen in Strömen von der Stirn. Die zersägten Bäume wurden dann an das Ufer des Flusses gerollt oder getragen und von dort in Kähne geladen und zu einem fernen Sägewerk gebracht. Danach kamen die Bretter dann wieder zurück und wurden zum Trocknen aufgestapelt. Auch dabei hat Albert geholfen, obwohl er schon vom Operieren ziemlich müde war. Doch er trug die Bretter mit wie alle anderen Männer. Da kam ein Afrikaner in vornehmem Anzug vorbei. Albert rief ihm zu: „He, Kamerad, helfen Sie uns bitte die Bretter tragen. Es wird gleich regnen und die Bretter werden nass!“ Aber der Afrikaner antwortete: „Das ist keine Arbeit für mich! Ich bin ein Studierter!“ Albert schüttelte nur den Kopf und sagte: „Schade, dass ich kein Studierter bin!“ Dabei hatte Albert Schweitzer viel mehr und viel länger studiert als der „vornehme“ Afrikaner!

Was hatten die fleißigen Hände  von Albert Schweitzer nicht alles zu tun! Am Vormittag mussten sie operieren, impfen und Salben auftragen; am Nachmittag galt es, Pfähle zu setzen, Dächer zu decken und Bretter zu nageln; abends spielten sie auf dem Tropenklavier und nachts schrieben sie Briefe und dicke Bücher. Nur wenige Stunden der Ruhe waren ihnen vergönnt.

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Wir merken uns: Kein Mensch ist für einfache Arbeiten zu schade. Man soll jede Arbeit achten und auch bereit sein, sie zu verrichten.