Eine ergreifende Liebesgeschichte – 2. Teil

„Zum Verlieben, nur nicht mehr zum Kriegen“

Schloss in Birkholz - Foto: gemeinde-karstaedt.de
Schloss in Birkholz – Foto: gemeinde-karstaedt.de

Nun gab es an dieser Schule in Quitzöbel einen Schulleiter, dessen Name Eberhard Trampenau war, und der zu diesem Zeitpunkt als 28-Jähriger schon ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich hatte. Er stammte aus Dallmin bei Karstädt, wo er zusammen mit drei Brüdern und zwei Schwestern auf einem Gutshof aufwuchs. Sein Vater war dort herrschaftlicher Kutscher, seine Mutter arbeitete auch auf dem Gut. Die Eltern hatten es nicht leicht, ihre sechs Kinder durchzubringen. Mutter Minna war gezwungen, bei der Arbeit auf dem Gut immer mal wieder ein paar Kartoffeln oder Rüben mitgehen zu lassen, um die vielen hungrigen Mäuler zu Hause zu stopfen. Vater Albert war überzeugter Atheist, was in jener Zeit, der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, ziemlich ungewöhnlich und dem Ruf der Familie im Dorf nicht gerade förderlich war. Es entsprach dem damaligen Zeitgeist, dass Pfarrer, Lehrer und Gutsbesitzer in einem Dorf bestimmten, was „rechtens“ war. Auch Eberhard hatte das als Jugendlicher zu spüren bekommen, denn als er konfirmiert werden wollte, war der Pfarrer der Meinung, dass er nicht die „richtigen“ Sachen anhabe und ließ ihn aus diesem Grund nicht zur Konfirmation zu. Es ist verständlich, dass Eberhards Einstellung zur Kirche zeit seines Lebens nicht nur ablehnend, sondern auch von Wut und Intoleranz gekennzeichnet war. Sein Werdegang als Jugendlicher und junger Mann war durch die Verhältnisse der dreißiger Jahre und der Kriegszeit vorprogrammiert: Hitlerjugend, Arbeitsdienst, Unteroffiziersschule, Kandidat der Offiziersschule. Mit 18 Jahren musste er in den Krieg ziehen, wurde dort bald verwundet und verlor zwei Finger. Gleich nach dem Krieg nahm er an einem „Neulehrerlehrgang“ teil (der kurioserweise wahrscheinlich im Gutshaus in Dallmin stattfand), das heißt, er wurde in relativ kurzer Zeit zum Lehrer ausgebildet, an denen damals großer Mangel herrschte. Sie waren entweder im Krieg gefallen oder aufgrund ihrer politischen Vergangenheit für diesen Beruf nicht mehr tragbar.

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Jedenfalls hatte es Eberhard in dem Jahr, als Elisabeth an seine Schule kam, bereits zum Schulleiter gebracht. Auch war er bereits verheiratet und hatte eine Tochter, wobei Gerüchte über lautstarke Auseinandersetzungen und durch die Luft fliegende (volle!) Windeln darauf hinwiesen, dass diese Ehe nicht gerade glücklich verlief.

Elisabeth 1955
Elisabeth 1955

Kaum hatte Elisabeth ihre Arbeit an der Schule in Quitzöbel begonnen, verliebte sie sich Hals über Kopf in ihren Schulleiter. In ihrem Tagebuch – das ich 20 Jahre später lesen durfte und das mich zu Tränen rührte, und das dann irgendwann unverzeihlicher Weise und zu meinem großen Bedauern nach einem heftigen Ehestreit in den Heizkessel flog – schwärmte sie immer wieder davon, wie nett und gutaussehend und klug er sei. An die Worte „Zum Verlieben, nur nicht mehr zum Kriegen“ kann ich mich noch genau erinnern. Wie das Leben so spielt, war auch Eberhard recht angetan von ihr, und es kam, wie es kommen musste: sie gaben ihren Gefühlen nach und beschworen damit für sich und natürlich auch für ihre Familien eine schwere Zeit herauf. Viele Kollegen verurteilten sie, Elisabeths Mutter und Großmutter versuchten hektisch, sie zu bekehren, Eberhards Frau war unglücklich, aber sie konnten nicht voneinander lassen. War es Unrecht? Ich bin da nicht ganz objektiv, denn wären die beiden „vernünftig“ geblieben, würde es mich und meine Geschwister nicht geben, und das fände ich ganz schön traurig. Also mag das jeder selbst beurteilen, und wer darüber den Stab bricht, hat entweder noch nie geliebt oder war bei Eintritt seiner eigenen großen Liebe in der glücklichen Lage, gerade frei und ungebunden zu sein.

 

Eine ergreifende Liebesgeschichte – 1. Teil

Anke Schubert schreibt über ihre Eltern

Eberhard Trampenau und Elisabeth Kegler

Familienzweig Kegler – Karte II a – III

Rühstädt, Quitzöbel 1953

Es war einmal – so beginnt auch dieses Märchen von einer großen Liebe, die 27 Jahre später nach vielen Höhen und Tiefen erloschen sein sollte – eine junge Lehrerin. Das war Elisabeth, die später unsere Mutter werden sollte. Sie zählte 20 Lenze und war ein sehr hübsches Mädchen. Eigentlich hatte sie ihre Lehrerausbildung noch gar nicht abgeschlossen, weil ihre lebensbejahende und offene Art es mit sich brachte, dass der Weg zum Ziel so manches Mal durch Umwege verlängert wurde. Nach ihrem Abitur hatte Elisabeth angefangen, in Potsdam Pädagogik und Deutsch zu studieren. Doch schon nach einem Jahr entschied sie sich, das Studium abzubrechen, denn eine unglückliche Liebe ließ es ihr unmöglich erscheinen, weiter in Potsdam zu bleiben.

View of the rebuilt Potsdam City Palace at night - Photo Credit: wikipedia.org
View of the rebuilt Potsdam City Palace at night – Photo Credit: wikipedia.org

Dieses Hindernis auf dem geradlinigen Weg zum Erreichen des Berufszieles hörte auf den Namen Jochen. Er war das, was man gemeinhin einen Herzensbrecher nennt, sah gut aus, war bei allen beliebt und hatte schließlich sein Interesse Elisabeth zugewandt, die ihr Glück zunächst gar nicht fassen konnte. Man traf sich häufiger, ging zusammen aus und Elisabeth war überaus zufrieden. Der junge Mann, immerhin schon 22-jährig, wollte sich aber schon nach kurzer Zeit nicht nur mit Händchenhalten und Abschiedsküsschen abfinden. So inszenierte er die perfekte Verführungssituation – eine Flasche Wein, Kerzenschein und leise Musik. Elisabeth fand das zwar wunderschön und sehr rührend, war aber trotzdem noch nicht zu dem bereit, was er sich erhoffte. Sie bat um Jochens Verständnis und um mehr Zeit. Beides war er aber nicht zu geben bereit. Verletzte männliche Eitelkeit und Egoismus ließen ihn vom feurigen Verführer zum beleidigten Macho werden, und um ihr zu beweisen, dass er keineswegs auf sie angewiesen war, tauchte er alsbald mit einer anderen Dame an seiner Seite in Potsdams Straßen auf. Elisabeth war darüber sehr unglücklich. Sie meinte, es nicht ertragen zu können, ihn und seine jeweiligen Bekanntschaften noch jahrelang sehen zu müssen und brach kurzerhand das Studium ab.

City Hall and Church at Perleberg - Photo Credit: wikipedia.org
City Hall and Church at Perleberg – Photo Credit: wikipedia.org

Das war damals wohl nicht ganz so tragisch – gemeint ist natürlich der Abbruch des Studiums, nicht dessen Ursache -, denn es gab für sie wie für viele andere junge Leute die Möglichkeit, schon als Lehrerin zu arbeiten und sich nebenbei durch Weiterbildungen auf die erste und später auf die zweite Lehrerprüfungen vorzubereiten. Also reiste Elisabeth von Potsdam nach Perleberg und ging zusammen mit einer Freundin zum Schulamt, um sich um eine Lehrerstelle zu bewerben. Der Schulrat hörte sich ihre Geschichte an, hatte ein gewisses Verständnis für ihre Situation und bot ihr an, nach Quitzöbel zu gehen, dort an der Schule ihre praktische Ausbildung zu vollenden und ein Jahr später, im Juli 1954, ihre staatliche Abschlussprüfung abzulegen. Elisabeth war überglücklich, als sie das Schulamt verließ. Nun sollte doch noch alles gut werden, und sie konnte ihr Berufsziel verwirklichen.

hurch of Legde_Quitzöbel - Photo Credit: wikipedia.org
Village Church of Legde-Quitzöbel – – – Photo Credit: wikipedia.org

Als ansonsten meist folgsame Tochter hatte sie es in diesem Fall aber leider versäumt, ihre Familie über diese nicht unwesentliche Abänderung ihres beruflichen Entwicklungsweges zu informieren. Just an diesem Tag hatte nun ihre Mutter Johanna, die ja auch Lehrerin war, dringende Erledigungen beim Schulamt zu machen und traf dort ihre Tochter, die gerade glücklich in Richtung ihres neuen Wirkungskreises aufbrechen wollte. Von Mutter Johanna zur Rede gestellt, beichtete Elisabeth alles. Johanna war äußerst aufgebracht und forderte, alles wieder rückgängig zu machen und nach Potsdam zurückzukehren, aber Elisabeth ließ sich nicht dazu überreden und fing ungeachtet des Protestes ihrer Mutter ihr neues Leben in Quitzöbel an.

Bruno’s Last Days (in German)

Brunos Letzte Tage – Chart II a – II & IV

von Dieter Barge

Ich war sehr froh, in den Unterlagen der 218. ID einen 4-seitigen Bericht zu dem Vorauskommando zu finden, dem Bruno mit seinem Radfahrerzug angehörte. Zunächst der Berichtskopf mit einigen allgemeinen Angaben zum Vorauskommando, dann 2 Fotos zu Radfahrern in der Wehrmacht.

Das Vorauskommando hatte eine beachtliche Stärke: 10 LKW, 3*Flak, 3*PAK, 7 Motorräder, Küchen-, Munitions-, Funk-, Tank- und Krankenwagen, 3 Radfahrgruppen, 2 Radfahrerzüge. Im nächsten Bild wird begründet, dass die Gruppe wegen des schlechten Wetters nicht mit den schweren LKW an den Rhein heranfahren konnte und eine weitere Nacht vom 15.Juni zum 16.Juni in Tutschfelden übernachten mußte.

Bild 4 Bericht 2

Der Abmarsch erfolgte am 16.Juni erst gegen 18 Uhr, deshalb konnte Bruno auch einen Brief an die Familie daheim schreiben und das folgende Bild beilegen, das auch noch entwickelt werden musste. Das Bild zeigt Bruno bei der “Bekanntgabe der Lage und der Aufgaben des Vorauskommandos” an seinen Radfahrerzug und ist mit 16.6.1940 datiert.

Bruno letztes Bild
Bruno letztes Bild

Das nächste Bild enthält die Erläuterung des Fahrweges von Tutschfelden bis Sigolsheim. Ich habe den Verlauf in 2 Google-Maps-Bildern eingetragen.

Der folgende Bericht schildert die Kämpfe in Sigolsheim und in Kientzheim, zu diesem Zeitpunkt war das Vorauskommando tatsächlich vor dem 386 IR, das sie vor Gemar einholten.

Bild 9 Bericht 4

Bemerkenswert, dass die Einheit direkt vom Divisions- und vom Regimentskommandeur geführt wurde! Die Kämpfe in Kientzheim dauerten ca. 9 Stunden !

Gegen Mittag fiel Bruno, wie im Beitrag von Anke und Jürgen bereits von einer Augenzeugin beschrieben wurde. Der Bericht des Vorauskommandos ist damit stimmig mit der Augenzeugin und der folgenden Nachricht des Vorgesetzten Brunos an Johanna. Etwas verwunderlich für mich ist, dass von diesen schweren Kämpfen in Kientzheim nichts beschrieben wurde.

Bruno

Die nächsten beiden Bilder zeigen das 1.Grabkreuz und das nach der offiziellen Trauerfeier errichtete 2. Grabkreuz.

Am 25.10.1940 besuchte die beiden Brüder Gerhard (später General) und Günther (Oberst) die Grabstelle.

Bild 13 Günther und Gerhard am Grab ihres Bruders am 25.10.1940

Die Söhne Jürgen und Hartmut konnten nach der Wiedervereinigung gemeinsam das Grab besuchen.

Bild 14 Jürgen und Hartmut am Grab ihres Vaters Bruno

Ich habe zur Erinnerung an Bruno 2 Bilder bearbeitet, das eine zeigt den jungen Bruno am Grab seines Vaters.

 

The Kegler Grandparents

Carl and Elisabeth Kegler Part II

Chart II a – I

Adapted from the Kegler Family Chronicle

By their son Günther Kegler (1894-1986)

 

It was not an easy beginning for the pastor’s couple. Until 1901 six children were born. In addition to the already crowded household there were Frau Pastor’s parents, Mr. and Mrs. A.Mass with their two unmarried daughters dwelling under the same roof since 1895. Marie Mass died in 1900, Adof Mass in 1906, Klara Mass in 1908 and Hedwig Mass in 1919. All have been buried in Grünewald. The small village cemetery is now completely overgrown, and gravesites can no longer be recognized. The former Eastern Provinces have become Polish territory. Up to 1900 the household of the pastoral home consisted of twelve persons.

Worth mentioning would also be the fact that Grünewald was a church patronage, a designation for the privileges of the patronage master of the church. The acquisition of these privileges resulted from a donation of a building lot and the funding for the construction of the church. The patronage master had the right to be part of the selection process for filling a pastoral vacancy. The patronage master of the Grünewald parish was Christoff (popularly called the ‘Stoffer’) von Glasenapp at the Grünewald domain. Von Glasenapp originated from an old Pomeranian nobility, just as von Kleist, von Gaudecker and many others.

What can we say about Frau Pastor – or colloquially called ‘Fru Pastern, Fru Preistern’! We could summarize her description with a ancient Indian proverb:

Where mothers keep watch,

The gods may rest!

Whoever experienced her as mother, grandmother, church mother in the broadest sense, friend, acquaintance, leader of a steadily growing household, und much more, could not say anything better! No matter how often the children brought home friends for the holidays, nothing was too much for her! Amazed and in awe her children are aware of this, her descendants upon hearing stories about her will feel the same! Awareness and silence are in order and are worth more than a thousand words!

 

Here again, as for her husband Carl, you can read more about her in the eulogy from 1948 in the German section of this blog.

The Kegler Grandparents

Carl and Elisabeth Kegler – Part I

Chart II a – I

Adapted from the Kegler Family Chronicle

By their son Günther Kegler (1894-1986)

 

Title Page of Kegler-Mass Family Chronicle
Title Page of the Kegler-Mass Family Chronicle

Carl Kegler

Born 1860-09-22 in Luckow, Randow County, Western Pomerania,

Pastor in Grünewald, Neustettin County,

Died 1919-06-15 in Grünewald.

and his wife

Elisabeth Kegler (neé Mass)

Born 1868-08-13 in Groß-Krossingen, Obornik County, former Province of Posen (Poznan),

Died 1948-09-14 in Erfurt after the expulsion from Stolpmünde at her son’s residence.

The two were married 1891-02-05 in Pniewno-Konopat, Schwetz County, former Province of West Prussia.

Carl Kegler studied theology in Greifswald, Berlin and Halle. He was a member of the student fraternity “Neo-Borussia”, a color-bearing association with the color band black-white-black-red. The fraternity founded after the Napoleonic Wars adhered to Christian-patriotic ideals and strove for the unity of the German nation. He would talk a lot about his student life, the great challenges, about serious and also lighthearted matters. Soon his children could sing many of student songs by heart, such as Halle on the Saale and many more. His youngest son Bruno was especially receptive for such things and would have loved to study.

In 1891 he was installed as pastor of Grünewald, Neustettin County and stayed in the congregation until his early death. He was the successor of Pastor Nedtwig, who had taken the vacant and larger parish in Gramenz, Neustettin County.

Affiliated with the parish of Grünewald were also the sister congregations (without pastors) Zechendorf and Kowalk and some other smaller churches especially during WW1. The distances were considerable and the congregations could only be reached by horse buggy or bicycle. He was not only a spiritual caregiver with all his strength, but also as a farmer’s son a capable countryman. To the parish also belonged ca. 40 Prussian acres (morgen) of land with a barn, stables, cattle and farm implements, etc. Thus, in the agricultural domain he was able to be helpful  with much advice and supportive action.

For more information I added the text of the eulogy, which a pastor and friend had delivered at Carl’s funeral in 1919. It is in German and can be located at the usual subheading of the P. and G. Klopp Story.

To be continued …

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