Albert Schweitzer Seminar #2

Die Geschichte vom Bienenstich, von den Hörnern und vom Teufel

Zuvor muss ich euch erst einmal sagen, wann und wo Albert Schweitzer geboren ist. Der Ort heißt Kaysersberg und liegt im Elsaß. Es ist ein ebenso schönes französisches Städtchen wie Quedlinburg. Es war das Jahr 1875, als er zur Welt kam. Sein Vater war Pfarrer, der bald nach der Geburt seines Sohnes nach Günsbach im Elsaß versetzt worden ist. Albert war anfangs ein sehr schwaches Kind. Keiner glaubte, dass er lange leben würde. Doch bald wurde er kräftiger und wuchs heran. Davon werden wir noch hören.

Alberts Vater hielt in seinem Garten Bienen, damit seine fünf Kinder und deren Mutti schönen Honig essen konnten. Eines Tages schaute der kleine Albert seinem Vater zu, wie er an den Bienenstöcken hantierte. Da setzte sich plötzlich eine Biene auf seine Hand. Albert wollte sie streicheln, weil sie immer so fleißig Honig gesammelt hatte. Doch die Biene verstand das nicht und bekam Angst. Deshalb stach sie ihn in die Hand. Albert schrie laut auf, weil der Stich so schmerzte. Seine Hand wurde ganz dick und rot. Schnell eilten seine Mutter und die Hausgehilfin herbei und bemitleideten den Jungen.

Sie zogen den Stachel heraus und legten eine Zwiebel auf die Wunde, damit der Schmerz nachlässt. Er wurde auch wirklich schwächer, doch Albert weinte und schrie weiter, weil er es so schön fand, wenn man ihn bemitleidete. Da meldete sich eine innere Stimme in ihm und fragte: „Albert, willst du dich vielleicht nur wichtig machen?“ Er schämte sich ein wenig und hörte auf zu weinen.

Alberts Eltern hatten viele gute Bücher in ihrem Schrank. In einem Regal stand eine uralte Bilderbibel, die sich Albert besonders gerne ansah. Auf dem Buchdeckel war ein Mann abgebildet, der auf seinem Kopf zwei Hörner trug. Er stellte Mose dar, ein jüdischer Prophet, der von einem Berg herunterkam. Albert fasste sich an seine Stirn und spürte selbst zwei kleine Höcker. Nun fürchtete er, dass ihm auch zwei Hörner wüchsen. Aber sein Vater klärte ihn auf, dass die Hörner eigentlich Sonnenstrahlen gewesen waren und nur die Maler später daraus Hörner gemacht hätten. In Wirklichkeit hat Mose gar keine Hörner gehabt. Das beruhigte den kleinen Albert.

Am Sonntag ging Albert immer in die Kirche. Während des Gottesdienstes blickte er gerne mal zur Orgel hoch. Wenn die spielte, glaubte er in einem Spiegel den Teufel zu sehen. Doch wenn sein Vater predigte, war der Teufel wieder weg. Albert nahm nun an, dass der Teufel Angst vor Gottes Wort hätte und deshalb bei der Predigt schnell verschwand. Später erkannte er aber, dass der angebliche Teufel eigentlich der Orgelspieler war. Der war ein guter Mensch, der anderen Menschen half und Freude bereitete. Da er aber so struppiges Haar hatte und einen langen Bart trug, sah er von weitem wie ein Teufel aus. Alberts Vater erklärte ihm, dass es einen richtigen Teufel überhaupt nicht gibt. Das ist nur Aberglaube. Auch darf man einen Menschen nie nach seinem Aussehen beurteilen.

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16 comments

  1. Ulli · October 22, 2018

    so schön schlicht und so herzlich geschrieben! Ich freue mich schon auf kommenden Montag, lieber Peter.
    Herzliche Grüße, Ulli

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  2. Amy · October 22, 2018

    Wonderful anecdotes! And such good practice for me to read in German. I understood about 60%, more at the beginning than at the end, and Google Translate helped with the rest.

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    • Peter Klopp · October 22, 2018

      So you are enjoying the seminars on several levels. I am so glad you like them, Amy.

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  3. rabirius · October 22, 2018

    Engaging and beautifully written.

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  4. crowcanyonjournal · October 22, 2018

    Hurrah for Google Translate!

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  5. Stella, oh, Stella · October 22, 2018

    Für mich ist das auch sehr interessant, denn ich kenne seine Vorgeschichte gar nicht. Schön, wie dein Vetter das in “Lektionen” darstellt.

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  6. Pure Glory · October 22, 2018

    An interesting story of young Albert. He certainly had a good imagination. It is a marvel that his father did not believe in the devil. There is certainly plenty of evidence that he exists.

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    • Peter Klopp · October 23, 2018

      I believe this is the author’s interpretation of this episode out of Albert’s childhood. Just as God’s majesty is so unfathomably great that no picture, statue, or painting could ever portray his splendour, so horrifying and depraved is the devil that no image even one with horns could ever render his spiritual ugliness. I believe this is what Alfred’s father meant. No doubt the devil is alive and well.

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  7. Edda · October 23, 2018

    Hartmut hat das Leben und Wirken von Albert Schweitzer den Kindern so einfach und anschaulich vermittelt! Soviel ich von ihm selber gehört und auch darüber gelesen habe, nahmen die Kinder sehr interessiert und lebhaft an seinen Seminaren teil! Hartmut hat sich u.a. auch auf diese Weise einen großen Freundeskreis aufgebaut. In vielen Briefen tauscht er sich immer noch mit seinen Freunden und Bekannten über A. Schweitzer aus.
    Liebe Grüße aus Sottmar!🙋

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    • Peter Klopp · October 24, 2018

      Heute kam ein Brief von Hartmut an. Seine Zeilen haben mich wie immer sehr erfreut. Tapfer lebt er weiter ohne seine geliebte Gisela. Es ist ihm ein Trost, dass seine Seminare soviel Anklang gefunden haben.

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  8. ruthfreter · October 26, 2018

    Hi Peter! “Es ist ein ebenso schönes französisches Städtchen wie Quedlinburg.” Soweit ich weiß liegt Quedlinburg im Harz. Oder gibt es auch ein Quedlinburg im Elsaß? Es ist lieb deinen Artikel zu lesen. Danke für den köstlichen Moment. Herzliche Grüße Ruth

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