Albert Schweitzer – Seminar #17

Wie Albert Schweitzer im Urwald ein Buch schrieb und eine Idee hatte

Nach dem Abendessen ging Albert Schweitzer immer in sein Arbeitszimmer und spielte etwas auf seinem Klavier. Er spielte am liebsten Werke von Johann Sebastian Bach. Das Klavier war für die heißen Tropen mit ihren vielen Schädlingen auf besondere Weise gebaut. Trotzdem haben Termiten, das sind weiße Ameisen, seine Inneneinrichtung zerfressen. Immer wieder musste es repariert werden. Alle kranken und gesunden Menschen und auch die Tiere im Urwald lauschten der schönen Musik, wenn Albert Schweitzer spielte. Danach setzte er sich an seinen Schreibtisch. Denn er schrieb neben seiner Arbeit als Arzt, Häuserbauer, Gärtner und „Bürgermeister” des Hospitaldorfes noch wissenschaftliche Bücher. In seinen Büchern wollte er den Menschen zeigen, was gut und was böse ist und wie sie gut handeln können. Als er so am Schreibtisch saß, lagen zu seinen Füßen eine kleine Antilope und eine Katze. Die Antilope schubberte ihr Näschen an Alberts Bein und die Katze sprang auf den Tisch und lief über das Papier, auf dem Albert schrieb. Das störte ihn natürlich und er schob sie weg, weil sie mit ihren Pfötchen die Tinte verwischte. Damals gab es nämlich noch keine Kugelschreiber und erst recht keine Computer. Man schrieb mit Federhalter und Tinte. Da schimpfte der Doktor mit der Katze und jagte sie vom Tisch. Doch sie sprang immer wieder hoch, tappelte hin und her, schnupperte am Tintenfass und kratzte sich hinter den Ohren. Da sagte Albert zu seinem Kätzchen: „Du hast einen dickeren Kopf als ich. Aber der Klügere gibt nach. Bleibe auf dem Tisch, aber lege dich hin und laufe nicht immer über mein Schreibpapier!” Die Katze schien das zu verstehen, legte sich auch wirklich brav hin und Albert kraulte sie mit der linken Hand ein wenig am Hals, während er mit der rechten Hand schrieb. Auf seinem Tisch brannte eine Öllampe, denn es gab am Anfang noch kein elektrisches Eicht in Lambarene. Draußen war es stockdunkel und man hörte im nahen Urwald die Insekten zirpen. Aus der Öllampe strömte ganz heiße Luft. Vom Licht angezogen, flogen Schmetterlinge und Käfer ins Zimmer und umschwärmten die Lampe. Da merkte Albert, dass sie sich an der heißen Lampe ihre Flügel verbrannten. So scheuchte er die Insekten aus seinem Zimmer und schloss die Fenster. Lieber saß er in der stickigen Luft, als dass er mit ansah, wie sich die Insekten verletzten.

Lange dachte Albert darüber nach, wie die Menschen zu anderen Menschen, aber auch zu den Tieren und Pflanzen, ja zu allem, was lebt, verhalten sollten. Denn alle wollen ja leben: Mein Freund, der Nachbar, der Hund, die Katze, der Regenwurm, der Marienkäfer, das Stiefmütterchen, die Butterblume, die Birke. Alles um mich herum will leben so wie auch ich leben will. Das muss man immer beachten. Eines Abends, als Albert Schweitzer mit einem Boot auf dem Ogowefluss zu einer kranken Frau fuhr, badeten dicke Nilpferde im Wasser und Albert erfreute sich an ihnen. Als er ihnen so zuschaute, kam ihm plötzlich eine ganz große Idee. Sie hieß: „Ehrfurcht vor dem Leben“. Das bedeutet, dass der Mensch Achtung, Bewunderung und Liebe zu allem zeigen soll, was lebt. Er soll keinem Lebewesen etwas Böses antun und ihm immer helfen, wenn es Hilfe braucht. Nun war er glücklich, denn er hatte endlich nach langem Nachdenken das richtige Wort gefunden zum Verhalten der Menschen gegenüber seiner Mitwelt.

 

7 comments

  1. Pure Glory · March 4, 2019

    What a kind man! Reverence for all life!

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  2. Ulli · March 4, 2019

    Im Buddhismus gibt es die Menschen, die Boddisatvas genannt werden, sie stellen das Mitgefühl mit allen Lebewesen ganz nach oben und leben es auch so – somit würde auch ich Albert Schweitzer als Boddhisattva bezeichnen.
    herzliche Grüße
    Ulli

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  3. Stella, oh, Stella · March 4, 2019

    Und das wäre eigentlich die einzige Richtlinie, die die Menscheit benötigt. Alle dicken Gesetzesbücher wären dann überflüssig.

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    • Peter Klopp · March 4, 2019

      Ich erinnere mich noch sehr gut an unsere Schullektion über Tacitus ‘Germania’, der berühmte römische Historiker, der er mit Bedauern feststellte, dass die Sitten und Gebräuche bei den Germanen mehr galten als all die Gesetze im römischen Reich. Halten wir an der Botschaft der Liebe fest, dann leben wir sogleich in einer besseren Welt. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar, Brigit!

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  4. Ein wunderbares Kapitel in diesem Buch

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  5. Amy · March 5, 2019

    I do love this kind and loving man who truly did revere all life. And I had to laugh at his encounter with the cat as I had just had the same conversation with one of our cats this morning after he knocked over a pile of papers on my desk,

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