Albert Schweitzer – Seminar #6

Die Geschichte vom Ringkampf

In Alberts Schulklasse gab es einen Jungen, der hieß Georg. Er war der Größte und alle hielten ihn auch für den Stärksten. Viele hatten mit ihm schon gerungen und dabei verloren.

Georg war auch ein Angeber. Er protzte mit seiner Stärke und forderte die anderen Jungen auf, mit ihm zu kämpfen. Aber die meisten hatten Angst vor ihm. Da sprach er auch den Albert an: „Du Herrenbüble bist wohl zu fein mit mir zu kämpfen?“ Georg nannte den Albert Herrenbüble, weil er immer ordentlich angezogen war und weil sein Vater nicht Bauer oder Tischler, sondern Pfarrer war. Albert ärgerte sich über diese Verspottung als Herrenbüble, wollte aber trotzdem nicht mit ihm kämpfen, weil er keinen Spaß am Ringkampf hatte. Doch als der Georg ihn einen Feigling nannte, legte Albert seine Schiefertafel in das Gras und sagte: „Los. kämpfen wir!“

Die beiden Jungen rangen miteinander und keuchten vor Anstrengung. Die anderen Jungen und Mädchen standen um sie herum und feuerten die beiden Kampfhähne an. Da gelang es Albert, den Georg auf den Boden zu werfen und festzuhalten. Alle riefen: „Bravo, Albert!“ Sie freuten sich nämlich, dass Albert den Angeber besiegt hatte. Doch Georg wischte sich den Schweiß von der Stirn und brummte böse: „Wenn ich auch jede Woche eine Fleischsuppe essen könnte wie der Albert, wäre ich auch so stark!“

Darüber erschrak der Albert sehr. Er schämte sich, dass es ihm besser ging als den anderen Kindern von Eltern, die nicht so viel Geld hatten, um ihren Kindern eine Fleischsuppe zu kochen. Sie aßen immer nur Mehl- oder Brotsuppen, von denen man nicht so stark wurde wie von Fleischsuppe. Als die anderen Kinder dem Albert zu seinem Sieg gratulieren wollten, drehte er sich still um und ging nach Hause.

Zuhause gab es zufällig gerade Fleischsuppe. Die Schüssel stand auf dem Tisch und roch gut. Alle hatten Appetit und langten zu, Alberts Eltern, der Bruder und die Schwestern. Nur Albert mochte nicht essen. Die Eltern wunderten sich sehr. Sie schimpften mit ihm: „Albert, warum isst du die gute Suppe nicht? Die Mutter hat sie mit so viel Liebe gekocht! Deine Geschwister essen sie doch auch!“ Doch Albert aß einfach nichts, weil er immer an Georgs Worte und die anderen Kinder denken musste, die es nicht so gut hatten wie er. Ohne etwas gegessen zu haben, stand Albert vom Tisch auf und ging in sein Zimmer.

Albert nahm sich fest vor, nie mehr Fleischsuppe zu essen und sich auch nicht mehr gut anzuziehen, damit die anderen nicht wieder „Herrenbüble“ zu ihm sagen konnten. Aber er beschloss auch, nie mehr einen Ringkampf zu machen, denn er wollte nicht, dass andere wegen seiner Kraft verlieren. Er empfand es als ungerecht, dass er stärker war als die anderen Kinder.

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Albert Schweitzer – Seminar #5

Die Geschichte vom Juden Mausche

Eines Tages trieb ein alter Mann mit Sommersprossen im Gesicht und mit einem langen Bart einen Esel durch das Dorf. Der Esel zog einen kleinen Karren. Der Mann hieß Mausche. Er war Jude und ein Viehhändler aus dem Nachbardorf. Die Kinder fanden ihn etwas komisch mit seinem Bart, dem großen Hut. dem langen Mantel und seinem Esel. Deshalb lachten sie auch über ihn. Sie rannten hinter ihm her, hüpften um ihn herum, schnitten Grimassen, steckten die Zunge heraus und riefen immer „Mausche, Mausche, Mausche!“

Viele Leute schauten aus den Fenstern und lachten mit. Alle glaubten, dass der Jude Mausche nun böse wird und die Jungen verjagt. Doch der Jude Mausche blieb ganz ruhig, hielt seinen Esel an und schaute freundlich zu den ungezogenen Jungen. Er lächelte gütig, strich einem der Jungen über das Haar und ging dann weiter.

Albert hatte das beobachtet und den Juden Mausche nicht ausgelacht. Eigentlich tat er ihm sogar leid, denn er war ein guter Mensch und hatte es nicht verdient, ausgelacht zu werden. Albert fasste sich sogar ein Herz und lief dem Juden Mausche nach, bis er ihn erreicht hatte. Dann nahm er seine Hand und ging mit ihm gemeinsam weiter durch das Dorf. Die Leute wunderten sich nun sehr: Da ging der junge Christ Albert mit dem alten Juden Mausche Hand in Hand die Straße entlang. Nicht nur die Jungen, sondern auch die älteren Leute hörten nun auf zu lachen und einige schämten sich sogar, dass sie den alten, gütigen Mann nur wegen seines Aussehens ausgelacht hatten.

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Albert Schweitzer – Vorwort zu den Kinder Seminaren von Prof. Dr. Hartmut Kegler

 

Im Sommer des Jahres 2003 lud mich die Freie Montessori Grundschule Aschersleben ein, ihren jüngsten Schülern etwas über Albert Schweitzer zu erzählen. Damit sollte ihr Ethikunterricht ein wenig ergänzt werden. Nur zu gerne bin ich dieser Einladung gefolgt, denn es konnte für mich nichts Schöneres geben, als jungen Menschen diesen großartigen Humanisten und beispielhaften Christen nahe zu bringen.

Da ich selbst kein Pädagoge bin, traute ich mir auch nicht zu, ordentlichen Unterricht zu geben. So entschloss ich mich zu einer Art von Seminar. Meine „Schüler“ hatten sich freiwillig dazu gemeldet, keiner wurde zur Teilnahme gezwungen. Einige von ihnen schienen durch ein aufgeklärtes Elternhaus zu dem Entschluss ermuntert worden zu sein, denn sie zeigten mir später Bücher Albert Schweitzers aus ihrer Hausbibliothek.

Meine Seminare dauerten jeweils eine Dreiviertelstunde. Diese Zeit hatte ich dreigeteilt. Zunächst erzählte ich ihnen jeweils eine der nachfolgenden Geschichten. Dann spielten wir einige Geschichten als kleine Theaterstücke nach. Das begeisterte die Jungen und Mädchen am meisten. Jeder wollte einmal Albert oder Helene, Joseph, Emma oder Mausche, Esel, Fiffi oder sogar Regenwurm spielen. Oft genug musste ich die Begeisterung bremsen, um nicht in Verdacht zu geraten, im Klassenzimmer Volksfeste zu veranstalten. Doch im letzten Drittel der Stunde setzten wir uns hin und malten eine ganz bestimmte Szene nach. Wie viele liebevolle Zeichnungen künden von dem gerade erzählten und nachgespielten Erlebnis!

So entstand nicht nur ein beglückendes Freundschaftsverhältnis zwischen meinen Schülern und mir, sondern ich erlebte zunehmend, wie Albert Schweitzers guter Geist Eingang in ihre Herzen fand. Das gab mir Hoffnung und auch etwas Mut, vor älteren Schülern aufzutreten, dort allerdings mit regelrechten Vorträgen über das Leben und Denken dieses wunderbaren Menschen. Auch hier in Sekundarschulen und Gymnasien stellte ich große Aufgeschlossenheit und Aufmerksamkeit fest. Es schien mir, dass die jungen Menschen geradezu danach verlangten, außerhalb der regulären Schule ein­mal etwas anderes zu vernehmen als ihnen eine flache Unterhaltungsindustrie ansonsten bietet.

Meine Geschichten habe ich weitgehend dem ausgezeichneten Kinder- und Jugendbuch von Werner Laubi „Albert Schweitzer, der Urwalddoktor“ sowie den am Schluss genannten Büchern Albert Schweitzers entnommen. Von all dem habe ich kurze Texte verfasst, die ich den Schülern übergeben habe, damit sie sich damit später noch einmal befassen oder ihre Eltern ihnen daraus vorlesen können. Jedem Text habe ich einen kleinen Fingerzeig angefügt, bei dem es um die wichtigste ethische Aussage ging, über die man nachdenken und die man beherzigen sollte. Damit sollten Samenkörner ausgelegt werden.

in der Hoffnung, dass das eine oder andere trotz einer für menschliche Werte wenig zugänglichen Umwelt keimen und wachsen möge. Ohne Hoffnung kann kein Mensch leben und Hoffnung ist Kraft, hat Schweitzer einmal selbst gesagt.

Hartmut Kegler

The Wonderful World of Cacti

Wednesday’s Photos

Photos by Klaus-Dieter Barge

In my youth I once watched the Walt Disney documentary ‘The Living Desert’ (Die Wüste Lebt). It showed how the arid landscape after a rare rainfall literally exploded into a colourful display of the blooming desert flowers including the incredibly beautiful shapes of the cacti. As it often happens, the images gradually faded from my memory and all that remained was the idea  that cacti are nondescript plants extremely prickly and not exactly pretty to look at. Therefore, I am very grateful to my friend Dieter Barge who told me about his passion for raising and cultivating a large variety of cacti in his greenhouse. He kindly provided the photos of these marvelous desert plants complete with their botanical names. I turned the images with the help of a video editor into the short two-minute video below. Enjoy.

Halleluja by Leonard Cohen

An Amazing New Year’s Greeting

For New Year our friend in Germany sent us a couple of videos of his family celebrating Christmas, enjoying an impressive fireworks display on New year’s Eve and of his wife Edda playing the Halleluja by Leonard Cohen. Edda is the granddaughter of my Uncle Bruno. If you look at the Kegler family tree, you will find her on Chart IIc. Never have my wife Biene and I received a more touching and more precious New Year’s greeting than this video. A big thank you goes out to Dieter, Edda’s husband, who made this beautiful recording! It is my hope that you like it as much as we do.

Christmas Tree Hunt in the Great Canadian Wilderness

Guest Post by Stefan Klopp

A few days before Christmas our son Stefan and his partner Laura went into the mountains to hunt for our Christmas tree. He recorded their adventure on video, which I would like to share with all my friends who might not be familiar with masses of snow in our nook of the world in Canada. I would also like to take this opportunity to wish everyone and all a Happy and Blessed New Year.